Liebe Eltern, liebe Paten!
Bevor wir dieses Kind jetzt taufen, wollen wir uns auf das besinnen, was bei einer Taufe geschieht. Der Glaube sagt uns, dass dabei wirklich etwas zwischen Gott und diesem Menschenkind geschieht. Gott legt seine Hand auf dieses Kind und spricht: „Ich rufe dich bei deinem Namen. Du bist mein. Jes 43,1. Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt. Jer 31,3
Das ist alles andere als selbstverständlich. Dass Gott sich für dieses kleine Wesen interessiert, sich ihm zuwendet, es ganz persönlich anblickt und als sein Eigentum erwählt, können wir nicht von uns aus wissen. Das steht nicht in den Sternen geschrieben. Wir können das nur wissen, wenn Gott es uns selbst sagt, wenn wir seiner Offenbarung in Jesus Christus Glauben schenken.
Der Mensch, so sagt man, wird ins Dasein geworfen. Für jeden gab es eine Zeit, in der es ihn nicht gab, und es wird den Augenblick geben, in dem der Tod ihn verschlingt. Dieser Gedanke erzeugt Angst und ein Gefühl der Verlorenheit. Von sich aus kann der Mensch diese Angst wohl übertönen, wie ein Kind, das im dunklen Wald laut singt, um sich Mut zu machen.
Gott hat dieses Kind auserwählt und zu sich geholt. Er spricht zu ihm. Kann denn eine Frau ihr Kind vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. Sieh her. Ich habe dir in die Hand geschrieben. Jes 49,15
Das kann sich jeder sagen, der getauft ist und an Gott glaubt. „Ich werde nie mehr ganz allein sein.” Das heißt nicht, dass es mir immer gutgehen wird oder ich dauerhaft glücklich sein werde. Aber Gott verspricht uns, im Glück wie im Unglück immer bei uns zu sein. Darum brauchen wir nie zu verzweifeln.
Aber, so könnte man fragen, und so denken heute viele: Sollte man nicht warten, bis das Kind selbst denken und wählen kann und sich frei für oder gegen den Glauben entscheiden kann? Wird ein Kind nicht manipuliert, wenn man es tauft, ohne sein Einverständnis einzuholen?
Ein kleines Kind lebt von den Vorgaben seiner Eltern. Die Eltern schenken ihm ihre Liebe und alles Gute, noch bevor das Kind imstande ist, diese Liebe frei anzunehmen und zu erwidern. Nur so wächst in einem Kind das Grundvertrauen ins Dasein. Gott verhält sich uns gegenüber genauso. Er schenkt uns mit der Taufe die Vorgabe seiner Liebe, damit wir in einem Raum des Vertrauens aufwachsen können. Die Gabe Gottes ist jedoch ein Angebot an unsere Freiheit. Eines Tages muss der Herangewachsene sich entscheiden, ob er diese Gabe, dieses Angebot der Liebe Gottes, annehmen will oder nicht, ob er sein Leben mit Christus leben will oder nicht. Die Taufe ist in diesem Sinne nur ein Samenkorn, das in der Kindheit wachsen und erstarken soll. Leben wir unseren Glauben so, dass dieses Kind einmal an uns erfahren kann, was es heißt, Christ zu sein.