Christkönigssonntag C Lk 23,35-43

34. Sonntag C 2016 Sonntag Christkönig

Einleitung

Wenn wir jemandem unsere Wohnung, unser Haus oder unser Auto zeigen wollen, bereiten wir alles gut vor. Das bedeutet: Wir räumen unsere Wohnung auf, verschönern und verzieren sie, das Auto waschen wir, wir lackieren und reparieren es usw., damit der Besucher einen guten Eindruck hat. Die Kirche will uns heute ihren König zeigen. Sie aber führt uns heute nicht in einen Palast, nicht zu einem Thron, sondern zum Kreuz und sagt zu uns: Seht euer König! Wie reagieren wir darauf?

Predigt

Was für ein großes Geheimnis für unseren Glauben! Was für ein Widerspruch für unser menschliches Vorstellungsvermögen! Christus herrscht über die Welt vom Kreuz aus. Ist das normal? Kann ein Mensch herrschen, der entrechtet ist, der die Ehre und das Leben verlor? Ein Mensch, der zum Spott vieler wird? Machtlos!

Vielleicht haben wir Lust zu sagen, dass die Kirche das Wort König für Christus nicht sagen sollte. Aber wenn wir schon beim Wort  König sind, müssen wir sagen: Es ist ein menschliches Wort. Jeder von uns entdeckt in sich,  königliche Sehnsüchte zu haben. Die kleinen Kinder träumen davon, dass sie Könige und Prinzessinnen werden möchten.  Die Brautleute träumen davon, das ihr Heim ein kleines  Königschloss wird. Im  Menschen ist einfach irgendwie die Sehnsucht nach einem Königreich vorhanden. Der Mensch sucht sein ,,Königreich“. Aber die Wahrheit  ist, dass Märchen einfach Märchen bleiben. Der eheliche Partner ist kein Prinz und unser Heim ist genauso wenig einem Königsschloss ähnlich. Wir sind eher umgeben von Sorgen,  von Missverständnissen, von Quälerei. Was bleibt also von dieser Sehnsucht? Enttäuschung und Ernüchterung?

Aber versuchen wir nun einmal anders zu denken. Dann werden wir spüren, dass doch ein Königreich existiert. Es ist aber nicht in dieser Welt. Gott segnet die natürlichen Sehnsüchte der Menschen und macht sie zum Werkzeug des Heiles. Gott hat seinem Volk ein Königreich gegeben, das auf ewig dauern wird. Im Buch Micha steht: Das Königtum kommt wieder zur Tochter Jerusalem. Und im Markusevangelium heißt es: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Jesus lädt uns in sein Königreich ein. Er stellt aber Bedingungen. Dazu gehört vor allem  ein Hochzeitsgewand. Viele verstanden sein Königtum nicht. Sie wollten ihn zu einem irdischen König machen. Jesus aber floh vor ihnen. Und ihre Träume zerflossen förmlich, als sie ihn am Kreuz sterbend  gesehen haben. Damals dachten viele, dass der Traum vom Königreich Jesu unwirklich ist. Aber das war nicht die Wahrheit. Wir stehen auch noch nach zweitausend Jahren unter dem Kreuz Jesu und hören die Botschaft von  seinem Königreich. Die Kirche verkündet in der ganzen Welt, dass Christus lebt und herrscht, immer und ewiglich. Und so fragen wir?  Was für ein Königsreich ist das, indem Jesus herrscht?

Hier ist nur eine Antwort möglich. Christus herrscht mit seinem Herzen. Er hat nämlich ein königliches Herz, das voll Güte und Liebenswürdigkeit ist, das sich für uns aufopfert bis zum Tod. Jesus übt  seine Macht in unseren Herzen aus. Durch seinen Tod am Kreuz öffnet er uns sein Herz, und damit auch den Zutritt in sein Königreich.

Die königlichen Sehnsüchten, die wir in uns tragen, sollen nicht vergeblich sein. In Jesus Christus finden sie schon hier auf der Erde ihre Erfüllung.

Der heilige  Papst Paulus VI sagte: Was das Gottesreich betrifft,  können wir sein Wachstum nicht verwechseln mit dem Fortschritt der menschlichen Kultur und Technik.  Es besteht in immer tieferer Erkenntnis Christus, in immer stärkerer Hoffnung auf das ewige Leben und in immer inbrünstigeren Antworten auf die Liebe Gottes.

Wir stehen vor dem Kreuz, dem unbegreiflichen Zeichen für Gottes Liebe und wir hören die Worte: Rette dich, wenn du ein jüdischer König bist!  Und im Lukasevangelium heißt es: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Diese Worte sind wahr. Wiederholen wir diese Worte auch bei der heiligen Messe und bitten wir Jesus, er möge sich an uns allen, die wir hier versammelt sind, als König erweisen, denn wir wollen alle einmal in sein Reich kommen. Beschenke uns mit einem königlichen Herzen, mache unsere armen Herzen dem königlichen Herzen ähnlich!

 

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