Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen.
Einführung
Bei jeder heiligen Messe haben wir nach dem Vaterunser immer die Möglichkeit, folgende Worte von Jesus zu hören: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.” Doch im heutigen Evangelium sagt Jesus: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen?” Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“ Was meinte Jesus damit? Einerseits sagte er, dass er Frieden bringe, andererseits, dass er Spaltung und Zwietracht bringe.
Predigt
Es ist aber gut zu wissen, wann Jesus diese Worte gesagt hat. Er sagte die Worte vom Frieden, als er mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feierte. Das war also beim letzten Abendmahl. Hier sprach Jesus zu denjenigen, die sich entschlossen hatten, ganz für ihn zu leben und ihm ihr Leben zu schenken. „Meinen Frieden gebe ich euch.” Jesus gibt seinen Frieden also denen, die ihr Leben so gestalten wollen, dass er der König ihres Daseins ist.
Nun zu den anderen Worten: Ich habe keinen Frieden gebracht, sondern Spaltung. Diese Worte sagte Jesus vor einer beträchtlichen Menschenmenge. Er sagt diese Worte auch unserer Welt von heute zu. Mit diesen Worten offenbart Jesus, dass jeder von uns dem Kampf zwischen Gut und Böse ausgesetzt ist. Es wird Spannungen zwischen denen geben, die sich entschlossen haben, Jesus zu folgen und ihr Leben auf Christus auszurichten, und denen, die ihm widersprechen. Das wird Unruhe und Unfrieden hervorrufen, besonders dann, wenn das Gewissen der Menschen, die ihrem Glauben untreu sind, von dem derer, die ihn leben, aufgerüttelt wird. Diese Menschen, die ohne Christus und ohne Gewissen leben, werden sich wehren und diejenigen angreifen, die Christus nachfolgen. Sie werden sagen: „Das sind Fanatiker und Sonderlinge.”
Jeremia war ein echter Prophet, der zu einer Zeit lebte, in der es auch viele falsche Propheten gab. Diese versprachen dem Volk die baldige Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft. Damit erweckten sie falsche Hoffnungen. Sie meinten, in die Seelen der Menschen Frieden zu bringen, doch es war kein echter, sondern ein falscher Frieden. Als Jeremia erklärte, dass das Volk noch viele Jahre in babylonischer Gefangenschaft verbringen und unter der Vorherrschaft der Babylonier leiden werde, warfen sie ihn in eine Zisterne, um ihn mundtot zu machen. Seine Gegner behaupteten: Dieser Mensch sucht nicht das Wohl dieses Volkes, sondern sein Unheil. So kam es zur Trennung zwischen den Menschen: zwischen jenen, die den echten Frieden mit Christus suchen, und jenen, die den falschen Frieden ohne Christus wollen. Auch heute schließen Menschen Kompromisse und passen sich an, nur um Frieden zu haben. Aber das ist ein falscher Friede. Dieser Friede baut das Reich Gottes nicht auf. Einen wirklichen Frieden gewinnen wir nur, wenn wir uns eindeutig für Christus entscheiden. Wenn man den wahren Frieden in die Welt, in der man lebt, tragen will, muss man treu sein. Die Menschen werden nicht sofort glauben, dass wir es mit Jesus ernst meinen. Sie glauben nur Menschen, die konsequent treu sein können.
In seinem Brief an die Hebräer schreibt der Heilige Paulus: „Lasst uns mit Ausdauer im Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.“ Er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten Gottes Throns gesetzt.“ Denkt an den, der von den Sündern einen solchen Widerstand gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und den Mut nicht verliert. Es ist notwendig, alle Kräfte in den Kampf gegen die Sünden zu legen, damit wir den wahren Frieden erlangen.
Der heilige Johannes Maria Vianney verbrachte unzählige Stunden im Beichtstuhl und beim Gebet und fastete sehr streng. Die Bewohner von Ars waren darüber empört. Im Kampf gegen die Sünden kannte Vianney jedoch keine Kompromisse. Die Menschen kritisierten ihn und machten ihm Vorwürfe. Der Pfarrer von Ars blieb jedoch standhaft. Er machte keine Kompromisse, um die Gunst der Menschen zu gewinnen. Schließlich gewann er die Menschen durch seine Treue zu Gott und zerbrach damit die Macht des Bösen, die in Ars herrschte. Das geschah jedoch nicht innerhalb eines Jahres, sondern erst nach vielen Jahren. Wenn die Menschen gegen etwas protestierten, etwas Unrechtes von ihm verlangten oder ihm gegenüber waren, hatte Johannes Maria Vianney nur ein Argument. Dieses Argument war sein unbescholtenes und asketisches Leben, ein Leben, das für Christus entflammt war.
Wir sollten uns nicht davor fürchten, die Gunst der Menschen zu verlieren, nur weil wir unserem Gott treu sind. Umgekehrt können wir keinen Frieden mit den Menschen zum Preis der Untreue gegenüber Gott haben. Hier muss uns ganz klar sein, was unsere Priorität ist. Manchmal muss der Mensch dafür einen hohen Preis zahlen. Aber es lohnt sich, dafür den inneren Frieden zu gewinnen. Das sage ich Ihnen aus eigener Erfahrung.