4.Sonntag C Lk 4,21-30

4.Sonntag C 2016

Einleitung

Am voriger Sonntag haben wir gehört, dass Jesus in der Synagoge auftrat und aus dem Buch des Propheten Jesaja die folgende Worte vorlas: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr  eben gehört  habt, erfüllt. Heute werden wir hören, was weiter geschah, also wie die Zuhörer auf seine Rede reagierten.

Predigt

Jesus trat in der Synagoge in Nazaret also schon als Prophet auf. Mit seinem Auftreten  provozierte er seine Landsleute. Sie nahmen ihn nicht auf und bemerkten lediglich dazu: Ist das nicht der Sohn Josefs? Mit anderen Worten: Was kann der uns schon Neues sagen?  Jesus antwortete ihnen mit einem bekannten Ereignis darauf vom Propheten Elija, der nur zur Witwe in  Sarepta bei Sidon und vom Propheten Elischa, der nur zum  Syrer Naaman gesandt wurde und sonst zu niemanden. Wir fragen uns, ob Jesus mit dieser Bemerkung richtig vorging. Sollte er nicht zuerst seine Landsleute gewinnen und  dann die Sachlage allmählich erklären?

Wir können auch sehen, dass die Apostel ähnlich wie Jesus predigten. Zum Beispiel: Petrus hatte bei der Rede auf dem Tempelplatz  gesagt: ,,Ihr aber habt den Heiligen  und Gerechten verleugnet. Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn  von den Toten  auferweckt.“ Petrus will damit sagen, dass wir der falschen Diplomatie nicht erliegen dürfen. Wir müssen immer auf der Seite der Wahrheit stehen. Ähnlich setzte auch Paulus fort. Die Sendung der Kirche ist es,  die Wahrheit zu verkünden. Aber nicht nur das, sie muss sich auch verteidigen und sich einsetzen für die Rechte, sie muss die Welt vertreten.

Wir erfahren im heutigen Evangeliumstext auch, dass der Mensch schnell von der Liebe zum Hass hinüberschwenkt. So war es auch in Nazaret. So ist das auch heute. Viele erwarten von Kirche das, was die Kirche nicht erfüllen kann. Diese Menschen kritisieren dann die Kirche, kämpfen sogar gegen die Kirche. In der Geschichte gibt es  genug Beispiele. Ich denke da an den Kommunismus und den Nationalsozialismus. Es ist überhaupt nicht leicht, die Wahrheit zu verkünden. In der Welt wird Gott vielfach vergessen. Die Wahrheit wird   relativiert.

Jesus sagte im heutigen Evangelium:  Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Propheten waren immer   in der Kirche anwesend, sowohl echte als auch  falsche. Durch Propheten wie Franz von Assisi, Dominikus kamen viele Menschen wieder in die Kirche zurück. Viele andere wiederum beendeten  ihr Leben mit dem Märtyrertod. Die Tragödie der Propheten  ist zugleich auch die Tragödie ihrer Zuhörer. Aber die zweite Tragödie ist viel schwieriger. Ein Prophet, der seine Arbeit gut vollbringt, bekommt die Belohnung vom Herrn. Diejenigen, die Propheten ablehnen, müssen Strafe erwarten von dem, der   Propheten schickt.  Wenn Gott die Welt nicht durch Propheten anspricht, dann bleiben nur noch Untergänge und  Kriege. Die Welt ist heute kaum mehr bereit, auf die Stimme der Propheten zu hören.

Die Musikerin  religiöser Lieder – Fanny Crosby –  komponierte mehr als    6 000 Lieder. Obwohl sie durch eine Krankheit ihre  Sehkraft völlig verlor, verbitterte sie nie. Einmal machte ein Prediger folgende Bemerkung: „Ich denke, dass es sehr schade ist, dass der Schöpfer ihnen die Sehkraft nicht gönnte, doch viele andere Gaben schenkte.“ Fanny antwortete schlagfertig: „Wissen Sie, wenn ich bei meiner Geburt einen Wunsch aussprechen hätte können, ich hätte verlangt, blind geboren zu werden.“  „Warum?“, so fragte der schockierte Geistliche. Sie antwortete: „Weil, wenn ich in den Himmel komme, dann wird das erste Gesicht, das ich sehen werde, das Gesicht meines Erlösers sein.“  Fanny war also nicht unglücklich, weil sie nicht sah. Sie erfüllte ihre Sendung durch ihre Lieder. Sie verschenkte Liebe, Freude, Hoffnung und Frieden. Sie hatte eine aufrichtige Beziehung zu Gott. Wir haben gesunde Augen. Es ist aber notwendig, dass wir die Sendung, die Gott mit  uns vorhat, erfüllen.

Gott verlangt von uns: Die Wahrheit annehmen, auch wenn sie unangenehm ist und dann nicht passiv bleiben. Wir müssen für die Wahrheit und für die Liebe leben.Wir dürfen nicht schweigen, wenn Unrecht geschieht.  Denken wir an die Worte Jesu: Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer sein Leben für mich verliert, wird es retten. Eine klare Rede, nicht wahr?

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