Einleitung.
Während eines gewaltigen Schneesturms in New Hampshire verbarrikadierten umgefallene Bäume die Straße. Eine Frau, die mit dem Auto aus Hillsborough kam, konnte ihren Weg nicht mehr fortsetzen. Auch ein entgegenkommendes Fahrzeug einer Frau aus Standard musste stehenbleiben. Die beiden klugen Frauen fanden aber eine Lösung. Sie tauschten die Autoschlüssel und konnten so ihren Weg fortsetzen und ihr Ziel erreichen. Nach der Beseitigung des Hindernisses haben sie die Schlüssel und die Autos wieder zurückgegeben. Es ist erfreulich, wenn Menschen einander helfen und nicht gleich über Hindernisse schimpfen. Wir sollen Salz der Erde und Licht der Welt sein, so lautet die Aufforderung Jesu an uns. Im letzten Vers des heutigen Evangeliums nach Matthäus heißt es: So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Predigt
Die Christen wussten von Anfang an, dass die Anwesenheit Gottes nur durch die Liebe der Menschen zur Geltung kommt. Je weniger Liebe und Dienst in der Welt, desto weniger ist Gott in der Welt anwesend. Wir sind aufgefordert, durch unsere Liebe Gott dazu zu ermöglichen, dass er in der Welt zugegen ist.
Dionysios, ein bedeutender Bischof des 3. Jahrhunderts , hat in Briefen eindringlich über die Pest in Ägypten geschrieben. Er verglich dabei die Einstellung der Heiden mit der Christen in dieser Situation. Er hob hervor, dass die Heiden in dieser Zeit aus Angst vor Ansteckung ihre Freunde und Angehörigen verlassen hätten. Sie hatten allerdings mehr Tote zu beklagen als die Christen, die einander treu geblieben waren. Die meisten Christen waren so voller Liebe zu ihren Nächsten, dass sie nicht einmal auf ihre eigene Sicherheit und Gesundheit Rücksicht nahmen. Sie besuchten die Kranken und behandelten sie mit Liebe, wobei viele dabei auch sterben mussten. Man könnte sie durchaus als Märtyrer bezeichnen. Die Heiden benahmen sich ganz anders. Sie verjagten die Kranken, liefen auch von ihren Liebsten weg und warfen sogar Sterbende auf die Straße. Alles geschah nur, um eben eine Ansteckung zu vermeiden, und trotzdem entgingen auch manche dem Tode. Dieses Zeugnis aus Alexandria erklärt also, was es heißt, in unseren Nächsten Jesus zu sehen. Darum sagt Jesus: „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.“
Zwischen Jesus und unserer heutigen Zeit sind über 2000 Jahre vergangen. Aber das gilt auch für uns heute noch. Wir sind seine Kirche und sollen lebendige Zeugen seiner Liebe sein.
Der Unterschied zwischen der römisch-griechischen und der christlichen Welt zeigt uns auch Interessantes auf. Die Christen gingen in ihrer Liebe zu den Kranken so weit, dass man die Heilkunst in Griechenland als Kunst der Liebe bezeichnete. Als die Heiden allerdings die Christen beobachteten, wie sie die Kranken liebevoll betreuten, nannten sie das Christentum die Religion der Kranken. Im Römischen Reich war ein kranker Mensch uninteressant, er wurde aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das soziale Empfinden der Christen äußerte sich jedoch im Interesse der Armen und Kranken. An ihnen konnte man erkennen, welch ein mächtiger Gott es sein muss, an den sie glauben. Er zeigte sich in den Taten der Liebe durch sie.
Im Mittelalter bauten die Orden, zum Beispiel die Benediktiner und die Zisterzienser, aber auch andere Orden, nicht nur Klöster, sondern auch Krankenhäuser und Gärten, in denen sie Heilpflanzen anbauten, sowie Waisenhäuser. Daraus kann man erkennen, wie diese Menschen die Liebe Gottes verkündeten – nicht nur mit Worten, sondern vor allem auch mit Taten der Barmherzigkeit. Durch dieses Licht ihrer Liebe preisen sie den Vater.
Die bekannte dänische Schriftstellerin Karen Blixen, die von 1885 bis 1962 lebte, schrieb in ihrem autobiografischen Buch „Erinnerungen an Afrika“ über mehrere Jahre ihres Lebens, die sie in einer Kakaoplantage in Kenia verbrachte. Sie schrieb: Eines Tages kam zu mir ein junger Mann namens Kit. Er war sehr gescheit und erfüllte seine Pflichten sehr gründlich. Ich habe ihn rasant liebgewonnen. Nach drei Monaten bat er mich, ihm ein Empfehlungsschreiben für Scheich Ali bin Salim zu verfassen. Ich wollte aber nicht, dass er weggeht, und habe ihm vorgeschlagen, sein Gehalt zu erhöhen. Er sagte zu mir: „Mir geht es nicht ums Geld. Ich überlege nur, ob ich Christ oder Muslim werden soll.“ Er kam also zu mir, um das Leben der Christen zu beobachten. Jetzt wollte er zu Scheich Salim gehen, um dort das Leben der Muslime zu beobachten. Dann wollte er sich entscheiden, was er wählen würde. So endete die Schriftstellerin ihr Buch.
Fragen wir uns nun ganz aufrichtig: Würde jemand gerne Christ werden, wenn er drei Monate in meiner Familie mit lebt? Oder würde er lieber zu einer anderen Familie wechseln? Wir werden in Kürze wieder das Glaubensbekenntnis sprechen. Wir wollen in dieses Bekenntnis auch die Sehnsucht und die Bitte einschließen, stets Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.