Was bedeutet das ewige Leben?

Was bedeutet das ewige Leben?

Das ewige Leben ist vergleichbar mit dem Reich Gottes. Jesus verkündete seinen Jüngern das Reich Gottes. Im Markus-Evangelium lesen wir: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Jesus bezeichnet es als das neue Leben, das er verkündet hat. Da die Apostel in den Prüfungen ausgeharrt haben, vermacht er ihnen das Reich, wie es sein Vater ihm vermacht hat. Sie sollen in seinem Reich mit ihm an seinem Tisch essen und trinken, sie sollen auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.
Wann kommt aber das Reich Gottes? Als Jesus darüber gefragt wurde, antwortete er: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! Oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.“ (Lk 17,20-21). Das Reich Gottes ist also nicht sichtbar, aber es ist unter uns zugegen.
Worin besteht das Reich Gottes? Versuchen wir zuerst zu überlegen, was man sich nicht unter dem Begriff „Reich Gottes“ vorstellen sollte! „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken“ (Röm. 14,17a). „Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.“ Lk 20,35). Der Heilige Paulus sagt im 1. Korintherbrief 15,50: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; das Vergängliche erbt nicht das Unvergängliche.“
Das Reich Gottes ist also kein Essen, kein Trinken, kein Sex. Wir müssen uns definitiv von der Vorstellung verabschieden, dass das Reich Gottes ein Ort ist, wohin der Mensch nach seinem Tod geht, damit er dort die leiblichen Lustbarkeiten genießen könne. Das Reich Gottes hat nichts gemeinsam mit den Genüssen dieser Erde.
Drei Aussagen von Psychologen:
David G. Myers, Professor der Psychologie hält folgende Sachen für wichtig, die dem Menschen das Gefühl des Glücks geben: physisch tüchtig zu sein, ein gesunder Leib, eine positive Selbstachtung, das Gefühl der eigenen Bewältigung des Lebens, Optimismus, Offenheit, eine anregende und interessante Arbeit, Gelegenheit zur Ruhe und zum Vergnügen, persönliche freundschaftliche Beziehungen, geistige Entwicklung.
Der Psychologe Frederik Herrberg: Verantwortlichkeit, persönliche Erfüllung, eine anregende und interessante Arbeit, Wachstum, Entwicklung, Leistung, Glück.
Der Psychologe Clayton P. Alderfer: Beziehung zu anderen Menschen, Anerkennung, Durchsetzungsvermögen, das Gefühl der Wichtigkeit, Wachstum, Entwicklung.
Worum geht es aber im Reich Gottes? Das Reich Gottes ist der Zustand des Daseins, es ist das Leben mit Gott, in Einheit mit Gott und in Gott. Es ist die Umwandlung des Menschen in die Söhne und Töchter Gottes. Im Christentum nennt man es die Vergöttlichung. Davon spricht ein Mystiker des 14. Jahrhunderts – Johann Tauler. Er sagt: Gott lebt, wohnt, wirkt in der Seele des Menschen. Hier wird die Seele, Gott ähnlich. Sie ist mit Gott eng verbunden, in ihm tief eingesenkt.
Ein Bekenner,  Hl. Maxim sagt: Alles, was Gott hat, nimmt der auf, der vergöttlicht ist. Jesus ist Mensch geworden, damit wir Gott ähnlich werden, um mit ihm in Gemeinschaft zu leben und den Anteil an seinem Leben zu haben. Durch ihn werden unsere Sehnsüchte erfüllen– ein positives Selbstbewusstsein, Optimismus, Offenheit, geistliche Entwicklung und Verantwortlichkeit. Einzig und allein die Berufung zur Vergöttlichung gibt dem Evangelium Logik und Sinn. Sobald die Vergöttlichung im Christentum fehlt, werden die Worte der Bibel in großem Maße unbegreiflich.
