19.Sonntag C im Jahreskreis Lk 12,32-48

 Seid auch ihr vorbereitet?
Einführung
Legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampe brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten! Das ist die Aufforderung des heutigen Evangeliums. Wenn wir diese Worte hören, denken wir daran, dass wir immer für den Dienst an Gott vorbereitet sein sollen. Die Worte „Lasst eure Lampen brennen” bedeuten, dass wir sehen können, wie wir dienen können. Ich denke, dass der Text des heutigen Evangeliums hervorragend zur zweiten Lesung passt, in der wir von Abraham hören.

Predigt
Als Abraham die Aufforderung erhielt, in ein Land zu ziehen, das er als Erbe erhalten sollte, gehorchte er, denn er war darauf vorbereitet. Er zögerte nicht. Ein Mensch kann nur dann vorbereitet sein, wenn er glaubt. Als Abraham aufbrach, wusste er nicht, wohin er ging und wie das verheißene Land aussah. Er ging im Glauben. Und er nahm auf dem Weg auch seinen Neffen Lot mit seiner Familie mit. Zu Lot sagte Gott nichts. Lot stützte sich auf den Glauben Abrahams. Glaube ist ein Geschenk, das wir als Einzelne erhalten, das aber auch der Gemeinschaft zugutekommt. Ein gläubiger Mensch kann einen weniger gläubigen Menschen stützen.

Wir können uns hier folgende Frage stellen: Sind wir eine Stütze für andere Menschen? Können sich unsere Nächsten auf unseren Glauben stützen? Glaube gründet nicht nur auf Worten. Ich bin ein gläubiger Mensch. Ein gläubiger Mensch beweist durch sein Handeln etwas, das wir nicht sehen können: die Anwesenheit Gottes. Abraham wuchs immer mehr im Glauben, und zwar in einem solchen Maß, dass er die Sicherheit hatte, an Gottes Verheißungen zu glauben. Diese Sicherheit hatte er auch, als es zur Trennung von Lot kam. Damals sagte Abraham zu Lot: „Wähle ein Land!” Wenn du nach rechts gehst, gehe ich nach links. Wenn du nach links gehst, dann gehe ich nach rechts.“ Wir wissen, dass Lot jenes Land auswählte, das auf den ersten Blick vielversprechender war. Abraham blieb somit das „armseligere” Land. Doch Abraham nahm dies im Glauben an. Er wusste, dass Gott es segnen würde, auch wenn das Land auf den ersten Blick unwirtlich und unfruchtbar aussah.

Wie ist es um uns bestellt? Wie verhalten wir uns, wenn wir den Eindruck haben, ein unwirtliches Land zu betreten, also wenn wir mit ungünstigen Bedingungen leben? Haben wir dann auch die Sicherheit, dass Gott uns segnet und mit uns ist? Oder verzweifeln wir? Verlieren wir in diesen Momenten vielleicht den klaren Blick für die Anwesenheit Gottes? Abraham hat bewiesen, dass ein fester Glaube in solchen Augenblicken notwendig ist.
Gott bietet uns täglich genügend Gelegenheiten, um im Glauben zu wachsen. Das ist jedoch nur möglich, wenn wir vorbereitet sind und unsere Lampen brennen. Das bedeutet, dass wir uns in jeder Situation an Gott wenden und auch schwierige Situationen annehmen. Schließen wir Gott aus unserem Leben aus, denken wir nur an uns selbst und verlassen uns nur auf unsere eigenen Kräfte, werden wir die Prüfungen, die auf uns zukommen, nicht durchstehen. Der Glaube ermöglicht uns, weiterzusehen, als es unsere Fähigkeiten zulassen. Handeln wir in schwierigen Situationen nicht aus dem Glauben heraus, ist unser Glaube noch nicht ausgereift.

Wahrscheinlich kennen Sie die folgende Begebenheit aus einer Pfarrei. Der Pfarrer forderte seine Gläubigen auf, in die Kirche zu kommen und für Regen zu beten, da es schon seit Langem nicht mehr geregnet hatte. Viele Leute kamen in die Kirche. Der Priester begann seine Ansprache mit den Worten: „Wozu seid ihr hierhergekommen? Ihr könnt alle nach Hause gehen. Die Menschen erstarrten, denn sie verstanden die Worte des Priesters nicht. Und dann sagte er zu ihnen: „Ihr seid in die Kirche gekommen, und niemand hat einen Regenschirm mitgebracht!” Was wollte er damit sagen? Es reicht nicht, für etwas zu beten, man muss es auch im Glauben tun. Es reicht nicht, jemandem von Gottes Anwesenheit zu erzählen. Die Leute müssen sehen, dass wir auch entsprechend handeln. Dann können sie sich auf unseren Glauben stützen.

Wir alle tragen Verantwortung für andere Menschen, die Unterstützung im Glauben benötigen. Sie sollen spüren, dass in uns etwas ist, das über unsere natürlichen menschlichen Kräfte hinausgeht. Sie sollen erkennen, dass wir unser Leben meistern, weil wir an die Anwesenheit Gottes glauben und alle Begebenheiten als von Gott gewollt annehmen.

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