4. Fastensonntag A Joh, 9, 1-41

4.Fastensonntag A Joh, 9,1-41 Warum leiden?

Einleitung

Es ist ganz natürlich, dass Kinder neugierig sind und den Eltern immer wieder einmal Fragen stellen. Zum Beispiel: Wie viel wiegt ein Elefant?  Wer ist stärker – ein Löwe oder ein Tiger? Wie viele Kilometer ist die Sonne von uns entfernt? Es gibt aber Fragen,  auf die die Eltern keine Antwort wissen. Eine solche Frage  ist: Warum gibt es auf der Welt soviel Leid und Schmerz?

Predigt

Im Evangelium haben wir gehört, dass Jesus und seine Jünger einen Mann gesehen haben, der blind war. Die Apostel fragten Jesus: „Rabbi , hat er selbst gesündigt oder haben seine Eltern gesündigt?“ Jesus antwortete: ,,Weder er noch seine Eltern haben gesündigt , sondern Gottes Werke sollen an ihm offenbar werden“. Zur Zeit Jesu dachten die Menschen, dass Krankheit, Unglück und Not  Strafen  für ein sündhaftes Leben sind. Es kann durchaus der Wahrheit entsprechen,  dass Gott den Sünder bestrafen kann und in der Heiligen Schrift lesen wir mehrmals darüber.

Da ist das Beispiel des Syrers Naaman, der vom Propheten Elischa von Aussatz befreit wurde. Naaman bot dem Propheten reiche Gaben für seine Genesung an. Aber Elischa lehnte diese Gaben ab.  Sein Diener Gehasi aber sehnte sich nach dem Reichtum und lief deshalb zu Naaman und erschwindelte sich diese Gaben. Seine Lüge aber wurde aufgedeckt und als Strafe bekam er ebenfalls Aussatz. Also hat Gott hier sofort die Sünde bestraft. Wir wissen aber, dass Gott eher Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung in den Vordergrund stellt als die Strafe. Jesus sagt: „Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt.“

Wir müssen allerdings zugeben, dass viele Krankheiten und auch so manches Unglück von uns Menschen selbst verursacht werden. Beispiele für die Gefährdung der Gesundheit sind  das Rauchen, das Trinken und eine falsche  Lebensordnung.    Wenn Menschen gegen das 9. Gebot verstoßen, ist die Ehe in Gefahr. Können wir dann die Aussage machen: „Gott, warum strafst du mich?“ Dieser Zustand wird ja vom Menschen selbst verursacht. Manche Sünden haben aber auch Einfluss auf unsere Nachkommen. Da hört man aber oft sagen: „Das ist nicht gerecht! Die Kinder können doch nichts für das sündhaften Verhalten ihrer Eltern!“  Es ist aber leider so, dass manchmal an Kinder sowohl die guten als auch die schlechten Eigenschaften ihrer Eltern vererbt werden. Es gibt auch Kinder, die von Geburt an leiden müssen. Solche Leiden können schon von früheren Generation vererbt worden sein, vielleicht sogar von Vorfahren, die sie gar nicht kannten. Ja und trotzdem fragen viele Menschen: „Warum muss jemand so leiden, warum muss ich selbst so leiden?“ Die Antwort gibt uns das heutige Evangelium. Gottes Werke sollen an Jesus offenbar werden. Auch beim Anblick eines Kreuzes stellen wir die Frage: „Warum musste Jesus so viel leiden? Warum ist er gestorben?“ Ich denke, damit er unserem Leiden einen Sinn gibt. Er hat für uns alle gelitten, für alle unsere Sünden. Wenn wir leiden, vielleicht leiden wir auch nicht nur für uns, sondern auch für andere, vielleicht für Menschen, die wir irgendwann einmal innerlich verletzten, denen wir in irgend einer Weise wehgetan haben. Oder wir leiden für andere, dass sie das ewige Heil erreichen. Wir sollen einander helfen, nicht nur wenn es uns gut geht, sondern besonders auch im Leid. Der Apostel Paulus drückt es im Kolosserbrief so schön aus: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“ Das bedeutet eine Aufforderung, Gott Opfer darzubringen für uns und andere.

Dazu möchte ich euch auch eine traurige Geschichte von einer jungen Lehrerin erzählen. Ihr Schicksal begann schon in den ersten Jahren ihres Lehrerdaseins. Sie stürzte und verletzte sich am Knie. Als die Schmerzen nicht aufhörten, ging sie zum Arzt. Der Arzt stellte aber zu ihrer großen Bestürzung Krebs fest. Alle ihre Hoffnungen waren mit einem Schlag wie weggewischt. Sie weinte oft bitterliche Tränen. Dann kam der nächste Schlag. Die Ärzte teilten ihr mit, dass der Fuß amputiert werden muss. Sie wurde operiert und bekam eine Prothese und musste damit lernen, wieder zu gehen, aber sie konnte wieder ihrem Beruf nachgehen.  Die Freude dauerte aber nicht lange, und es zeichnete sich wieder eine Krankheit ab. Die Ärzte stellten einen Lungentumor fest. Da kam sie in ein Sanatorium. Dort kam sie mit einem Priester ins Gespräch. Er half ihr, das Leiden anzunehmen und es Gott und den Nächsten aufzuopfern. Da dachte sie an die vielen jungen Menschen, die mit Problemen kämpften und widmete ihnen ihr Leiden. Oft wiederholte sie die Worte: „Jesus, dein Wille geschehe.“ Ihren Schüler teilte sie mit: „Wenn ich euch auch nichts mehr lehren kann, so will ich mein Leiden für euch aufopfern!“ Sie hatte begriffen, dass ihre Krankheit eigentlich ein Leiden mit Christus ist, sie ergänzte an ihrem Leib, was noch an Christi Leiden fehlt.

Aber auch wenn wir Leiden und Schmerz ertragen müssen, Gott will uns damit weder richten noch strafen. Wir sollen ihm aber unsere Leiden hintragen und er wird uns die Kraft geben, das wir auch fähig werden sie zu ertragen.  

 

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