5.Fastensonntag C Joh 8,1-11

5.Fastensonntag 2016 – Jesus und die Ehebrecherin

Einführung

Vorige Woche haben wir  das Gleichnis vom verlorenen Sohn gehört. In diesem Gleichnis war die Liebe des himmlischen Vaters im Mittelpunkt.  Heute wird eine Frau Jesus vorgeführt, die beim Ehebruch ertappt wurde. Sie wollten, dass Jesus sich dazu äußert.

Predigt

Jesus war  in einer schwierigen Situation. Er sollte die Barmherzigkeit  hervorheben und dabei gegen das Gesetz nicht verstoßen. Die Menschen, die mit dieser Frau zu Jesus kamen,  hatten die  Absicht, diese Frau zu verurteilen oder Jesus zu verurteilen,  wenn er diese Frau nicht verurteilt.  Jesus kam nicht um das Gesetz aufzuheben, sondern es zu  erfüllen. Was bedeutet das, ein Gesetz zu erfüllen? Die Gerechtigkeit erfüllte Jesus mit verzeihender Liebe. Als die Vollzieher der Gerechtigkeit ihn bedrängten, er solle sich  doch zu dieser Frau  äußern,  bückte er sich nieder und schrieb  etwas auf die Erde. Die Exegeten sagen: Vielleicht schrieb er  die Sünden der Menschen auf, die die Frau verurteilen wollten.

Jesus wurde dabei ganz still, aber sie bedrängten ihn weiter. Sie wollten von Jesus eine Antwort hören. Jesus richtete sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe  als erster einen Stein auf sie. Mit dieser Antwort rechneten sie nicht. Diese Antwort traf sie  direkt in ihren Herzen. Allmählich gingen sie alle weg.  Wenigstens darin waren sie gerecht, denn sie erkannten  ihre eigene Sündhaftigkeit.

Jesus blieb allein mit Frau und er fragte:  Hat dich keiner keiner verurteilt?  Sie antwortete: Keiner. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt  an nicht mehr! Hat  Jesus das Gesetz gehalten? Mit der  Barmherzigkeit Gottes gewinnt er den Menschen für sich selbst. Das ist das höchste Gesetz,  durch das Gott das Leben des Menschen lenkt.  Menschen gewinnt man nur durch die Gerechtigkeit, die sich mit Liebe  vereinigt. Gerechtigkeit ohne Liebe führt zur Sklaverei, und die Liebe ohne die  Gerechtigkeit ist keine wirkliche Liebe.  In Jesus vergegenwärtigt sich Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Liebe. So verwandelte Jesus diese Frau in ihrem Innersten. Sie hat ihre Sünden bereut und nicht nur das, sie folgte Jesus in Treue nach  bis unter das Kreuz. Diese Frau, der Jesus vergeben hat, die  die Barmherzigkeit Gottes erlebte,  hatte die Möglichkeit ihr Leben neu zu beginnen und Jesus nun dauerhaft zu folgen.

Die ähnliche Änderung erlebte auch der heilige Apostel Paulus. Er war sehr gerecht., aber nur menschlich gesehen. Es fehlte ihm die Barmherzigkeit und die Liebe. Die Liebe berührte ihn durch Jesus Christus.  Jesus fragt Paulus: Saul, Saul warum verfolgst mich?  Jesus hätte Paulus für seine Taten bestrafen können. Paulus bekam aber von Jesus die Möglichkeit, ein neues Leben zu beginnen. Paulus schrieb in den Brief an Philipper diese Worte: Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: Ich sehe alles als  Verlust  an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines  Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben  und halte  es  für  Unrat, um  Christus zu gewinnen und in ihm zu sein.   oder: Aber ich strebe danach, es zu ergreifen , weil auch ich von Christus  Jesus ergriffen worden ist. 

Womit ergreift Christus Paulus? Durch die barmherzige und verzeihende Liebe.  Diese verzeihende Liebe macht uns zu neuen Geschöpfen. Wenn der Mensch entdeckt, dass Gott Sünden vergibt, dann entscheidet er sich dafür, die Sünde nicht mehr zu wiederholen.

Eine Geschichte von einem Vater und seinem Erlebnis mit seinem Sohn möchte ich euch noch erzählen: Der Sohn kam aus der Schule heim. Er war sehr traurig, weil er einen Fünfer in Mathematik bekommen hatte. Am  Nachmittag wollte er mit seinen Freunden Fußball spielen, aber er wusste,  wenn er dem Vater etwas von seiner schlechten Note sagte, durfte er nicht zum Fußballspielen gehen.  Als er aus der Schule kam, fragte ihn der Vater: „Was war heute in der Schule?“ Er antwortete: „Vater, mit Mathematik habe ich Schwierigkeiten.“ Der Vater sagte zu ihm: „Du wolltest doch heute Fußball spielen gehen. Geh, und dann werden wir später für  Mathematik zusammen lernen.“ Seit diesem Tag hatte der Sohn keinen Fünfer mehr nach Hause gebracht.  Hier wurde Gerechtigkeit  mit Barmherzigkeit in Verbindung gebracht. Wir brauchen die Vergebung, damit wir die Vergebung auch  weiter schenken können. Darum sehnen wir uns danach, dass Gott uns mit seiner Vergebung  beschenkt, damit wir diese Vergebung  unseren Nächsten weitergeben können.

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