Neujahr B 2015, Lk 2,16–21

Hochfest der Gottesmutter Maria – B  Sie fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

Einleitung

Ein Kanadier litt an einer Herzkrankheit und musste operiert werden. Als er nach der Operation aus der Narkose erwachte, sagte die Krankenschwester zu ihm: „Herr Cullegan, Sie sehen hervorragend aus!“ Da wandte sich dieser der Krankenschwester zu und meinte: „Ja, aber Sie haben mich noch nie in einem Anzug gesehen. „Wenn ich Ihnen schon im Pyjama so gut gefalle, wie wird es erst sein, wenn ich ein weißes Hemd, einen Anzug und eine Krawatte trage?“ So ähnlich ist das auch mit dem neuen Jahr. Wir sehen ein gutes neues Jahr vor uns. Dieses Jahr könnte uns folgendermaßen antworten: „Du hast mich aber noch nicht in voller Schönheit gesehen. Du wirst staunen, wenn der Frühling, dann der Sommer und später der Herbst und der Winter kommen. Also gehen wir mit Optimismus ins neue Jahr.

Predigt

Im Lukasevangelium haben wir soeben gehört: „Die Hirten eilten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.  Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Zurückdenkend an die Einleitung zu Beginn des Gottesdienstes könnten die Hirten sagen: „Jesus, du siehst gut aus, obwohl du noch in der Krippe liegst.“ Und Jesus könnte ihnen antworten: „Ihr habt mich noch nicht gesehen, wie es sein wird, wenn ich einmal lehre und Wunder wirke, und ihr habt mich auch noch nicht gesehen, wenn ich vom Tode auferstanden bin.“

Jedes Jahr ist für uns ein Geschenk. Jedes Jahr ermöglicht einen neuen Anfang. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb einmal: „Der kranken und müden Welt gegenüber haben wir die Möglichkeit, zu glauben und neue Hoffnung zu haben. Ich wage nicht, irgendwelche Prophezeiungen auszusprechen. Ich weiß nicht, ob es zügig oder langsam sein wird, aber im Christentum gibt es immer einen neuen Anfang. Ähnliche Anfänge gab es schon; sie sind und werden es sein.

Ein Kalender hat nur einmal im Jahr einen neuen Anfang; das Christentum hat immer einen solchen. Jeder Christ kann immer wieder von Neuem beginnen.    Am Anfang eines neuen Jahres soll uns noch etwas bewusst werden, nämlich: Wir sollen die Zeit sinnvoll nützen.

Ein französischer Schriftsteller schreibt: „Der einzige Weg der Rettung ist es, die Zeit für den Dienst, das Gebet, die Liebe und die Sehnsucht nach Vergebung zu nützen.“ Die Zeit gut zu nutzen bedeutet in der Wirtschaft ebenfalls Arbeit, Dienst und Liebe. Die Zeit, in der wir leben, soll genutzt werden zum Dienen, für unsere Beziehung zu Gott und zum Handeln gegenüber Menschen in Geduld und Barmherzigkeit. Dann ist unsere Zeit nützlich und sinnvoll.

Eine französische Schriftstellerin schreibt in diesem Zusammenhang: „Es genügen den Menschen drei Sekunden, um Eltern zu werden, um ein Kind zu zeugen.“ Aber Vater oder Mutter zu sein, ist etwas anderes. Das bedeutet mehr Zeit, Liebe und Dienst.  So ähnlich ist es auch im Christentum. Wir wurden getauft, und das dauerte nur ein paar Sekunden, doch das war nur der Anfang. Wirkliche und wahrhaftige Christen werden wir nur durch Dienst und Liebe, wenn wir uns bemühen, in Einklang mit Gott zu leben. Was wir uns am Anfang des Jahres in wenigen Sekunden vornehmen, das soll sich während des ganzen Jahres erfüllen.

André Camilleri schrieb in seinem Roman „König Girkentiov“ über einen kleinen sizilianischen Knaben und einen Halbwüchsigen.    Der kleine Knabe namens Zosimo konnte nicht lesen und schreiben, und doch bewunderten die Menschen seine vernünftige Haltung. Der stolze Halbwüchsige namens Apparenzio prahlte mit seiner Fähigkeit, die Zukunft voraussehen zu können. Die Karten aufschlagend sagte er zu Zosimo: „Du wirst einmal eine königliche Krone tragen.“ Der kleine Zosimo antwortete: „Ich möchte nur ein solches Leben, wie Gott es mir gibt.“

Am Beginn des neuen Jahres hören wir viel von Astrologen, Finanzberatern und Versicherungsmaklern, die uns ihre Angebote unterbreiten. Da sollen wir wie der kleine Zosimo antworten: „Ich will nichts anderes, nur ein Leben, das Gott mir schenkt.“ Das Christentum lehrt uns, dass es am besten für unser Leben ist, im Vertrauen alles in Gottes Hände zu legen. Mit Dankbarkeit stehen wir am Anfang dieses neuen Jahres und bitten Gott um seinen Segen für uns und unsere Mitmenschen.

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