Die Sehnsucht nach Jesus Christus

Wir leben im Advent und wir hören die Worte des heiligen Paulus: „Brüder, die Stunde ist schon da, wo wir vom Schlafe erwachen sollen, denn jetzt ist unser Heil näher als da wir gläubig wurden.“ Röm 13,11. Ja, unser Heil, unsere Rettung ist nahe. Vier Wochen vor diesem Fest sendet die Kirche uns vor, um uns die viertausend Jahre darzustellen, während derer die Welt auf den Erlöser wartete. Wahrlich, eine heilige Zeit ist jetzt angebrochen, eine Zeit, die uns kräftiger ermahnt, in uns selbst einzukehren und dem Weltheilande eine würdige Aufnahme zu bereiten. Wenn wir schon der Ankunft irgend eines geliebten Freundes mit Sehnsucht entgegensehen, und wenn wir alle Mittel verwenden, um demselben seinen Aufenthalt  angenehm zu machen. Um wie viel mehr sollen wir uns jetzt nach der Ankunft Jesu sehnen? Wer kennt  nicht die Größe der Sehnsucht der heiligen Väter? Unter verschiedenen Bildern und Namen erflehen sie, dass er endlich im Fleisch erscheine und unsere Weisheit werde, um uns zu Gott  zu führen. Daher ruft der Prophet Jesaja aus. O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen“ 62,6, als wollte er sagen. Der Heiland der Welt möge endlich einmal aus dem Schoße des Vaters und der Jungfrau wie ein Glanz erscheinen, um alle Finsternis, die auf allen Menschen ruht, zu verscheuchen. Und gleich als hätten Himmel  und Wolken und Erde den Ersehnten verborgen, beschwört er diese nicht länger denselben zurückzuhalten, sondern ihn zu senden. Daher sein inniges Flehen. Taut, ihr Himmel von oben, mögen die Wolken über die Gerechten regnen. Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit  wache mit auf! Ich, der Herr, habe es geschaffen“ 45,8 Ach, dass du den Himmel zerrissest und führst herab, dass die Berge vor dir zerflößen, wie  Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser  sieden macht, dass dein Name kund würde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten. Jesaja 64,1: Alle Geschöpfe sollen also beitragen; die Sehnsucht des Propheten nach den Geschöpfen soll ebenfalls dazu beitragen.

Der Prophet David scheint den Herrn aus dem Schlafe zu wecken, wenn er ausruft. Du willst dich aufmachen und über Zion erbarmen, denn es ist Zeit , dass du ihm gnädig seist und die Stunde ist gekommen. Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der Herr sieht vom Himmel auf die Erde, dass er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes“  Psalm 102, 14,20,21. Wohin der Prophet sein Auge wandte, sah er überall das Elend, welches die Sünde unter den Menschen angestiftet. Wie groß war dieses Elend,selbst bei dem auserwählten Volke? Darum spricht sich die gerechte Sehnsucht in den  Worten Habakuks: „Warum lässt du mich Bosheit sehen und siehst du dem Jammer zu?“ Raub und Frevel sind vor mir; es geht Gewalt vor Recht. Habakuk 1,3: Überall herrschten Ungerechtigkeit, Gottesvergessenheit, Bosheit und alle Laster hatten unter den Heiden ihren Höhepunkt erreicht. Davon schreibt auch der heilige Paulus in seinem Brief an die Römer. Daher erschall auch über den ganzen Erdkreis hin ein Ruf  der Sehnsucht, ein Flehen nach der Ankunft des Erlösers, der allein den Menschen auf den Weg der Wahrheit und des Heiles zurückführen  konnte. Die ganze Natur seufzte nach Erlösung. Wenn aber die Sehnsucht nach dem Erlöser vor seiner Ankunft so groß, so gerecht, so allgemein gewesen ist, soll jetzt, nachdem er auf Erden erschienen ist, unsere Sehnsucht kleiner sein? Im Gegenteil. Noch größere.