Fest der heiligen Familie 2013 A

 

Einleitung

Eine Mutter fragte ihren Sohn: „Was habt ihr in der Schule gelernt?“ Er antwortete: „Über Sex.“ Die Mutter drehte sich überrascht um. „Ja,  und hast du etwas darüber gewusst?“ Er sagte darauf: „Ja!“ Die Mutter stellte noch folgende Frage: „Und was für eine Note hast du bekommen?“ Eine Ohrfeige.

Jeder denkt, er sei ein Fachmann in Sachen „Ehe“, wenn er in einer Familie aufwächst und selbst eine Familie gründet. Er habe das Gefühl, in allen Fragen, die Ehe und Familie betreffen, ein Experte zu sein. Aber da kann man sich irren. Die Ehe kann man aus verschiedenen Sichtweisen betrachten: soziologisch, psychologisch, biologisch und religiös. Wenn ein Junge etwas über Sex weiß, bedeutet das bisher nicht, dass er viel über Ehe und Familie weiß. Wir wollen heute Ehe und Familie aus religiöser Sicht betrachten.

Predigt

Vor 2000 Jahren schrieb Paulus von Tarsus an die Kolosser in Kleinasien, das heutige Türkei, folgende Worte: „Ihr habt von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen.“ Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde und Geduld.“  Das bedeutet, dass man in Liebe zueinander leben soll, und das gilt für Mann und Frau gleichermaßen. Sie sollen Liebe zueinander haben, und der Grund dafür ist, dass sie und wir alle von Gott erwählt und geliebt sind. Die Eheleute sind in besonderer Weise auserwählt,  diese Liebe zu leben und zu bezeugen. Einer soll den anderen den Weg zum Himmel weisen. Das Sakrament der Ehe erfüllt sich durch gegenseitigen Dienst, durch Liebe, Opfer und Barmherzigkeit. Der Mensch ist von Gott für bestimmte Aufgaben auserwählt. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb: „Der Mensch lebt von der Beziehung. Was für sein Leben wichtig ist, hängt davon ab, ob seine Beziehungen die richtigen sind. Die wichtigste Beziehung ist die zu Gott.“                                                             

Jeder Mensch lebt in seinem Leben in verschiedenen Beziehungen und er soll auch die Verbindung zu Gott pflegen. Der Glaube kann eine große Hilfe sein, zu erkennen, dass es wichtig ist, seine Frau, seinen Mann, seine Kinder und andere Menschen zu lieben und Verantwortung für die Familie zu tragen. Ohne die richtige Beziehung zu Gott ist auch eine gute zu den Menschen schwer möglich. Warum nicht? Deshalb nicht, weil der Mensch seine Beziehung zu seinem Nächsten nach seinem „persönlichen Geschmack“ ausrichtet, ohne dabei auf den Willen Gottes zu achten.                         Was ist der Wille Gottes in einer ehelichen Beziehung? Das schildert die folgende Erzählung: Ein heranwachsendes Mädchen hatte sein erstes Rendezvous mit einem jungen Mann. Als sie von dieser Begegnung zurückkam, fragte sie ihre Mutter: „Mutti, woran würdest du erkennen, ob du wirklich verliebt bist?“  Die Mutter lächelte und sagte zu ihrer Tochter:  „Die wirkliche Liebe ist ähnlich zweier Flüsse, die zusammenfließen und sich verbinden – und so zu einem Fluss werden.“                                                                                 

So sollen auch Freude, Glück und Leid des einen zu Freude, Glück und Leid des anderen werden. Die wahre Liebe überlegt gut und macht nichts voreilig; sie ist niemals egoistisch, sondern soll zu einer ewigen Bindung heranreifen.  Verliebtheit ist noch nicht die ganze Liebe, ihr fehlt noch die Verantwortung. Erst wenn die Sorgen, Gedanken und Freuden des einen zu den Sorgen, Gedanken und Freuden des anderen werden, kann man in einer Beziehung von Liebe sprechen. Alles andere ist nur Sympathie, Freundschaft und Verliebtheit. Liebe kann man nicht kaufen und auch keinen Vorrat davon anlegen. Liebe muss täglich erneuert werden.  Eine wirkliche eheliche Liebe und familiäre Beziehung sind auch geprägt von Aufopferung für andere und der Bereitwilligkeit, sich um die anderen zu kümmern. Leider ist das heute nicht mehr ganz selbstverständlich. Die Beziehung zu Gott ist unbedeutend und nebensächlich geworden,  und anstatt von wirklicher Liebe mit Opferbereitschaft  spricht man von Rechten und Pflichten. Die Familien sind auch vielfach überlastet durch nicht familienfreundliche Arbeitsbedingungen und durch viele Interessen, die oft zu Freizeitstress führen.                                                                                              

Wir sollten uns auch manchmal fragen: „Gott, was verlangst du von mir? Was ist dein Wille? Vor allem sollten wir unsere Beziehung zu Gott erneuern und nach Jesu Beispiel lernen, zu lieben und Opfer zu bringen. Und wir sollten auch unsere Kinder dazu anleiten.

Noch ein Beispiel: Die Kinder hatten in der Schule einen Aufsatz zum Thema „Meine Eltern“ zu schreiben. Ein Schüler schrieb Folgendes: Meine Eltern bestehen aus zwei Teilen: erstens meine Mutter und zweitens mein Vater. Die Mutter ist berufstätig, führt den Haushalt und denkt gleichzeitig an vieles, was sie erledigt. Das sehe ich mit eigenen Augen. Sie kommt von der Arbeit heim, stellt den Kochtopf auf die Herdplatte und kocht Nudeln. Nebenbei schaltet sie die Waschmaschine ein, gibt Wäsche hinein und prüft gleichzeitig meine jüngere Schwester, indem sie das Einmaleins abfragt. Dann wickelt sie auch noch mein jüngstes Brüderchen und bereitet für ihn Milch mit Grieß. Wenn wir zum  Abendessen kommen,  ist das Essen schon fertig und auch mein Loch in der Trainingshose ist schon geflickt. Die Wäsche ist auch schon auf dem Balkon aufgehängt.                                                                             

Auch mein Vater macht viele Sachen. Er kann auch kochen, er repariert zu Hause viele Dinge, spielt mit uns und erzählt uns viele interessante Geschichten.

So hat dieser Schüler seine Eltern beschrieben. Dazu können wir hinzufügen: Wer in sich die Liebe hat, ist fähig,  große Leistungen zu vollbringen.  Bitten wir den Herrn, er möge uns in  unserer Liebe und Opferbereitschaft stärken!

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