2. Fastensonntag C – Lk 9,28b–36
– Abraham hörte und folgte Gottes Stimme.„
Einführung.
Unsere Gewohnheiten zu ändern, ist schwierig. Ich denke, dass sie mir da zustimmen werden. Wir ziehen nicht um, wenn es uns gut geht. Ganz anders ist es, wenn ein Krieg ausbricht oder eine Katastrophe eintritt. In der ersten Lesung werden wir von Abraham hören. Er zog aus seiner Heimat weg – nicht wegen eines Krieges, nicht wegen einer Katastrophe –, sondern weil Gott zu ihm sagte: „Zieh weg, aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.“
Predigt
Abram, der später den Namen Abraham bekam, hörte die Stimme Gottes und machte sich als 75-Jähriger auf den Weg. Er wusste nicht, wohin sein Weg führte. Er wusste nur, dass Gott ihn gerufen hat. Seine Zeitgenossen haben wahrscheinlich gedacht, Abraham sei jetzt irrsinnig geworden. Abraham ging aber trotzdem. Er war zwar alt, aber in seinem Geist noch jung, und er war bereit, auf die Stimme Gottes zu hören und ihr zu folgen. So ist Abraham für uns zu einem großen Beispiel geworden. Als Abraham Gottes Stimme hörte, wusste er das zwar nicht zu begründen, aber er ging trotzdem dorthin, wohin ihn Gott gerufen hat. Erst später erkannte er, warum ihn Gott berufen hat und wohin. Das ist eine notwendige Wahrheit, die auch wir uns aneignen sollen. Oft geschieht es, dass etwas Unvorhergesehenes eintritt. Wir stellen uns die Frage: Was will Gott uns damit sagen? Was hat er mit uns vor? Erst viel später, erkennen wir den Grund. Abraham erkannte später das Land, in das ihn Gott eingeladen hatte.
Gott ruft den Menschen, aber er ist kein Gewalttäter. Er will, dass der Mensch in Freiheit auf seinen Ruf antwortet. Für uns Menschen ist es aber oft schwierig, auf den Ruf zu antworten, weil wir nicht den Willen Gottes erfüllen wollen, sondern unseren eigenen. Damit wir Gottes Stimme hören, müssen wir in uns einen Raum der Stille schaffen. Ist unser Gespräch mit Gott ein Dialog oder ein Monolog? Ist unser Gebet nicht nur Herunterplappern eines Textes, den wir schon lange auswendig kennen? Wir sprechen, aber wir hören nicht, was Gott zu uns sagt. Wenn etwas passiert, sagen wir manchmal: Das war ein Zufall. Wenn jemand so sagt, dann registriert er noch nicht, dass Gott in seinem Leben wirkt. Nichts ist zufällig. Alles, was geschieht, geschieht mit Gottes Willen. Wenn wir uns dieser Wirklichkeit bewusst werden, wird sie für uns zur Quelle des Heils.
Jesus nahm drei seiner Jünger mit auf den Berg Tabor. Die Jünger wussten, dass sie auf den Berg Tabor gingen, aber keiner von ihnen wusste, warum. Sie wussten, dass Jesus gern Berge besuchte, um dort zu beten. Aber dass dort Jesus in seiner Herrlichkeit erscheint, zusammen mit Mose und Elia, davon haben sie nicht einmal geträumt. Die Verklärung des Herrn hatte einen großen Einfluss auf seine Jünger.
Eine Sage erzählt von Gänsen, die auf einem Bauernhof grasten. Alle Gänse waren wohlgenährt, denn sie hatten genug zu fressen und ausreichend Wasser. Sie fühlten sich dort sehr wohl. Plötzlich flog über sie ein Schwarm wilder Gänse. Die Gänse auf der Erde begannen zu schreien: „Wohin fließt ihr, liebe Schwestern?“ Die wilden Gänse antworteten: „In wärmere Länder.“ Als die Gänse auf der Erde sahen, wie leicht es den wilden Gänsen fiel, in wärmere Länder zu fliegen, da versuchten sie auch, zu fliegen. Aber sie waren gemästet, sie hatten behäbige Flügel. Sie konnten nicht fliegen. Da riefen sie den wilden Gänsen nach: „Fliegt nur, Schwestern! Uns geht es hier gut.“ Die wilden Gänse flogen in wärmere Länder. Die Gänse am Bauernhof endeten in der Bratpfanne.
Wir sind diesen Gänsen ähnlich. Wir fragen uns: „Wie kann man sein Leben mit Gott gestalten?“ Sich für dieses Leben mit Gott zu entscheiden, ist sehr schwierig. Es geht uns gut, so wie wir leben. Und das ist ein Fehler. Jesus lädt uns ein, uns zu verwandeln, uns zu ändern. Es ist erstaunlich von Abraham, dass er sich als 75-Jähriger vor einer Veränderung nicht fürchtet. Viele ältere Leute sagen: „Ich bin schon alt. Ich ändere mich nicht mehr. Es ist schon zu spät.“ Ist das richtig? Jeder Mensch kann sich ändern. Auch ein älterer Mensch kann sich ändern. Nur der Mensch muss bereit sein, sich zu ändern. Damit wir uns ändern, brauchen wir die geistliche Kraft – und diese geistliche Kraft bekommen wir im Gebet. Wenn wir uns ändern, verherrlichen wir Gott und helfen unseren Nächsten.
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