Dreifaltigkeitssonntag A Joh 3,16-18

Dreifaltigkeitssonntag 2017- Was ich mache, was ich schaffe

Einführung

Heute haben wir das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. Jemand könnte einwenden, dass sich das Wort ,,Dreifaltigkeit“ in der Heiligen Schrift nicht finden lässt – weder im Alten noch im Neuen Testament.  Und da hat er recht. Dieser Ausdruck stammt aus der Zeit nach Jesus. Die Bischöfe kannten auf dem Konzil von Nizäa noch nicht die Bezeichnung Dreifaltigkeit. Sie haben  nur über den christlichen Glauben des  christlichen Volkes  seit der Zeit Jesu Christi und seiner Apostel beraten.

Predigt

Jesus Christus sagte aber und wir lesen es im Matthäus-Evangelium: Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Diese Aussage des Neuen Testaments beinhaltet eigentlich schon die Dreifaltigkeit, nur wurde diese erst später definiert. Diese Wahrheit kann man nur mittels eines Gleichnisses jemanden näher bringen. Der Heilige Athanasius lehrte folgendes: Wo die Quelle des Lichts ist, dort ist sein Abglanz sichtbar. Oder: Wo Gott ist, dort ist Liebe. Gott ist als Vater über uns, Gott ist als Sohn mit uns und Gott ist als Heiliger Geist in uns.

Ein anderes Gleichnis ist aus dem Familienleben.  Der Mensch wurde nach dem Bild Gottes erschaffen. Also muss  ein liebender Mann, eine liebende Frau und auch ein Kind in gegenseitiger Liebe miteinander leben. Das Familienleben ist ein Annehmen  und ein Übergeben des Lebens, ein Öffnen für die Gemeinschaft, die Teilnahme an den Freuden und Sorgen des anderen.

Am Fest der Dreifaltigkeit erinnern wir uns an die  Schöpfung, an die Fruchtbarkeit und an die Geistsendung. Die Schöpfung stellt den Vater dar,   die Fruchtbarkeit den Sohn und die Geistsendung den Heilige Geist. Gott goss sein ganzes Dasein auf die Welt aus. Bei  Gott gibt es keinen Unterschied, was er machte und was er machen konnte.

Was für einen Nutzen haben wir aus der Lehre über die Dreifaltigkeit? Die Grundbedeutung liegt darin, dass wir uns dessen bewusst werden, dass Gott keine einzelne Person ist, sondern er bildet die Gemeinschaft des Vater mit dem  Sohne im Heiligen Geist. Die drei göttliche Personen streiten nicht und  ärgern sich nicht. Sie leben in vollkommener Liebe. Dieses innige göttliche Leben ist für die Menschen eine Inspiration zur Bildung einer Gemeinschaft nach dem Bilde Gottes – ohne Streit, ohne Konflikte. Die menschliche Gemeinschaft ist aber unvollkommen, weil der Mensch zwar etwas macht, aber er könnte mehr machen. Bei Gott gibt es diesen Widerspruch nicht. In der Gemeinschaft der Dreifaltigkeit macht Gott das Maximum.

Als Wolfgang Amadeus Mozart als Komponist auf dem kaiserlichen Hof war,  betrug  sein  jährliches Gehalt  800 Goldstücke. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, einmal im Jahr ein Musikstück für die Heilige Messe zu komponieren. Am Jahresende musste  er eine Steuererklärung abgeben.   In die Rubrik ,,Jahresgehalt“ schrieb er:  800 Goldstücke.  Und er machte ein Notiz dazu: Genug dafür, was ich mache, aber zu wenig für das, was ich schaffe.  Zum Lebensunterhalt hatte er also  genug. Aber dass seine Musik  auch nach  Jahrhunderten noch wertvoll ist, das ist unbezahlbar, dafür bekam er zu wenig.  Im Leben jedes Menschen beobachten wir den Unterschied zwischen dem, was der Mensch macht, und zwischen dem, was er machen könnte. Ein Student lernte für eine Prüfung viel, aber er hätte mehr lernen können, um einmal erfolgreich zu sein. Eine  Tochter saugte immer  die Wohnung, aber sie hätte es sorgfältiger machen können.   Oft benehmen wir uns zwar anständig, aber wir wären fähig noch liebenswürdiger, barmherziger, geduldiger zu sein. Gott macht immer das Maximum. Er sandte seinen Sohn in die Welt, damit die Welt erlöst wird. Gott konnte  nicht mehr geben. Jesus opferte für uns sein Leben. Er konnte nicht mehr geben. Jesus ermöglichte uns durch den Heiligen Geist  die Teilnahme  am göttlichen  Leben. Auch hier konnte Gott nicht mehr geben. Über Jesus können wir nicht sagen, dass er weniger machte, als er machen konnte.

Frau Judith erinnert sich an  ihre Kindheit und erzählt:  Als ich 8 Jahre alt war, da haben meine Eltern sehr oft gestritten. Mein Vater verschwand plötzlich und meine Mutter begann viel Alkohol zu trinken und zu anderen Männern zu gehen. Ich war oft ganz allein und sehnte mich danach, gute normale Eltern zu haben. Im Nachbarhaus wohnte ein Mann mit seiner Familie. Einmal beobachtete ich ihn beim Rasenmähen. Als er mich sah, fragte er mich: Willst du mir helfen? Da erschien auf meinem Gesicht ein Lächeln. Ich umfasste den Griff des Rasenmähers und da spürte ich auf meiner Schulter seine Hand, die mich zärtlich streichelte. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich, dass mich jemand lieb hat und das tat mir sehr wohl. Dieser Nachbar war nicht nur auf sich und seine Aufgabe konzentriert. Er bemühte sich, mehr zu schaffen, Liebe zu schenken. Es ist nicht genug, wenn einem Kind viel Geld und viele Kleider gegeben werden, aber die Liebe fehlt. Liebe ist das Wichtigste im Leben. Geben bedeutet nur etwas Äußerliches, Liebe schenken, bedeutet etwas Innerliches. Für Gott ist sein Werk der Schöpfung und Erlösung eigentlich etwas für das äußerliche Leben, den Menschen zu lieben, das berührt sein Inneres. Diese Liebe entfaltet sich in der Dreifaltigkeit. Ohne Liebe kann ein Leben nur äußerlich sein. Die Liebe, die Gott schenkt, soll an andere, an die Gemeinschaft der Mitmenschen weitergegeben werden.

Herr, hilf uns auf diese Weise etwas von deiner Dreifaltigkeit zu begreifen! Wir sollen sie begreifen – nicht als etwas weit Entferntes, nicht als etwas nicht Aktuelles, nicht als etwas Vergangenes, sondern als etwas Notwendiges für unser Dasein.

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Sonntagpredigt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.