14.Sonntag C Lk 10,1-12 17-20
Einführung
Im heutigen Evangelium werden wir von der Aussendung der zweiundsiebzig Jünger hören. Jesus erklärte ihnen, wie sie sich verhalten sollen. Das werden wir im Evangelium hören. Ich möchte Sie auf einen Satz aufmerksam machen: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus.” Friede ist sehr wichtig für unser Leben.
Predigt
Die Jünger Jesu sollten den Menschen Frieden bringen. Selbstverständlich ist der Friede auch für uns wichtig. Jesus will, dass wir in Frieden leben. Wie können wir den Frieden verlieren? Auf diese Frage kann man nicht mit einem Satz antworten. Es gibt viele Ursachen, weshalb man den Frieden verliert. Einige Beispiele sind: Eine Bekannte redet schlecht über mich, die Lehrerin in der Schule benachteiligt meine Kinder, jemand beschädigt mein Auto, meine Arbeit wird nicht geschätzt. Ich habe Schwierigkeiten, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Nachbarin grüßt mich nicht mehr. Ein Politiker hat die Wahl gewonnen, aber das entspricht nicht meiner Zustimmung. Ein Arzt kündigt mir an, dass mit meiner Gesundheit etwas nicht in Ordnung ist, ich verliere meinen Arbeitsplatz und vieles mehr. All das versetzt uns in Unruhe, verwirrt und kopflos. Menschen, die in Unruhe leben oder innere Unruhe verspüren, reagieren oft falsch. Sie sind griesgrämig, ungeduldig und gereizt.
Verhalten sich gläubige Menschen so, sind sie kein Vorbild für Ungläubige. Diese machen dann folgende Bemerkung: „Wozu dient dieser Mensch eigentlich seinem Glauben, wenn er so reagiert?“ Ich glaube nicht, ich bete nicht, aber ich reagiere anders.
Ich persönlich finde, dass das zuvor genannte Verhalten Ausdruck von Misstrauen gegenüber Gott ist. Betrachten wir nun das Gegenteil! Jemand verleumdet mich; ich bekomme unverdienterweise eine Rüge, weil ich in der Schule Misserfolge hatte, mein Mann bekam keine Gehaltserhöhung, ich hatte einen Unfall, ich versäumte den Bus usw. Aber ich bewahre Frieden in mir, weil ich meine Gedanken Gott zuwende. Ihm kann ich alles anvertrauen, auf ihn kann ich mich verlassen, und ich wende mich trotz allem ihm zu und verehre ihn.
Je größer die Schwierigkeiten waren, desto größer war die Freude des heiligen Don Bosco. Wer so lebt, wirkt wohltätig auf andere. Er muss nicht viel reden oder seinen Glauben aufdrängen, und doch nehmen alle Menschen seinen Glauben wahr und beginnen, sich zu fragen: Warum ist dieser Mensch so ruhig? Liegt es daran, dass er in einer glücklichen Umgebung aufgewachsen ist, eine gute Erziehung genossen hat oder aus anderen Gründen? Wenn er gefragt wird: „Kannst du uns sagen, wie es dir möglich ist, so ruhig auf alles zu reagieren?” Er wird antworten: „Unser Friede ist auf Christus gegründet, und als gläubiger Mensch betrachte ich alles aus der Perspektive der Ewigkeit. So kann ich alle Lebenslagen annehmen, denn ich weiß, dass Gott alles ändern kann. Echten Frieden können wir nur in Christus finden.
Der Frieden, den uns die griechischen Philosophen und die orientalischen Religionen beschreiben, ist ganz anders. Ihnen geht es nicht um inneren Frieden, sondern um Gleichgültigkeit, Empfindungslosigkeit und Apathie gegenüber Freude und Leid, Glück und Unglück. Bei ihnen hängt ohnehin alles vom Schicksal ab. Der Buddhismus und andere orientalische Religionen bezeichnen die völlige Betäubung aller menschlichen Gefühle und Sehnsüchte als Ideal.
Solche Einstellungen sind für uns Christen inakzeptabel. Friede ist für uns kein passives Gefühl. Der Friede Christi ist die Frucht der Ergebenheit an den liebenden Gott. Dieser Friede führt uns Menschen zu einem scheinbar widersprüchlichen Handeln: Einerseits nehmen wir alles auf, was Gott uns sendet, und andererseits unternehmen wir alles, was vor Gott richtig und angemessen ist. Ein dafür ganz charakteristisches Gebet, das euch vielleicht bekannt ist, lautet: „Gott, gib uns Mut, das zu ändern, was wir ändern können, und gib uns die Kraft, das zu ertragen, was wir nicht ändern können.“ Das ist sehr wichtig für ein geordnetes Leben. Es ist die Quelle der Freude, die Jesus seinen Nachfolgern versprochen hat. Friede hört, ganz ähnlich wie Liebe, niemals auf, auch dann nicht, wenn der Mensch schon alles verloren hat – Gesundheit, Namen und Leben. Der gläubige Mensch weiß: Wenn er alles verliert, bekommt er alles in unendlichem Maße zurück. Werden wir uns dessen bewusst, wie kostbar der Friede ist, den Jesus uns schenkt!
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