Wie kann man das ewige Leben gewinnen? Das geht  ohne uns Menschen nicht. Ohne unsere Zusammenarbeit. Wenn der Himmel ein wunderschöner Garten wäre, warum sollten wir uns bemühen, unsere Persönlichkeit zu verwandeln? Diese Lustbarkeiten kann jeder genießen, ohne Rücksicht darauf, wie der Mensch ist. Die Forderungen zur Vollkommenheit, wie sie das Evangelium verlangt, wäre dann nicht notwendig. Wenn aber der Himmel die Vergöttlichung ist, dann ist eine vollständige und wesenhafte Umgestaltung unseres gesamten Lebens notwendig. Das Heil bedeutet, Gott ähnlich zu sein und dass geht nicht ohne unsere Verwandlung.
Das ist wie mit der Funktion des Präsidentenamtes. Ein Präsident sollte ein unbescholtener Mensch mit der guten Moral   sein. Aber , das allein macht einen Menschen nicht automatisch zu einem Präsidenten. Man kann nicht sagen: „Ich bin gut und anständig, warum bin ich nicht Präsident?“ Man muss sich um das Amt des Präsidenten sich bewerben und er muss dann auch noch erfolgreich gewählt zu werden.
Ein unbescholtener, moralisch guter Mensch ist noch nicht automatisch ein erlöster Mensch. Wenn ein Mensch vergöttlicht werden will, muss er sich für Gott entscheiden, er muss sein Leben im Sinne Gottes gestalten, er muss sich das Leben, das Tun und das Verhalten Jesu aneignen. Ein Beispiel. Wenn ich ein guter Neffe bin, kann es sein , dass mein reicher Onkel in Amerika sein Eigentum vermach. Das bedeutet dass der Besitz ist mein. Aber wenn ich wirklich mein Besitz benützen, gebrauchen will, muss ich nach Amerika reisen, und dort mein Eigentum übernehmen. Wenn ich das nicht mache, werde ich von meiner Erbschaft nichts haben. Ja. ich kann zu Hause bleiben, theoretisch werde ich den Besitz haben, aber praktisch nein. Jesus hat für uns das ewige Leben gewinnen. Dieses Leben aber  müssen wir empfangen. Es ist wie mit der Schule. Die Aufnahme in eine Schule und ein gutes Verhalten bedeutet noch nicht, dass ich ein Ingenieur werde. Dann erst wenn ich erforderliche  Kenntnisse gewinne und wenn ich die Prüfungen ablege, werde ich  Ingenieurdiplom bekommen. Wenn ich wirklich vergöttlich sein will, dann  muss ich  Gottes Leben empfangen und Jesus Art des Lebens aneignen. Vom Menschen hängt es also ab, ob er dieses Leben annimmt oder nicht, ob er Gott erlaubt, dass in ihm Gottes Macht wirksam wird, dass er vergöttlich wird.
Unser Glück hängt nicht davon ab, was wir haben, sondern davon ab, was wir sind. In gleichen Wohnungen leben glückliche und unglückliche Familien. Ihr Glück hängt von der Art ab wie sie leben.
Kann ich mich verlassen auf Gottes Barmherzigkeit, auf seine Liebe und Vergebung? Ja  sicher, kann ich.  Es geht aber nicht darum, ob mir Gott verzeiht, sondern es  handelt sich darum ob ich Gottes Leben empfange oder nicht. Es ist wie bei einem Studium an der Universität. Jemand  lernt nicht. Der Professor kann ihm verzeihen, er kann mit ihm das  Mitleid zu haben, aber das wird die Wirklichkeit nicht ändern, dass der Student die notwendigen Kenntnisse nicht hat, und deshalb, kann er Ingenieur nicht  sein. So ist es auch mit dem Heil. Wenn ich das Leben Gottes nicht aneigne, dann bin ich nicht fähig, dieses Leben zu leben und auch Gott kann daran nichts ändern. In das ewige Leben treten wir jetzt und hier ein, also schon während des irdischen Lebens.
In Lukas 13,24-25 heißt es: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
Das Schließen der Tür ist die Stunde des Todes. Ich empfehle jedem  seine Verantwortlichkeit für sein Heil sich bewusst werden.

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