24. Sonntag C im Jahr Lk 15,1-10

 Im Himmel wird Freude sein
Einführung
Es gibt viele Vorstellungen davon, wie Gott ist. Wie ist Gott eigentlich? Einige stellen sich Gottes Anwesenheit als eine Macht vor, die über uns wacht und uns behütet. Wir dürfen gegen nichts verstoßen, sonst könnte Gott uns bestrafen. In Wirklichkeit ist Gott jedoch nicht der Wächter, der uns für alles bestrafen will, sondern unser Vater, der uns gegenüber nachsichtig und besonders barmherzig ist.

Predigt

Der heilige Paulus verbrachte einen Teil seines Lebens im Eifer für Gottes Sache, jedoch in innerer Feindschaft gegenüber Jesus Christus. Paulus erhielt jedoch die Gnade, von Christus angesprochen und verwandelt zu werden. Obwohl Paulus die Kirche verfolgt hatte, strafte Christus ihn nicht, sondern ließ ihm seine verzeihende, barmherzige Liebe spüren.
Im heutigen Evangelium vergleicht Jesus sich mit einem guten Hirt, der ein verlorenes Schaf sucht, oder mit einer Frau, die sich über die wiedergefundene Drachme freut. Wenn wir das Evangelium weiterlesen, erfahren wir vom verlorenen Sohn. All diese drei Ereignisse sind nacheinanderfolgende Erzählungen von Jesus. Jesus hat die Absicht, uns damit zu sagen, dass Gott den Menschen sucht, selbst dann, wenn der Mensch sich von ihm abwendet. Gott sehnt sich danach, dass der Mensch in seinen Armen Ruhe und Geborgenheit findet.

Der heilige Paulus drückt es folgendermaßen aus:  „Jesus ist gekommen, um die Sünder zu retten, und ich will zu den Ersten gehören.  Er wird sich dessen bewusst, wie erbärmlich er war. Aber auch diese Erfahrung ist ein Geschenk von Jesus. Jesus Christus zeigt ihm, wie unendliche Geduld er mit ihm hat. Er will aber auch, dass andere Menschen seine Liebe und Nachsicht erkennen und erfahren.

Betrachten wir nun die Geschichte von der Frau, die die verlorene Drachme suchte! Sie suchte lediglich einen leblosen Gegenstand, der für sie jedoch von großem Wert war. Sie zündete eine Lampe an, fegte das ganze Haus und war sehr glücklich, als sie die Drachme fand. Diese Art der Suche ist uns bekannt, sie kann aber auch ein Zeichen dafür sein, dass uns etwas anderes wichtiger ist als die Suche nach Gott. Oft können die Menschen nichts dafür, weil sie zu wenig von Gott gehört haben. Sie haben Jesus in ihrer Familie und ihrem Umfeld nicht kennengelernt. Sie wissen nichts oder zu wenig von der barmherzigen Liebe Gottes. Wenn wir in unserer Umgebung solche Menschen haben, ist es unsere Aufgabe, zuerst eine Lampe anzuzünden, wie die Frau im Evangelium. Wenn sie das Licht in sich aufnehmen, entdecken sie die Ursache ihres Unglaubens. Sie müssen die Ursache dafür finden, warum sie nie die Liebe Gottes kennengelernt haben.

Im zweiten Fall spricht Jesus vom verlorenen Schaf. Hier haben wir es mit einem lebenden Wesen zu tun, das allerdings keinen Verstand hat. Übertragen auf Menschen könnte das bedeuten, dass sie zwar Christus kennengelernt haben, aber immer nachlässiger im Glauben wurden, bis sie ihn fast ganz vergessen haben. Auch hier muss man sich fragen: Was ist die Ursache? Kann ein Schaf etwas dafür, dass es sich verirrt hat, oder ist das ein Fehler des Hirten? Auf uns Menschen bezogen kann dieser Hirt der Priester sein, der den Glauben nicht konsequent genug verkündet hat, oder es können die Eltern sein, die sich nicht um die Glaubensweitergabe gekümmert haben. Wenn wir diese Menschen also wieder zu einem lebendigen Glauben führen wollen, muss der Hirt zum Schaf gehen. Das Schaf muss erkennen, dass sein Platz im Volk Gottes ist. Treffen sich diese beiden Interessen, ist das die beste Voraussetzung für die Wiederbelebung des Glaubens – aber der Hirt wird das Schaf auch nie gewaltsam zurückbringen.

Dann gibt uns Jesus noch das Beispiel des verlorenen Sohnes. Der Sohn ist ein lebendiger Mensch. Wir können voraussetzen, dass er Kenntnis vom Leben hatte. Trotzdem entfernte er sich. In diesem Fall suchte der Vater seinen Sohn nicht und sandte auch keine Diener aus, um ihn zu suchen. Der Vater wartete, weil er darauf vertraute, dass sein Sohn eines Tages zurückkehren würde. Er musste lange warten und betete, dass sein Sohn das Licht der Erkenntnis erhalte und die Kraft, zu ihm zurückzukommen.

In unserem Umfeld haben wir täglich mit Menschen zu tun, die sich von Gott entfernt haben. Unser vorrangiges Anliegen sollte es sein, sie zu Gott zurückzuführen. Die Art und Weise, wie uns das gelingen kann, wird nicht immer gleich sein. Wir müssen selbst herausfinden, welcher Weg uns zum Erfolg führt. Die Botschaft, die Jesus uns heute gibt, ist also: „Ich suche die, die verloren gingen. Ihr sollt das nachahmen! Sucht diejenigen, die sich von Gott entfernt haben! Entente