Pfingstmontag B.Lk 10.21-24

Einführung
Vielen Christen ist nicht bewusst, was der Heilige Geist für sie bedeutet. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat uns Jesus erlöst. Ohne den Heiligen Geist würde uns das Werk der Erlösung nicht zuteil. Der Heilige Geist will aber auch das Werk Jesu Christi in uns fortsetzen.
Predigt
Der Heilige Geist kam in Feuerzungen auf die Apostel herab. Das bedeutete, dass sie die drei wichtigsten Gaben des Heiligen Geistes erhielten. Feuer hat drei Wirkungen. Erstens: Das Feuer leuchtet. Das bedeutet, dass der Heilige Geist den ungebildeten Aposteln das Licht des Glaubens schenkte.  Zweitens hat Feuer Kraft. Das bedeutet, dass der Heilige Geist die Apostel stärkte, damit sie die Kraft hatten, Zeugnis von Jesus abzulegen. Drittens: Das Feuer wärmt. Das bedeutet, dass der Heilige Geist die Apostel mit Liebe zu Gott und zu ihren Nächsten erfüllte. Diese drei Gaben brachte der Heilige Geist.

Nun wollen wir das, was der Heilige Geist den Aposteln kundgetan hat, auf uns übertragen. Auch uns will der Heilige Geist sein Licht schenken, damit wir zu Menschen werden, die vom Geist durchdrungen sind und fähig werden, Gott und den Nächsten zu lieben. Damit uns der Heilige Geist seine Gaben schenken kann, müssen wir ihm jedoch unsere Herzen öffnen. In der Heiligen Schrift, in der Offenbarung des Johannes, heißt es dazu: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“  „Mahl mit ihm halten” bedeutet, dass er uns wahre Freude in unserem Leben schenken wird.
Es geht also darum, dem Heiligen Geist unsere Herzen für seine Gaben zu öffnen. Wie kann das geschehen? Die Antwort lautet: Es sind drei Handlungen erforderlich.

Erstens müssen wir uns von der Sklaverei der Sünden befreien. Damals fragten die Leute die Apostel: „Brüder, was sollen wir tun?” Petrus sagte zu ihnen: „Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ Daraus geht hervor: Wenn jemand nicht umkehrt und die Tür seines Herzens vor dem Heiligen Geist geschlossen hält, kann er den Heiligen Geist nicht empfangen.
Zweitens: Wir müssen uns von der Sklaverei der Welt befreien. Jesus legte seinen Zuhörern mit folgenden Worten ans Herz: „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Wer also in seinem Leben die weltlichen Interessen auf Platz eins setzt, der öffnet sein Herz nicht dem Heiligen Geist. Weltliche Interessen gehören auf Platz zwei.
Drittens sollen wir innig um die Gaben des Heiligen Geistes bitten. Jesus lädt uns mit folgenden Worten ein: „Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.“

Wenn der Heilige Geist in unser Leben tritt, erfüllt er es mit Licht, Kraft und Liebe. Davon überzeugt uns das Buch des französischen Priesters und Publizisten Raymond Peyret mit dem Titel „Das Kreuz und die Liebe”. Es beschreibt das Leid und die Freude von Marthe Robin. Sie wurde 1902 in Châteauneuf-de-Galaure geboren. Ihre Eltern waren fromme Bauern. Mit 10 Jahren empfing sie die erste heilige Kommunion und das Sakrament der Firmung. Mit 14 Jahren verließ sie die Schule, um ihren Eltern zu helfen. Sie weidete die Schafherde. Dabei hatte sie viel Zeit für das Gebet. Beim Beten spürte sie die Nähe Gottes.   Mit 16 bekam sie starke Kopfschmerzen – und damit begannen ihre Leiden. Ihre Beine, ihre Hände und ihr ganzer Leib wurden gelähmt. Sie konnte nichts mehr essen außer die heilige Kommunion. Sie konnte nicht schlafen. Schließlich verlor sie auch ihre Sehkraft. All diese Leiden ertrug sie bis zu ihrem 79. Lebensjahr. Sie starb im Jahr 1981. Sie erlebte die Nähe des Heiligen Geistes ganz innig. Sie spürte, wie der Heilige Geist sie mit Kraft, Liebe und Freude erfüllte. Sie empfand eine so große Freude, dass sie keine Schmerzen und kein Leid mehr spürte.  Zu ihren Besuchern pflegte sie zu sagen: „Meine Freude ist grenzenlos, ich bin so glücklich.”

Heute gibt es Gemeinschaften von Gläubigen, die sogenannten „Foyers de Charité”, was übersetzt „Feuerstellen des Lichts, der Barmherzigkeit und der Liebe” bedeutet. Sie wurden nach dem Vorbild von Marthe Robin gegründet.  In diesen Gemeinschaften helfen sich die Menschen gegenseitig und erleben Gottes Nähe. Übrigens gibt es auch am Sonntagberg in Niederösterreich eine solche Gemeinschaft.
Sie können also wahrscheinlich jetzt spüren, dass mit Hilfe des Heiligen Geistes alles möglich ist, auch in schwierigsten Lebenssituationen Freude zu erleben.  Öffnen wir daher unsere Herzen dem Heiligen Geist. Er liebt uns alle und klopft an die Türen unserer Herzen. Wenn wir ihn einlassen, kommt wahre Freude und wahres Glück in unser religiöses Leben.

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