23.Sonntag im Jahr A Mt 18, 15-20

23.Sonntag 2017 – Den Menschen gewinnen.

Einführung

Im heutigen Evangelium lehrt uns Jesus, wie wir den anderen ermahnen sollen. Uns muss eines klar sein, dass wir nie den anderen im Zorn ermahnen sollen, nie mit der Absicht ihn zu erniedrigen. Unser Ziel muss sein, ihn auf den richtigen Weg zu führen.

Predigt

Ein Dieb drohte einem alten Mann, dass er ihn töten werde. Der Alte war sehr weise und sagte zum Dieb: „Warte ein bisschen! Erfülle mir noch einen letzten Wunsch! Schneide den Ast vom Baum, der dort so weg steht!“  Der Dieb schnitt den Ast ab. Er fragte: „Was soll ich jetzt mit ihm machen?“ Der  Alte antwortete: „Jetzt gib den Ast auf den Baum zurück!“ Der Dieb schrie: „Du alter Narr, denkst du, dass es möglich ist? Der Greis antwortete ruhig: „Der Narr bist du. Du denkst, dass du stark bist, wenn du Böses  machen und vernichten kannst. Die wirkliche Kraft ist zu heilen und Gutes zu tun.“ Der Alte wusste, das am einfachsten gewesen wäre, den Dieb  zu beschimpfen. Er wusste aber auch, dass es schwieriger ist, den Menschen zu gewinnen. Darum erwählte er die Methode der bildhaften Kommunikation.

Diese Methode hat uns  Jesus schon vor 2 Tausend Jahren geraten. Er sagte: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm  und weise  ihn  unter  vier Augen zurecht. Mt  18,15 Die Konfliktsituation müssen wir nicht suchen. Sie kommt selbst. Nicht immer tun wir und auch die anderen, was richtig und gut ist. Jesus verleugnete die Notwendigkeit eine Standpauke nicht. Aber wichtig war es ihm, wie machen wir das. Eine Zurechtweisung  mit Zorn, Geschrei, Härte oder Unmenschlichkeit bringt keine Frucht. Jesus will uns sagen: „Tritt so an einen Menschen heran, dass du ihn als Bruder gewinnst!“   Jemanden gewinnen als Bruder ist die Arbeit des Verstandes, des Herzens und  der Geduld. Eine Zurechtweisung ist der natürliche Bestandteil der Erziehung. Wenn die Eltern schweigen, und ihren Kindern nicht sagen, wie sie sich zu benehmen haben, so ist das ein Zeichen der Gleichgültigkeit. Auch im religiösen Bereich ist eine Zurechtweisung durchaus angebracht.

Der Prophet Ezechiel wusste, dass es die Aufgabe eines Priesters ist, ein Wächter zu sein. Der Wächter steht auf dem Berg, damit er die Feinden sieht und er soll es den anderen sagen. Wenn er schweigt, wozu ist er dann dort? Der heilige Thomas von Aquin sagte: „Den größten Dienst erweist du dem Menschen, wenn du ihm die Wahrheit sagst.“ Darum schrieb der heilige Paulus an Timotheus: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. (2 Tim 4,2.) Der Priester kann seinen Zuhörern nicht nur schmeicheln und sagen, was er hören will. Wenn jemand Direktor oder eine andere leitende Person ist, muss er seine Untergeordneten auch ermahnen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Das gehört zu seiner Funktion, dazu verpflichtet auch ein Amt, das man annimmt. Der heilige Papst Johannes XXIII sagte dazu ergänzend: „Den größten Dienst erweist du einem Menschen, wenn du für ihn betest.“ Durch das Gebet bekommt der Mensch von Gott geschenkt, wie er den anderen zurechtweisen soll, wie er ihm die Wahrheit sagen soll, damit er den anderen gewinnt. Es ist sehr wichtig, Menschen, die wir ermahnen sollen, in unsere Gebete einzuschließen. Das Ziel der biblischen Zurechtweisung ist nicht die Verurteilung des Menschen, sondern sein Gewinnen für die Welt Gottes. Oft schon ist es geschehen,  dass man den anderen im Zorn, fast schon mit Hass zurechtweist. Jesus rät uns weiters: „Wenn wir jemanden zurechtweisen, sollen wir das nicht vor der Öffentlichkeit machen, also nicht vor Zeugen.  Darauf sollen wir achten! Leicht kann es passieren, dass wir meinen, gerecht zu sein, wenn wir die anderen vor jemanden richten. Ich denke, da wird sich die Rache in der Welt vermehren. Es muss uns klar sein, dass den Menschen zu rmahnen nicht gleich bedeutend ist mit den Menschen zu  verdammen. Wir sollen den Menschen helfen. Mit Erfolg zu ermahnen, dazu brauchen wir Gottes Hilfe.

Zum Schluss noch eine wahre Begebenheit: Die Lehrerin Johanna beobachtete ihren Schüler Thomas, der das Schuljahr wiederholen sollte. Sie wusste, dass Thomas einst ein gutes Schüler war, aber die Zerrüttung in der Familie und die drohende Scheidung der Eltern spiegelten sich auf seine schulischen Leistung wider. Die Lehrerin lud die Eltern von Thomas in die Schule ein.  Sie kamen, setzten sich und sprachen kein Wort. Sie schauten überrascht, denn sie  wussten nicht, was die Lehrerin von ihnen wollte. Die Lehrerin hat vorher gründlich über das Verhalten von Thomas nachgedacht, über seine schlechten Leistungen und dann hat sie gebetet, damit sie richtigen Worte finden würde, die den Eltern begreiflich machen, was sie durch ihre Situation dem Kinde antun. Aber leider kamen ihr nicht die richtigen Worte in den Sinn. Da kam sie auf die Idee, ihnen statt Worten einen Stillarbeit von Thomas zu überreichen – ein Papier, das beidseitig beschrieben war. Sie reichte daher diese Stillarbeit der Mutter, die sie las und dann gab die Mutter dieses Papier an den Vater weiter, um es ebenfalls zu lesen. Sein Blick verfinsterte sich zuerst, dann aber wurde sein Blick heller. Er faltete das Papier zusammen, steckte es in die Tasche, und nahm seine Frau bei der Hand. Die Frau lächelte ihn an. Die Lehrerin war überzeugt: Gott hat mir geholfen, damit es mir gelingt, diese Familie wird zu vereinen ohne viele Worte zu sprechen. Was stand aber auf dem Papier? Es standen nur die Worte: „Liebe Mutter, lieber Vater, ich liebe euch, ich liebe euch!“

Diese Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, bei Ermahnungen richtig zu handeln – was den Schüler Thomas und was die Eltern betrifft! Die Lehrerin betete, bevor sie einen Fehler macht mit etwaigen Ermahnungen. Wenn ein Mensch für denjenigen zu beten beginnt, der ermahnt werden soll, wird ihm Gott Worte oder Lösungen eingeben. Eine Ermahnung ist nur die erste Phase eines Prozesses, die zweite Phase ist Gottes Liebe und Barmherzigkeit den Menschen gegenüber.

    

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