6.Sonntag im Jahreskreis A Mt 5,17-37

Einleitung

Das Flugzeug rollten auf die Startbahn. Plötzlich blieb es stehen, wendete und rollte wieder zum Ausgangspunkt zurück.   Nach einer Stunde des Wartens wurde das Flugzeug wieder  gestartet. Die beunruhigten Fluggäste fragten die Stewardess über die Ursache. Die Stewardess antwortete: „Dem Pilot gefiel das Motorengeräusch nicht und er ließ die Motoren des Flugzeuges nochmals überprüfen und den Fehler beheben.“                          

Wer will schon mit einem Piloten fliegen, dem es egal ist, wenn ein unangenehmes Motorengeräusch an seinem Flugzeug zu hören ist. Ein Pilot, der so ein Geräusch wahrnimmt, weiß dass etwas nicht in Ordnung ist, er ist sozusagen ein Fachmann auf diesem Gebiet.     Jesus Christus ist ein Fachmann für ein glückliches und gelingendes Leben. Es ist nicht genug, dass sich der „Motor des Lebens“ dreht, es muss auch den Klang der Liebe haben.

Predigt

Jesus kritisierte die Pharisäer und Schriftgelehrten, die ihre Religion zwar gesetzestreu aber doch eher oberflächlich lebten. Auch zu uns sagt Jesus im heutigen Evangelium: ,,Wenn eure Gerechtigkeit nicht noch weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer , werdet ihr nicht in das Himmelreich  kommen“. Was war das für eine Gerechtigkeit, die mit der Lehre Jesu nicht übereinstimmte? Was verlangt Jesus von uns?  Der Evangelist Matthäus verwendete in seinem Evangelium eine literarische Form, die die Bibelexperten „Antithese“ nennen, also eine Gegenbehauptung zu einer Ausgangsbehauptung.

Was Jesus ganz konkret sagte, dazu möchte ich zwei Abschnitte als Beispiel der Antithese aus dem heutigen Evangelium herausnehmen: ,,Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten: wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt , soll dem Gericht Gericht verfallen sein.“ Oder weiters sagte er: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ Und dann gibt es noch weitere Beispiele im heutigen Evangelium.

Mit diesen Aussprüchen wollte Jesus die alttestamentlichen   Gebote nicht aufheben. Er war ja auch einer, dem die „Tora“ – die ersten 5 Bücher des alten Testaments, die 5 Bücher des Mose, geläufig waren.   Die Art der Interpretation, die Auslegung also der Schriftgelehrten von damals, war für Jesus nicht richtig. Sie waren zu sehr gesetzmäßig, wie zum Beispiel: Wenn ich niemanden töte, bin ich gut – wenn ich nichts gestohlen habe, bin ich gut. Für Jesus ist das nicht genug. Ein Mensch soll auch eine gute Einstellung zu Liebe und Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber haben,  und vorallem auch die Liebe zu Gott. Es genügt nicht, nichts Böses zu tun, man muss auch Gutes tun. Jesus verlangt von uns, dass wir nicht nur gerecht, sondern auch liebenswürdig und barmherzig sind.  Um nochmals zu wiederholen: Wenn ich sage, ich habe nichts gestohlen, ich haben niemanden getötet, ich habe nichts Schlechtes getan, also bin ich gut, so ist das ein sehr oberflächliches Leben.

Ein Beispiel dazu: Eine Mutter sieht, dass ihr Kind weint und weiß nicht warum. Sie kann das einfach nicht verstehen, denn ihr Kind hat doch alles, es hat zu essen, zu trinken und hat stets schön gewaschene Kleider und sie mache doch alles für ihr Kind. Ich denke alledings, dass das  zu wenig sei. Ein Kind braucht auch jemanden, der es in die Arme nimmt, es liebkost und mit ihm spielt. Es muss auch das Gefühl von Sicherheit haben. Für ein Kind genügen nicht nur materielle Werte, ein Kind braucht auch viel Liebe. So ähnlich ist es mit unserer Beziehung zu Gott. Es ist nicht genug, nur die Gebote Gottes zu erfüllen. Ganz wichtig ist auch eine liebevolle Beziehung zu Gott. 

Noch ein weiteres Beispiel: Sie kennen wahrscheinlich alle die Geschichte und das Leben von Mutter Theresa. Sie wissen, wie aufrichtig ihre Liebe zu den Armen war. Davon will ich jetzt nicht erzählen. Ich möchte Sie mit einem Priester aus der Slowakei bekannt machen, der ein ähnliches Leben wie Mutter Theresa lebt. Er heißt Marian Kuffa und ist ein wenig über 50 Jahre alt. Er widmet seine Zeit und Energie den Obdachlosen, also Menschen, die in ihrem Leben gescheitert sind. Es ist ihm wichtig, dass diese Menschen Unterkunft und Kost haben, aber es ihm noch wichtiger, sie geistlich zu betreuen. Er möchte versuchen, die Situation dieser Menschen mit Liebe zu verändern.  Viele Menschen, die ihn kennen, bezeichnen ihn als einen sehr charismatischen Menschen. Ich hoffe, dass man auch im deutschsprachigen Raum einmal von ihm einen Film drehen wird. Um nochmals zu Mutter Theresa zurückzukommen, da hat ein Journalist ihr Leben einige Zeit beobachtet und dann  zu ihr gesagt: „Was sie machen, das würde ich nie schaffen!“ Ich denke, dass diese Worte auch für die Tätigkeit von Marian Kuffa ihre Gültigkeit haben.

 Warum ist es aber für uns wichtig, über diese wertvollen  Menschen etwas zu wissen? Diese Menschen zeigen uns, dass sie diese Kraft für ihre so schwierigen Aufgaben nur durch ihren Glauben an Gott haben, den sie über alles lieben. Ein solcher Glaube kann auch uns erfüllen.

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