2. Sonntag nach Weihnachten A Joh. 1-18

2.Sonntag nach Weihnachten A

Einleitung

Beim Lesen der Heiligen Schrift stellen wir fest, dass einige Abschnitte für uns einfach zu verstehen sind und wir damit kein Problem haben. Andere Abschnitte sind aber sehr kompliziert und schwer zu begreifen. Das heutige Kapitel gehört zu den schönsten, aber zugleich schwierigsten der Bibel.  Der Evangelist Johannes beschreibt auf sehr hochtheologische Art die Ankunft des Gottessohnes in dieser Welt. Diese besondere Art faszinierte viele Kirchenväter, Schriftsteller, Dichter und Künstler. Als der Heilige Augustinus das heutige Evangelium las, sagte er: „Gott  wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde.“

Predigt

Der Heilige Augustinus spricht mit dem Satz „Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde“ zwei große Geheimnisse unseres Glaubens an. Das erste Geheimnis besagt, dass Gott Mensch geworden ist. Man nennt dieses Geheimnis auch das Geheimnis der Fleischwerdung Christi. Als zweite göttliche Person wurde Gott Mensch, damit er uns alles lehrt, was wir für ein gelungenes Leben brauchen, damit er für uns leidet und stirbt und uns so die Erlösung schenken kann.  Leider begreifen viele Menschen diese Wirklichkeit nicht. Sie denken, dass Gott sich ein für allemal zu einem Menschen verwandelt hat. Aber das ist nicht so, Gott kann sich nicht für immer zu einem Menschen verwandeln, denn er ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Er ist immer derselbe gestern, heute und morgen und in Ewigkeit. Das ist die Wahrheit der Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus – seiner göttlichen Natur schloss sich die menschliche Natur an. Er wurde Mensch mit Leib und Seele wie wir, und so wurde er uns Menschen ähnlich – außer der Sünde – aber er blieb zugleich Gott.

Dazu eine Begebenheit: Ein Herrscher wollte über das Leben seiner Untergebenen, um ihre Freuden und Leiden, genau Bescheid wissen. Er verkleidete sich daher in einen armen Menschen. Als er in ein Dorf kam, nahmen ihn die Menschen auf. Sie hatten keine Ahnung, dass es der König war, denn dieser arbeitete wie sie, kleidete sich wie sie und trotzdem blieb er der König.                                                                             Dasselbe gilt für Jesus, er hört nicht auf, Gott zu sein.  Wenn der Heilige Augustinus sagt, dass der Mensch Gott werden soll, das ist für viele Menschen unbegreiflich. Sie sagen: „Da wäre ich ja ein Superman. Ich bin aber nicht allmächtig und allwissend, ich kann die Welt nicht erschaffen.“ Das stimmt, aber vergessen wir nicht, dass wir durch die Taufe zu Kindern Gottes geworden sind. Dadurch haben wir auch die göttliche Natur angenommen. Das bedeutet aber, dass wir in unserem Leben Christus nachfolgen sollen.                  Vielleicht sagt aber auch jemand zu uns: „Ja, du bist ein Kind Gottes, du hast göttliche Natur angenommen, ich aber nicht! Bist du deshalb klüger als ich, bist du deshalb gesünder als ich  oder besser als ich. Kannst du etwas machen, was ich nicht machen kann?“ Wie sollen wir auf diesen Einwand und auf diese Frage antworten? Wir sollen eine kluge Antwort geben, die der Wahrheit entspricht. Die könnte so lauten: „Wenn jemand getauft wurde, bedeutet das überhaupt nicht, dass er ein Superman wird. Die Wirkungen der göttlichen Natur zeigen sich erst nach dem Tod. Die göttliche Natur wirkt vor allem in unserer Seele. Wer göttliches Leben in sich hat, hat Anteil an allem, was Gott wirkt. Sein Leben wird unser Leben sein, sein Glück wird unser Glück sein.  Wir sollten dankbar sein, dass Gott uns zu einer solchen Verwandlung befähigt. Leider verstehen viele Menschen das nicht und lehnen die Worte „Du sollst Gott ähnlich sein“ ab. Sie ahnen nicht, was sie verlieren, wenn sie diesen Worten nicht trauen.

Stellen sie sich vor,  ein Frosch hätte die Möglichkeit, ein Mensch zu werden, aber er würde das ablehnen und sagen: „Ich will ich kein Mensch werden, ich will ein Frosch bleiben.“ Vielleicht würden sie denken, dieser Frosch ist aber ungeschickt, das Leben eines Menschen ist doch viel reicher und interessanter als das Leben eines Frosches. Aber ein Frosch würde sowieso nie die Möglichkeit haben, Mensch zu werden.                                                                                               Aber der Mensch hat die Möglichkeit, Gott ähnlich zu werden. Es ist sehr traurig, wenn der Mensch dieses Angebot nicht annimmt. Manche Menschen denken nur an ihren Körper und niemals an ihre Seele.

Nehmen wir uns Zeit, darüber nachzudenken! Werden wir uns bewusst, was Gott uns da anbietet und nehmen wir dieses Angebot an! Wir sind Kinder Gottes und damit wir es sein können, hat Jesus uns erlöst durch seinen Tod. Vergessen wir das niemals!

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