1.Fastensonntag A – Mt 4,1-11

1. Fastensonntag 2017

Einführung

Das heutige Evangelium spricht von der Versuchung. Der Geist führte Jesus in die Wüste, damit ihn der Teufel versuchte. Jesus hatte vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet  und er hatte Hunger. In dieser Geschichte erwähnt wird Jesus, der Satan und die Engeln. Welche Belehrung können wir aus dieser Geschichte erhalten?

Predigt

Anfangs sei erwähnt, dass Versuchungen die Einheit und Ordnung verletzen. Versuchungen sind für den Menschen etwas, was lockt und anziehend wirkt und schließlich oft tragische Folgen hat. Anders gesagt: Wenn der Mensch den Versuchungen unterliegt, verliert er immer mehr als er gewinnt. Das zeigt auch von einer gewissen Schwäche des Menschen. Auch unsere Vorfahren, die vielleicht nicht so vielen Versuchungen ausgesetzt waren, waren durchaus ebenfalls davon betroffen.

In einem Kommentar zur Bibel ist in einer Einleitung zu lesen, dass auch Adam und Eva nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies neun Tag nach etwas Essbarem suchten. Sie fanden aber nichts, das dem ähnlich war, was sie im Paradies an Köstlichkeiten hatten.  Sie fanden nur Nahrung für Tiere. Adam und Eva beklagten sich bei Gott, weil sie nur tierische Nahrung fanden und vorher eine andere Speise hatten. In diesem Kommentar steht auch, dass Set, der Sohn von Adam und Eva von einem Tier angegriffen wurde, und Eva sich dagegen wehrte. Sie sagte zu dem Tier: Du böses Tier, wie kannst du meinen Sohn angreifen, der nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde. Das Tier antwortete: Warum hast du von dem verbotenen Baum gegessen, obwohl Gott es verboten hatte? Dadurch hast du dein Leben zu  deinem Nachteil verändert.

Vergleichen wir einmal die  Versuchung in der Wüste mit der Versuchung im Paradies! Man kann daraus folgenden Schluss ziehen: Im Paradies endete die Versuchung von Adam und Eva mit einer Niederlage, und es kam zu Spaltung und Disharmonie. In der Wüste aber endete die Versuchung Jesu mit einem Sieg voll Harmonie und Einheit.

Ein Beispiel aus Afrika: In Nigeria bekommen die Neuvermählten als  Hochzeitsgeschenk ein Pferd mit einem doppelten Sattel. Das bedeutet Einheit zwischen Mann und Frau. Dieses Symbol sagt: Man kann gemeinsam reiten und glücklich werden. Man kann aber auch zu Boden fallen, wenn man diese Einheit nicht lebt. Die Ehe ist ein typisches Beispiel der Einheit in der Verschiedenheit. Jeder Mensch ist anders in seinem Wesen – so ist es auch beim Ehemann und der Ehefrau und auch bei ihren Kindern. Aber die Verschiedenheit ist keinesfalls störend zwischen Menschen, die sich lieben – im Gegenteil –  es ist bereichernd. Andererseits kann auch die Verschiedenheit zum Problem werden, wenn zum Beispiel ein Ehepartner sagt: Mit dir kann ich nicht leben, weil du ganz anders bist als ich. Dabei wird auf die Einheit in der Verschiedenheit vergessen. Die Versuchung sich vom Partner zu trennen – also das, was Gott verbunden hat, zu trennen – ist dann oft die Folge. Man handelt gegen den Willen Gottes und nimmt die Gefühle des Partners und der ganzen Familie nicht ernst. Gottes Absicht ist anders. Er sieht die Einheit auch in der Verschiedenheit.

Die Frage ist nun: Wie kann ich gegen Versuchungen ankämpfen? Versuchungen sind sehr stark und gefährlich. Sie wohnen oft tief in unseren Herzen. Versuchung ist also kein äußerer Feind, sondern sie wohnt in uns. Solange wir leben, sind wir Versuchungen  ausgesetzt. Wir unterschätzen auch oft die Versuchung und denken, dass wir stark genug sind, gegen sie zu kämpfen. Es ist sehr leicht, Versuchungen zu unterliegen, weil sie verlockend sind und unsere Sehnsüchte beeinflussen.

Ich denke da an einen Fisch, der mit einem Köder angelockt wird. Er erwartet einen schmackhaften Bissen, stattdessen aber erfasst ihn ein kleines Angelhäkchen. Er ist gefangen und es gibt keinen Weg mehr zurück. Er selbst wird zum Opfer. Die Versuchung zur Sünde funktioniert ähnlich. Der „Köder“ im übertragenen Sinne, zieht uns an. Wir denken, dass wir viel Freude erleben werden, wenn wir dieser Versuchung nicht widerstehen.  Stattdessen aber gewinnt die Sünde über uns die Macht und sie beginnt uns zu beherrschen.  Ein gläubiger Mensch sollte sich also nicht von plötzlich aufflammenden Gefühlen verleiten lassen,  sondern nach dem Wort Gottes handeln.

Der Heilige Jakobus machte folgende Aussage: Der Gedanke ruft die Begierde hervor und die Begierde führt zur Sünde. Es ist daher notwendig, sündhafte Gedanken abzubrechen, damit sie sich nicht zur Sünde entwickeln. Sündhafte Gedanken sollen keine Wurzeln ins uns schlagen. Eine Sünde möchte ich vergleichen mit einem kleinen Sprung ins Stau-Becken. Das sieht anfangs gar nicht gefährlich aus. Wenn wir aber immer mehr wagen, dann kann das durchaus eine gefährliches Ende haben.

So ist es auch mit der Sünde – aus kleinen Sünden werden oft schwerwiegende Sünden, wenn wir uns von der Anziehungskraft manche Versuchungen verleiten lassen. Eine Versuchung fragt nie: Willst du dich selbst vernichten oder deine Familie? Sie sagt stattdessen: Zaudere nicht, wirf alles weg, was dich behindert, leb aus dem Vollen, erfülle dir alle deine Wünsche! Was kann daraus werden, wenn wir allen Versuchungen unterliegen? Wir verursachen damit viel Leid und Schmerz, das nicht nur uns selbst, sondern besonders auch den Nächsten betrifft.

 Zum Schluss noch eine  Geschichte, die ich persönlich erlebt habe. Ich kannte einen Arzt, der eine nette Frau und zwei Kinder hatte. Er lebte ein normales Leben in einer durchaus intakten Familie. Der große Bruch in seinem Leben begann, als er im Krankenhaus eine neue Krankenschwester zugeteilt bekam. Sie war wirklich eine schöne Frau, das kann ich bestätigen. Das Ergebnis  war, dass sich der Herr Doktor in sie verliebt und Scheidung war die Folge.  Er verließ  seine Familie  und heiratete die Krankenschwester. Wurde es ihm eigentlich bewusst, wie viel Leid und Schmerz er seiner Frau und seinen Kindern zufügte?

Meist denken die Menschen in solchen und  ähnlichen Situationen nicht daran und wollen auch gar nicht daran denken. Sie denken nur an sich selbst. Warum denken Menschen bei Versuchungen so wenig an die Folgen, die dadurch entstehen? Durch ein sündhaftes Verhalten wird man immer mehr verlieren als gewinnen. Daran sollten wir immer wieder denken!

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