Taufe des Herrn 2014 A

Taufe des Herrn 2014 A

Einleitung

Singe ein Lied, sage ein Gedicht auf oder zeige uns, wie du tanzen kannst! Das sind Aufforderungen Erwachsener, damit Kinder zeigen, was sie wissen und können. Die Kinder präsentieren sich gern und die Eltern sind auf ihre Erfolge stolz. Jeder Vater, jede Mutter bemüht sich aber auch, seinen Kindern nicht nur das biologische Leben zu schenken, sondern auch etwas mehr. Die Kinder sollen die Fähigkeit erlangen, sich im Leben durchzusetzen. Der Wunsch der Eltern ist, dass  ihr Kind mit anderen Menschen richtig kommuniziert, dass es hilfsbedürftig,  solidarisch und tolerant ist. Das sind innere Werte des Lebens, man könnte das als Kultur der Seele bezeichnen. Äußere Werte nimmt jedes Kind sehr schnell von anderen an. Auch Eltern meinen, ihr Kind müsse alles haben, was andere Kinder der Nachbarschaft haben. Die Kinder der Nachbarn tragen teure Markenkleidung , daher müssen ihre Kinder das auch haben. Inneren Werte den Kindern mitzugeben ist nicht einfach, es ist einfachen einem Kind einen Computer zu geben. Innere Werte erhält der Mensch besonders durch die Taufe, darüber möchte ich in der Predigt sprechen – aktuell heute am Fest der Taufe Jesu.

Predigt

Im Matthäus- Evangelium hat es geheißen:   „Zu jener Zeit kam Jesus von Galiäa an den Jordan zu Johannes,um sich von ihm taufen zu lassen.“ Johannes wollte das zuerst nicht zulassen und sagte zu Jesus: „Ich müsste  von dir getauft werden und du kommst zu mir?“ Jesus antwortete ihm: „Lass er nur zu, denn nur so kann der  Wille  Gottes erfüllt werden.“ Bei dieser Taufe sah Johannes dann auch plötzlich, dass sich der Himmel öffnete und der Geist Gottes wie eine Taube auf Jesus herabkam. Und noch dazu sprach da eine Stimme aus dem Himmel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“

Diese Worte beziehen sich nicht nur auf Jesus, sondern auf jeden Menschen, welcher an Gottes Verheißungen glaubt. Wenn wir uns  dafür öffnen, entfalten wir unser Innerstes. Die Liebe Gottes bildet in uns Menschen ein neues Leben, eine neue Kultur der Seele. Als Antwort darauf gibt es zwei Möglichkeiten: Ich öffne mich für die Liebe Gottes oder ich verschließe mich. Es ist sicher, dass ein Mensch, der sich der Liebe Gottes öffnet und sie in sich wirken lässt, sich ganz anders verhalten wird, als ein Menschen, der nie davon gehört hat oder nichts davon wissen will, dass Gott in unsagbar liebt.

Im sogenannten Effataritus, der meiner Meinung nach Bestandteil jeder Taufe sein sollte,  sagt der Priester bei der Taufzeremonie in etwa folgende Worte: „Ich berühre deine Stirn, damit Christus dich behüten möge mit seiner Liebe. Ich  berühre deine Ohren, damit du Gottes Stimme hören kannst. Ich berühre deine Augen, damit du in Klarheit Gottes Antlitz siehst.   Ich berühre deine Brust, damit Christus in deinem Herzen wohnen kann.   Ich  berühre  deinen Mund damit du auf das Wort Gottes antworten kannst. Das Öffnen der Augen, der Ohren und des Mundes bedeutet Blindheit, Gehörlosigkeit und Stummheit zu überwinden.Das Öffnen der Augen,der Ohren und des Mundes bedeutet Blindheit ,Gehörlosigkeit und Stummheit zu überwinden.   Nur so ist es möglich, Gott zu hören und mit ihm zu sprechen. Die Eltern wünschen sich, dass Ohren, Augen und Mund ihres Kindes geöffnet sind und das Kind sich dadurch gut entwickeln kann. Das geschieht also in der Taufe, wo eben Ohren, Augen und Mund für Gott geöffnet werden. Wir sehen und erfassen dann die Welt mit anderen Augen, nicht nur mit unseren irdischen. Wir sehen in der Schöpfung die Liebe Gottes und wir sehen auch das Kreuz, dass auch einem Leiden Sinn geben kann.

Über den Mangel an ,, Kultur der Seele“ spricht die folgende Erzählung: Nach mehreren Jahren Ehe begann eine Frau sich ganz sonderbar zu benehmen. Sie verkroch sich im Zimmer oder sperrte sich im Keller ein. Sie hörte auch auf, auf ihr Äußeres zu achten. Der Mann reagierte darauf so: Er zündete sich eine Zigarette an und ging zu Freunden. Beide sahen nicht,  dass sie ihr zehnjähriger Sohn dabei beobachtete und an diesem Zustand litt. Er war eine völlige andere Mutter gewöhnt, eine lächelnde, freundliche, milde, ausgeglichener Mutter und er begriff diese Änderung bei seiner Mutter einfach nicht. Einmal schrie die Mutter ihren Mann an mit den Worten: „Ich hasse dich!“ Dann schloss sie sich ins Zimmer ein. Der Sohn schaute den Vater an und sagte: „Hast du gehört, die Mutter hasst dich!“ Der Vater aber zündete sich bloß eine Zigarette an und gab keine Antwort. Der Bub aber fragte weiter: „Warum hasst dich die Mutter?“ Auch jetzt antwortete der Vater nicht und begann einfach in der Zeitung zu lesen. Er bemerkte nicht einmal, dass sein Sohn zur Kredenz ging und die Tabletten, die dort aufbewahrt waren, zu essen begann. Als später die Mutter aus ihren Zimmer kam und zur Kredenz ging, nahm sie wahr, dass die Tabletten fehlten. Sie fragte ganz aufgeregt: „Wo sind meine Tabletten?“ Der Sohn sagte: „Ich habe sie gegessen, weil du den Vater hasst!“ Da waren die Eltern plötzlich ganz aus der Fassung, denn sie wussten, dass könnte ihrem Kind nicht gut tun. Und als der Sohn dann auch noch zu phantasieren begann und meinte: „Schau, Vater, wie schön heute die Sterne sind!“, da startete der Vater eiligst das Auto, schnappte den Sohn und fuhr mit ihm zum Arzt. Die leere Tablettenschachtel hatte er mit und zeigte sie dem Arzt, der ein Freund der Familie war. Er versuchte nun mit allen Mitteln, das Leben des Kindes zu retten, aber es gelang ihm nicht mehr. Er sagte: „Ich habe schon mehrerer Kinder sterben sehen, aber dass es  gerade das Kind meines Freundes sein muss. Es war für mich besonders schwierig und machte mich sehr traurig. Ich war so fertig, dass ich nicht fähig war, am Begräbnis teilzunehmen. Meine Frau nahm am Begräbnis teil. Als sie zurückkam, rief sich sie mich und unsere Kinder zu sich, umarmte uns und sagte: „Wenn ich vergesse, dir nicht jeden Tag vor den Kindern zu sagen: Ich liebe dich, dann mache mich darauf aufmerksam. Versprichst du mir das?“

Es ist sehr wichtig zu bedenken, wie groß der Wert der Liebe ist. Liebe muss geäußert und ausgesprochen werden zwischen den Eltern und den Kindern. Liebe bildet Leben und Gemeinschaft in einer Familie.  Jesus lehrt uns diese Liebe bei jeder Heiligen Messe und fordert uns auf, diese Liebe anzunehmen und weiterzuschenken.

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