Gründonnerstag B 2015
Einführung
Jesus setzte die Eucharistie, die Heilige Kommunion, ein, um uns in der Liebe zu stärken. Er sagte: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Die Eucharistie ist
– Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi,
– eine Speise für das ewige Leben,
– eine ganz tiefe Gemeinschaft mit anderen Menschen. Vor allem aber will Jesus uns stärken, damit wir in der Liebe, im Opfer und im Dienst erstarken.
Predigt
Gründonnerstag ist der Tag der Einsetzung der heiligen Kommunion. Dienst, Liebe und die Heilige Kommunion hängen eng zusammen. Als zur Zeit Jesu Besuch kam, sandte der Herr des Hauses seine Sklaven, um den Gästen die Füße zu waschen. Einen solchen Sklavendienst hat auch Jesus vollbracht, als er seinen Aposteln die Füße wusch. Petrus verweigerte das zwar zunächst, da Jesus für ihn keinesfalls ein Sklave war. Jesus erklärte ihm jedoch die Notwendigkeit der Fußwaschung mit folgenden Worten: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße säubern. Jesus gibt uns nicht nur ein Beispiel, sondern auch die Kraft, es umzusetzen. Wenn wir die Quellen, die Jesus uns gibt, nicht nutzen, bleiben wir schwach in der Liebe, und der Egoismus, also die Eigenliebe, wird gestärkt.
Dazu passt folgende Geschichte: Eines Tages ging ein armer Student von Tür zu Tür, um Waren zu verkaufen und so sein Studium fortsetzen zu können. Einmal bemerkte er, dass er nur noch 80 Cent besaß. Er war sehr hungrig und klopfte an eine Tür, um sich Essen zu erbitten. Ein schönes Fräulein öffnete die Tür. Doch dann verlor der Student den Mut und begann zu stottern: „Kann ich ein Glas Wasser haben?“ Er traute sich einfach nicht, um etwas zu essen zu bitten. Das Fräulein sah jedoch, dass er hungrig war, und brachte ihm etwas zu essen. Der Student bedankte sich und fragte: „Was bin ich schuldig?“ Sie antwortete: „Nichts! Meine Mutter hat mich gelehrt, dass ich, wenn ich jemandem helfen kann, nichts dafür verlangen darf. Als der Student das Haus verließ, war er nicht nur gestärkt an Leib und Seele, sondern hatte auch seinen im Laufe der Zeit verloren gegangenen Glauben wiedererlangt. Dieser Student hieß Howard Kelly und konnte sein Studium schließlich fortsetzen. Er wurde Arzt. Mehrere Jahre später wurde das Fräulein ernsthaft krank und die Ärzte waren ziemlich ratlos. Man zog daher Howard Kelly zu Rate, der inzwischen ein berühmter Arzt war. Er erkannte die Patientin sofort wieder – es war das Fräulein von damals, das ihm geholfen hatte. Da beschloss er, alles für ihre Gesundung zu unternehmen, denn er wollte sie unbedingt retten. Schließlich gelang es ihm, sie gesund zu machen. Als es zur Begleichung der Arztrechnung kam, schrieb Dr. Kelly folgenden Text auf die Honorarnote: „Es ist schon alles bezahlt durch das Essen, das Sie einem armen Studenten gegeben haben, als er sehr hungrig war!” Die Patientin begann zu weinen und sagte: „Ich danke Gott für diese Herzensgüte und bitte ihn, seine schützende Hand über Dr. Howard Kelly auszubreiten!”
Es lohnt sich also, gut zu sein – auch im 21. Jahrhundert, selbst wenn man durch bittere Enttäuschungen die Erfahrung gemacht hat, dass es sich nicht lohnt. Gerade deshalb sind wir immer wieder eingeladen, in der Heiligen Eucharistie zu Jesus zu kommen. Er hat sie für uns eingesetzt, ebenso wie das Priestertum, damit sein Gedächtnis nicht verloren geht. Und all das hat er für uns getan, obwohl er wusste, dass er sterben würde und allen Grund gehabt hätte, verbittert zu sein. Seine Liebe zu uns kann nicht ausgelöscht werden. Die Eucharistie gibt uns die Kraft, zu lieben und diese Liebe weiterzugeben. Ist das nicht eine Aufforderung an uns?
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