21 Sonntag A Mt 16, 13-20

21 Sonntag A 2014 –  Du bist der Messias der Sohn des lebendiges Gottes

Einleitung

In einer australischen Hafenstadt kam ein Tourist ins Arztzentrum, denn ein Fischhaken war tief in seine Hand eingedrungen. Es war aber gerade Wochenende, deshalb rief eine Schwester den zuständigen Arzt an. Da kam ein fescher, junger Mann im farbigen Hemd und Sandalen und der Tourist sagte zu ihm: „Sie sehen nicht aus wie ein Doktor.“ Da meinte dieser: „Sie sehen auch nicht aus wie ein Fischer.“ Man kann also nach dem Aussehen eines Menschen sich nicht ein bestimmtes Urteil bilden. Man kann sich da sehr täuschen. Es ist nämlich nicht wesentlich, welches Hemd und welche Sandalen ein Arzt trägt, sondern, ob er ein guter Chirurg ist und diesen Haken wieder entfernen kann. Man sollte einen Menschen lieber nach seiner Fähigkeit beurteilen.

Vor 2000 Jahren stellte Jesus die Frage: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Petrus hätte sagen können: „Du siehst nicht wie der Messias aus, du bist wie die anderen Menschen. Du kleidest dich wie die anderen, du isst und schläfst wie die anderen.“ Petrus aber ließ nicht beirren. Er hatte die Wunder von Jesus gesehen, er hatte seine Reden gehört und aufgrund dessen erkannte er und sagte: „Du bist der Messias , der Sohn des lebendigen Gottes“.

Predigt

Das Wort  „Messias“ bedeutet ,,der Gesalbte“. Wenn eine Mutter   ihr Kind badet, dann salbt sie es mit Kindercreme, sie schützt es dadurch vor dem Wundwerden.Von der Mutter gesalbt werden, bedeutet also von der Mutter geliebt werden. Wenn wir sagen, dass Jesus der ,,Gesalbte“ ist, dann bedeutet das: Er steht ganz unter dem Schutz seines Vater, in der Fürsorge Gottes. 

Aus der Geschichte wissen wir,  dass die Einführung in ein Amt durch Salbung geschah. Heute macht man das vielfach durch Ernennung, durch die Verlesung eines Dekrets. In der Vergangenheit war man des Lesens weniger kundig, so war die Salbung notwendig, zum Beispiel,  wenn jemand zum König ernannt wurde.  Diese Salbung diente auch zur Repräsentation und zur Unterscheidung von anderen Menschen.  

Für die Juden  war der Messias der zweite Moses, der Wichtiges  sagen wird und Wundertaten tun wird  wie Moses. Sie meinten, dass der Messias also jemand ganz Besonderer sein wird, der Gottes Wirken zeigen,  das Volk von aller Vorherrschaft befreien und die politische Situation  zugunsten des jüdischen Volkes ändern wird.  

Schon im Lukasevangelium wird vom Messias des Herrn gesprochen. Dort heißt es:  ,,In Jerusalem lebte  damals ein Mann namens Simeon.Er war gerecht und fromm und wartete  auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe“. Oder an anderer Stelle heißt es –  das war damals  als Jesus am Kreuz starb und ihn die römischen Soldaten verspotteten: ,,Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen,wenn er der erwählte Messias Gottes ist“.   Auch dort wird diese Wortverbindung „Messias Gottes“ verwendet,  obwohl Jesus in dieser Situation nicht  wie ein  Messias aussah.

Der Unterschied zwischen der menschlichen Salbung zum König  und zwischen der Salbung Jesu ist aber groß.  Bischof Petrus Chrysologus aus Ravena schreibt, dass Jesus nicht nur von außen gesalbt ist, sondern in seine Person das Öl der Gottheit hineingegossen  wurde. Während seines Lebens bewahrte Jesus dieses Öl im Gefäß seines Leibes. Darum spüren die Menschen bei seinen Worten und Taten,  dass er gut und liebenswürdig ist. Jesus bewies  durch sein Leben, dass er der Messias Gottes ist.

Auch wir sollten mit Petrus bekennen: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Das bedeutet, dass wir von dir Hilfe erwarten können. Du bist der, wer unserem Leben die ursprüngliche Schönheit zurückgibt.“

Der Heilige Augustinus schrieb in diesem Zusammenhang: „Wenn wegen der Sorgen und der Trauer auf unserem Gesicht Tränen erscheinen,  so trocknet der Glaube an Gottes Verheißungen diese Tränen.  Glaubt,  dass Gott unser Vater ist! Er kümmert sich um uns wie um seinen Sohn, weil wir seine Kinder sind. Dieser Glaube,  dass unser Leben unter Gottes  Schutz und Sorge steht, bringt Ruhe.

Das  illustriert auch die folgende Geschichte: Während des zweiten Weltkrieges  gerieten viele Deutsche in die russische Gefangenschaft. Diese Geschichte trug sich im Jahre 1946  in einem Gefangenenlager in Russland zu. Es war der Heilige Abend. Die Gefangenen legten sich nach der harten Arbeit auf ihre Liegen, um möglichst bald einzuschlafen. Einige aber versuchten,  Weihnachten zu feiern. Sie erinnerten sich an einige weihnachtlichen Melodien. Das aber war alles. Statt des Weihnachtsbaumes war in der Mitte des Zimmers ein Licht, das funkelte. Alle sehnten sich nach ihrer Heimat.   Plötzlich trat der Lagerkommandant ein  und sagte: “ Alle raus, auf den Hof!“  Die Gefangenen dachten:  Jetzt kommt wieder  das Zählen der Gefangenen und wir werden stundenlang  in der frostigen Kälte stehen. Der Lagerkommandant aber sagte zu den Gefangenen und der Dolmetscher übersetzte es auf Deutsch: “ Gefangene,  in eurer  Heimat wird heute Weihnachten gefeiert. Hier in der Sowjetunion haben wir keine Zeit für dieses Fest. Hier wird  für das Wohl des Weltproletariats gearbeitet. Darum werden wir  jetzt zum Zeichen der Verbindung mit aller Arbeitenden ,,die Internationale“ singen. Der Kommandeur und der Dolmetscher begannen zu singen. Aber in den hinteren Reihen der Gefangenen begann jemand ein anderes Lied  zu singen. Es war das Stille Nacht, heilige Nacht. Die übrigen Gefangenen stimmten sofort mit ein. Der Dolmetscher bemühte sie mit den Worten  der „Internationale“ sie zu übertönen.  Je mehr er schrie, desto lauter wurde das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Dann kamen die Worte: ,,Christus,  der Erlöser ist da“. Diese Worte klangen wie ein Glaubensbekenntnis. Dann ist eine unheimliche Stille eingetreten. Der Lagerkommandant verstand kein Deutsch und darum fragte er den Dolmetscher:  „Was singen die da für ein Lied?“ Der Dolmetscher war bestrebt, die Situation zu retten und sagte: „Das war die Internationale nach der deutschen Melodie.“ Die Gefangenen sagten damals:  „Jesus,  du bist der Sohn des lebendigen Gottes.“ Es ist bemerkenswert, dass diese Gefangenen unter solchen schwierigen Bedienungen ihre Glauben bewahrten.

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