4. Sonntag C Lk 4,21-30

Einleitung

Am vorigen Sonntag haben wir gehört, dass Jesus in der Synagoge auftrat und aus dem Buch des Propheten Jesaja die folgenden Worte vorlas: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr  eben gehört  habt, erfüllt. Heute werden wir hören, was weiter geschah, also wie die Zuhörer auf seine Rede reagierten.

Predigt

Jesus trat in der Synagoge in Nazaret also schon als Prophet auf. Mit seinem Auftreten  provozierte er seine Landsleute. Sie nahmen ihn nicht auf und bemerkten lediglich: „Ist das nicht der Sohn Josefs?“ Mit anderen Worten: Was kann der uns schon Neues sagen?  Jesus antwortete ihnen mit einem bekannten Ereignis vom Propheten Elia, der nur zur Witwe in  Sarepta bei Sidon gesandt wurde, und vom Propheten Elischa, der nur zum Syrer Naaman gesandt wurde und sonst zu niemandem. Wir fragen uns, ob Jesus mit dieser Bemerkung richtig vorging. Sollte er nicht zuerst seine Landsleute gewinnen und  dann die Sachlage allmählich erklären?

Wir können auch sehen, dass die Apostel ähnlich wie Jesus predigten. Zum Beispiel: Petrus hatte bei der Rede auf dem Tempelplatz  gesagt: „Ihr aber habt den Heiligen  und Gerechten verleugnet. Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn  von den Toten  auferweckt.“ Petrus will damit sagen, dass wir der falschen Diplomatie nicht erliegen dürfen. Wir müssen immer auf der Seite der Wahrheit stehen. Ähnlich setzte auch Paulus fort. Die Sendung der Kirche besteht darin,  die Wahrheit zu verkünden. Aber nicht nur das: Sie muss sich auch verteidigen und sich für die Rechte einsetzen; sie muss die Welt vertreten.

Wir erfahren im heutigen Evangeliumstext auch, dass der Mensch schnell von der Liebe zum Hass hinüberschwenkt. So war es auch in Nazaret. So ist das auch heute. Viele erwarten von der Kirche, was sie nicht erfüllen kann. Diese Menschen kritisieren dann die Kirche und kämpfen sogar gegen sie. In der Geschichte gibt es  genug Beispiele. Ich denke dabei an den Kommunismus und den Nationalsozialismus. Es ist überhaupt nicht leicht, die Wahrheit zu verkünden. In der Welt wird Gott vielfach vergessen. Die Wahrheit wird   relativiert.

Jesus sagte im heutigen Evangelium: „Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.“ Propheten waren immer in der Kirche anwesend, sowohl echte als auch  fiktive. Durch Propheten wie Franz von Assisi und Dominikus kamen viele Menschen wieder in die Kirche zurück. Viele andere wiederum beendeten  ihr Leben mit dem Märtyrertod. Die Tragödie der Propheten  ist zugleich die Tragödie ihrer Zuhörer. Aber die zweite Tragödie ist viel schwieriger. Ein Prophet, der seine Arbeit gut erledigt, erhält die Belohnung vom Herrn. Diejenigen, die Propheten ablehnen, müssen Strafe von dem erwarten, der   Propheten schickt.  Wenn Gott die Welt nicht durch Propheten anspricht, dann bleiben nur noch Untergänge und  Kriege. Die Welt ist heute kaum noch bereit, auf die Stimme der Propheten zu hören.

Die Musikerin  religiöser Lieder, Fanny Crosby,  komponierte mehr als 6 000 Lieder. Obwohl sie durch eine Krankheit ihre  Sehkraft völlig verlor, verbitterte sie nie. Einmal machte ein Prediger folgende Bemerkung: „Ich denke, es ist sehr schade, dass der Schöpfer ihnen die Sehkraft nicht gönnte, doch viele andere Gaben schenkte.“ Fanny antwortete schlagfertig: „Wissen Sie, wenn ich bei meiner Geburt einen Wunsch hätte aussprechen können, hätte ich verlangt, blind geboren zu werden.“  „Warum?“, so fragte der schockierte Geistliche. Sie antwortete: „Weil, wenn ich in den Himmel komme, dann wird das erste Gesicht, das ich sehen werde, das Gesicht meines Erlösers sein.“  Fanny war also nicht unglücklich, weil sie nicht sah. Sie erfüllte ihre Sendung durch ihre Lieder. Sie verschenkte Liebe, Freude, Hoffnung und Frieden. Sie hatte eine aufrichtige Beziehung zu Gott. Wir haben gesunde Augen. Es ist aber notwendig, dass wir die Sendung, die Gott mit  uns vorhat, erfüllen.

Gott verlangt von uns, die Wahrheit anzunehmen, auch wenn sie unangenehm ist, und dann nicht passiv zu bleiben. Wir müssen für die Wahrheit und die Liebe leben. Wir dürfen nicht schweigen, wenn Unrecht geschieht.   Denken wir an die Worte Jesu: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ Wer sein Leben für mich verliert, wird es retten. Eine klare Rede, nicht wahr?

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