Einführung
Den Satz: „Lasst die Leute sich setzen“ verwendete Jesus, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf wesentliche Punkte zu richten. Die Vermehrung des Brotes war ein Zeichen dafür, dass Jesus der Messias ist. Seine göttliche Macht überschreitet die Macht der natürlichen Welt. Es ist schön, dass Jesus zu diesem Wunder auch die Apostel gebrauchte. Ihre Aufgabe war es, den Leuten aufzutragen, sich zu setzen.
Predigt
Jesus sandte seine Apostel nicht, um Lebensmittel zu kaufen oder die Reichen von den Armen zu trennen. Es war aber auch nicht leicht, die Menschen dazu zu bewegen, sich an einem einsamen Ort niederzulassen und zu warten.
Tag für Tag erledigt der Mensch die verschiedensten Aufgaben. Der Mensch baut, schreibt, fährt, rechnet… Das alles bedeutet Aktivität. Diese Aktivität ist meist gewinn- und profitorientiert. Jesus lädt auch uns ein, uns in die Anwesenheit Gottes „zu setzen“. Das ist die Aufforderung, alles dem Herrn anzuvertrauen. Unser Leben soll ganz auf Gott ausgerichtet sein. Hier geht es nicht um Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern um unser Leben im Glauben. Daraus ergeben sich drei Blickwinkel:
Der erste Blickwinkel ist die Orientierung an geistlichen Werten. Es ist nicht wichtig, ob es Montag oder Dienstag ist oder ob es morgen oder abends ist. Wichtig ist, dass wir auch nach den geistlichen Werten suchen. Wichtig ist, dass wir Zeit für das Gebet und die heilige Messe finden. Wichtig ist, dass wir unsere Sünden bekennen und bereuen und unsere Fehler bekämpfen. Wichtig ist es also, Gott ganz im Blick zu haben.
Der zweite Blickwinkel ist die Entdeckung der Bedeutung für alles, was wir alltäglich tun. Jesus lehrte die Menschen, übernatürliche Dinge zu erkennen. Er vermehrte das Brot und sättigte damit die Menschen. Das war eigentlich eine alltägliche materielle Angelegenheit. Gott sorgte sich also um die Menschen. Aber das geschah ganz anders als zwischen Mensch und Mensch. Der Mensch sagt: Das mache ich alles selbst, das Essen zubereiten, eine Wohnung schaffen, verschiedene Arbeiten verrichten. Aber er wird feststellen, dass er einige Dinge nicht selbst machen kann; da kann er nur Gott darum bitten. Ich denke da an die Gesundheit, das Glück, die Ruhe der Seele. Die alltäglichen Sachen kann ich selbst erledigen, die außergewöhnlichen schenkt mir Gott. Das ist der Unterschied. Aber Gott kümmert sich natürlich auch um die alltäglichen Dinge.
Der dritte Blickwinkel ist die Erkenntnis, dass alles ein Geschenk ist. Wie wir die Brotvermehrung bewundern, so sollen wir auch das Wachstum des Korns auf den Feldern, das Reifen des Obstes auf den Bäumen, überhaupt unsere Natur bewundern. Das alles ist wahrlich ein Wunder der Schöpfung Gottes.
Der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll schrieb ein Buch mit dem Titel „Und sagte kein einziges Wort“. In diesem Buch beschreibt er die Situation der Familie Bogner nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Familie hatte drei Kinder und wohnte äußerst beengt in nur einem Zimmer. Das Elend dieser Familie wurde mit dem Reichtum des kinderlosen Ehepaares Frank konfrontiert. Frau Frank war die Leiterin eines katholischen Vereins. Sie besuchte jeden Tag die heilige Messe und kommunizierte täglich. Aber sie war gegenüber der Armut der Familie Bogner ganz gleichgültig. Der Autor fragte sich also, ob es genug sei, Jesus nur mit dem Mund zu empfangen und Jesus nicht in den Mitmenschen zu sehen. Wir wissen, dass Jesus nicht taub gegenüber der Not der Mitmenschen war und sich durchaus um deren materiellen Bedarf kümmerte, wie uns das heutige Evangelium klar vor Augen führt.
Jede Zeit braucht allerdings etwas anderes. Wir leben 70 Jahre nach dem Krieg. Viele Menschen sind materiell gut versorgt und reich, doch geistig arm. Wir sollen ihnen den Weg zu den geistigen Werten zeigen. Die materiellen und geistigen Werte müssen im Leben der Menschen ausgeglichen sein. Wir dürfen niemals die materiellen noch die geistigen Sachen verachten oder vernachlässigen. Jesus zeigt uns, wie wir unser Leben gestalten sollen. Lernen wir von ihm!