Hochfest der Weihe der Kathedralkirche Mt 5,23-24

Jesus, der sagt zu uns, dass wir mit unseren Brüdern versöhnen sollen, er sei mit euch.

Im liturgischen Kalender zwischen den wichtigen Festen für die Feier Jesu Christi, der Jungfrau Maria und der Heiligen feiern wir auch die jährlichen Weihungstage unserer Tempel. Dieser Tag wird als dies natalis verstanden, der Geburtstag des Tempels. Der Jahrestag der Einweihung des Tempels wird am jährlichen Tag der Weihe in der Pfarrei gefeiert. In allen Kirchen wird auch der Jahrestag der Einweihung der Hauptkathedrale der Diözese gefeiert, die ein Symbol für die gegenseitige Einheit der Pfarreien ist. Die jährlichen Feste der Weihe der römischen Basiliken – die Lateranbasilika, die Basilika St. Peter und Paul hinter den Mauern und die Basilika Santa Maria Maggiore – sind auch für die gesamte Kirche verbindlich.

Jesus, du hast dein Reich in dieser Welt gegründet. Herr, erbarme dich unser. 

Du bleibst in deiner Kirche allzeit gegenwärtig. Christus, erbarme dich  unser.

Du bist das verborgene  Haupt deiner Kirche. Herr, erbarme dich unser.  

Der Geburtstag unserer Kathedralkirche in Linz ist eine Gelegenheit zum Nachdenken, die uns helfen wird, uns über den alltäglichen Blick auf sakrale Gebäude zu erheben. Die Tempel, die mit ihrer einfachen oder monumentalen Architektur die historischen Zentren unserer Dörfer und Städte schmücken und ein kulturelles Erbe der Nation schaffen, sind in erster Linie Ausdruck unseres christlichen Glaubens und unserer christlichen Tradition. Eine anthropologische Ansicht des Tempels ermöglicht es uns, dieses Objekt als ein Bild des Menschen wahrzunehmen. Die Tempelarchitektur lenkt die Aufmerksamkeit eines Menschen auf den Himmel. Die dominierende Lage des Gebäudes und die hoch aufragenden Türme lassen uns zum Himmel aufblicken. Wenn man den Tempel betrachtet, erkennt man sich und findet sich wieder. Im Griechischen erhielt man den Namen Anthropos, was wörtlich „nach oben schauen“ bedeutet. Selbst wenn man den Tempel betrachtet, kann der Mensch den Sinn seiner Existenz entdecken, der ihn nicht nur auf diese Welt beschränkt, sondern ihm das Leben mit der Perspektive der Ewigkeit öffnet. Der Blick zum Himmel suggeriert uns diese übernatürliche Dimension unseres Seins. Die Stimme der Glocken und das Eingangsportal laden Passanten ein, das Tempeltor zu überqueren und sich mitten am Tag durch die Schönheit der Kunst des heiligen Raumes mit ihrem Schöpfer zu treffen und ihren eigenen Wert und ihre eigene Würde zu verwirklichen. In Stille und Einsamkeit kann man durch Gebet zu Gott sprechen und seine Seele mit Frieden und Freude erfüllen. Der Tempel ist ein Ort, an dem der Mensch Gott begegnet, das Vestibül des Himmels, an dem die Zeitlichkeit einen Hauch von Ewigkeit annimmt. Ein Mann, der den Tempel wie im Spiegel seiner Seele betrachtet, entdeckt das Bild Gottes in sich selbst und wird selbst zum Tempel des Heiligen Geistes.

Tempel, Basiliken, Kirchen und Kapellen, die über unseren Planeten verstreut sind, sind Ausdruck des Wunsches der gesamten Menschheit, einen Platz in dieser Welt zu finden, der uns daran erinnert, dass unser Leben der Weg zu Gott ist und dass der Mensch die volle und wahre Freude des Lebens ohne Gott nicht erfahren kann. Der alte Philosoph und Reisende Plutarch sagte: Wenn man um die Erde geht, kann man Städte ohne Mauern, ohne Dokumente, ohne Paläste, ohne Reichtum, ohne Münzen, aber eine Stadt ohne Tempel finden … niemand hat sie jemals gesehen.

Die Kirche in einem Dorf oder einer städtischen Umgebung ist zum Zentrum des spirituellen und religiösen Lebens geworden. Sein äußeres Erscheinungsbild und sein Inneres zeigten das Niveau und die Qualität des religiösen Lebens der Gemeinde und das Interesse der Menschen an der Kirche und den christlichen Werten. Wenn die Menschen das Interesse daran verloren, den Glauben aufrichtig zu leben, blieb die Kirche ein leerer und trostloser Ort, der die Kälte und Leere des menschlichen Herzens widerspiegelte. Im Gegenteil, in Pfarreien, in denen die Menschen für christliche Ideale begeistert waren, war die Kirche für sie eine Visitenkarte des Glaubens, und selbst unter schwierigen sozialen Bedingungen ließen sie nicht zu, dass sie verfiel. Regelmäßige Besuche liturgischer Versammlungen, die sich um die Dekoration und das Erscheinungsbild der Kirche kümmern, waren und sind ein Beweis für den lebendigen Glauben von Menschen, die die Kirche als Teil ihres persönlichen und sozialen Lebens betrachten.

Denken wir daran, dass der wertvollste Wert und der wertvollste Schatz eines jeden Tempels ein Mann ist, der nicht nur seinen künstlerischen und ästhetischen Wert bewunderte, sondern vor allem die spirituelle Botschaft dieser heiligen Architektur wahrnahm und akzeptierte. Ein Tempel, der vollständig aus Gold und Silber bestand und die seltensten Kunstskulpturen und Gemälde enthielt, ohne die Anwesenheit des Menschen würde er seinen Wert, sein Herz verlieren. Schließlich wurde es nicht als Kulturdenkmal gebaut, sondern als Zeichen der Gegenwart Gottes auf Erden und seiner Begegnung mit dem Menschen.

Möge unser Tempel, der seinen Geburtstag feiert, immer mit dem wertvollsten Schatz geschmückt sein, den Sie, liebe Gläubige, Väter, Mütter, Großeltern, Jungen, Mädchen … Sie alle, für die der Tempel ein Ort des Gebets und eine Quelle der Not geworden ist Kräfte und Gnaden für den Alltag. Möge es ein Zeichen werden, das uns inmitten unserer Arbeit und Erfüllung erinnert.

Jesus Christus öffnet unseren Blick für das Wirken  Gottes. Durch ihn können wir  den Vater erkennen. Wir beten mit seinen  Worten.

Jesus Christus wendet unser Herz Gott zu. Er macht  uns offen für Gottes Wirklichkeit.  Deshalb bitten wir.

Gepriesen sei der  Herr, der Gott Israels! Denn er hat  sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen.

 

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