5. Sonntag, B Mk 1,29-39.

Einleitung

Eine Studentin erinnerte sich an eine Vorlesung, zu der nur die Hälfte der Studenten gekommen war. Der Professor, der üblicherweise den Besuch der Vorlesung nicht kontrollierte, geriet, als er nur so wenige Studenten sah, in Wut  und ließ eine Liste herumgehen, auf die sich alle unterschreiben sollten. An diesem Tag fehlte auch ein wunderhübscher Junge, in den die Studentin sehr verliebt war, und sie wollte nicht, dass er wegen seiner Abwesenheit Probleme hatte. So entschloss sie sich, für ihn zu unterschreiben. Als aber die Liste zu ihr kam, sah sie, dass das ganz unnötig war. Sein Name war dort schon dreimal unterschrieben. Im Laufe des Lebens ist man eben in einem gewissen Alter verliebt. Jeder Mensch will lieben und geliebt werden. So interessieren sich die Jungen für die Mädchen und umgekehrt. Niemand will ausgeschlossen sein. Es gibt aber auch Situationen, in denen manche  ausgeschlossen werden. Da sind oft eine Krankheit, das Alter oder die Armut.

Predigt

Wir können das heutige Evangelium auf dreifache Weise betrachten: 1. Jesus heilt, 2. Jesus betet und 3. Jesus predigt.

Zu Punkt 1: Jesus begegnete vielen Menschen, die von vielem ausgeschlossen waren. Im heutigen Evangelium nach Markus haben wir gehört: Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten. Also half Jesus vielen, die sozial ausgegrenzt waren, damit sie wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Er wollte, dass die Menschen begreifen, dass Gott sie liebt. Nach der damaligen, gültigen, jüdischen Lehre war man überzeugt, dass  es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Krankheit und Schuld gebe. Die Leute hielten deshalb die Kranken für Menschen, die eine Schuld auf sich geladen haben, also für Sünder. Im Judentum meinte man, dass ein schuldiger Mensch von Gott mit seiner Krankheit bestraft wurde. Mit der Heilung  kranker Menschen zeigte Jesus, dass jeder, auch jeder kranke Mensch, von Gott geliebt wird.  Dadurch, dass er Menschen heilte, half er ihnen, sich mit Gott tiefer zu vereinen.

Zu Punkt 2: Im heutigen Evangelium nach Markus wird uns außer der Heilung der Schwiegermutter des Petrus auch Folgendes vermittelt:  Als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.  Das brauchte Jesus, damit er Abstand von allem Irdischen nehmen konnte, das auf ihn einströmte. Alles, was Jesus von morgens bis abends erlebte, war vergänglich. Durch das Gebet sah er im  Leben alles anders und konzentrierte sich dadurch auf das Wesentliche. Die Verbindung mit dem Vater und das Gespräch mit ihm waren wichtige Bestandteile seines Wirkens.

Zu Punkt 3) Seine Jünger eilten ihm nach und sagten zu ihm: „Alle suchen dich. Jesus antwortete darauf: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige. Es war ihm also sehr wichtig, das Wort vom Reich Gottes  überall zu verkünden. Es ist ja dazu in die Welt gekommen.

 Im Griechischen bezeichnen wir diese drei wesentlichen Punkte, über die ich eben gesprochen habe, als 1. Diakonie – das ist der karitative Dienst an den Menschen. 2. Leitourgia – das bedeutet, Gott zu loben und zu preisen, zu ihm zu beten, und 3. Martyria – das ist die Verkündigung des Evangeliums, das Zeugnis von Gott gibt. Eigentlich sind das dreierlei Ämter, die Jesus hier ausübt: Er ist Diakon, Priester und Prediger.

Wenn unsere Nachfolge mit Jesu Wirken authentisch sein soll, müssen wir diese drei Funktionen nachahmen. Wir alle müssen uns darauf konzentrieren, zu erfassen, was im Leben elementar ist. Notwendig ist dabei der Kontakt mit Gott, dem Vater, im Gebet. Daraus ergibt sich, dass wir alle unsere Aktivitäten in Liebe ausüben; nur so sind sie sinnvoll. Wer anderen Freude bereiten will, muss dieses Gefühl in seinem Herzen tragen. Wer der Welt Wärme schenken will, muss Feuer in sich tragen. Wer anderen Menschen helfen will, muss Hände haben, die niemanden verletzen. Wer Träger des Friedens sein will, muss selbst zuerst Ruhe in seinem Inneren finden.

Nun eine kurze Geschichte – und zwar das Märchen von der goldenen Mütze. Einmal nahm jemand, der eigentlich alles besaß, wahr, dass sein Leben betrüblich war. So nahm er aus einem Schrank eine Mütze, die aus Goldfäden gestrickt war.   Er ging hinaus auf die Straße und schenkte einem unbekannten Kind mit den Worten: „Für dich!“ Das Kind wunderte sich und lief voller Freude nach Hause. „Schau, was ich da habe!“, sagte es seiner Mutter. Die Mutter aber schenkte die Mütze einem armen Menschen und dieser fand wiederum jemanden, der noch ärmer war als er. Und überall dort, wohin die Mütze kam, brachte sie Freude. Sie wurde zum Zeichen der Liebe. Sie hatte die Fähigkeit, traurige Menschen glücklich zu machen.

Ich denke: Wir alle tragen in unseren Händen eine solche goldene Mütze, mit der wir eine Kettenreaktion auslösen können. Oft genügt nur ein freundlicher Gruß oder ein Lächeln, oder wir können jemandem sagen: „Du bist für mich wichtig, du bedeutest mir viel.“

Bitten wir den Herrn, dass er bei allen unseren Entscheidungen mit uns sein möge! Möge es in unserem Leben nur Taten der Liebe und Hoffnung geben! Das kann unser bedeutender Beitrag zur Heilung der Welt sein.

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