Maria Unbefleckte Empfängnis 2016
Die Eltern sind stolz, wenn der Lehrer zu ihnen sagt: „Ihr Sohn ist fleißig.” Oder wenn die Lehrerin sagt: „Ihre Tochter ist nicht nur schön, sondern auch gut und gehorsam.” In diesem Zusammenhang können wir den Stolz des himmlischen Vaters auf das Werk begreifen, das er an Maria vollbrachte. Gott könnte sagen: „Ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, einen so schönen und edlen Menschen wie Maria zu erschaffen.“
Predigt
Gott kann im Menschen nur etwas schaffen, wenn dieser mit ihm zusammenarbeitet. Maria wurde sich dessen bewusst. Sie wusste, dass Gott ihr seine Gnade schenkt. Im Evangelium nach Lukas ist beschrieben, wie Gott Maria mit seiner Liebe überschüttet hat und wie Maria ihm voller Aufrichtigkeit geantwortet hat.
Wenn der Mensch nicht zulässt, dass Gott in ihm wirkt, braucht er sich nicht zu wundern, dass er zum Sünder wird. Die ganze Welt ist von Ungerechtigkeit und Bosheit befleckt. Auch Maria und Jesus spürten diese Bosheit. Viele Menschen hielten Maria für die Mutter eines Verbrechers und Jesus für einen Schuft. Aber die Bosheit der Menschen drang nicht in das Leben von Maria und Jesus ein. Sie waren vom Geist Gottes durchdrungen.
Obwohl wir manchmal sehr egoistisch sind und nicht mit Gottes Gnade zusammenarbeiten wollen, nimmt er unsere Schuld auf sich. Er bietet uns immer wieder seine Zusammenarbeit an, um uns von aller Bosheit zu befreien. Nur mit Gottes Gnade können wir ein glückliches Leben aufbauen.
Der französische Schriftsteller Guy de Maupassant (1850–1893) erzählte folgende Geschichte:
„Einmal reiste ich in die französischen Alpen, um dort Urlaub zu machen. In einem Restaurant bemerkte ich eine ältere Frau, die etwa 70 Jahre alt war. Als ich nachmittags spazieren ging, sah ich diese Frau wieder. Sie schaute traurig ins Tal. Was ist mit dieser Frau geschehen, dass sie so traurig ist? Am nächsten Tag habe ich sie nicht gesehen. Einige Tage später traf ich sie bei einer Burgruine. Sie weinte. Ich fragte sie: „Haben Sie etwas Tragisches erlebt?” Sie atmete auf und begann zu erzählen. Ihr Leben war dem vieler Frauen ähnlich. Sie heiratete und freute sich auf ein Kind. Sie brachte einen Sohn zur Welt und liebte ihn sehr. Als ihr Sohn acht Jahre alt war, schickten sie ihn in ein Internat. Einmal pro Woche kam er nach Hause. Sie sah, wie er wuchs, in die Pubertät kam und schließlich erwachsen wurde. Plötzlich benahm er sich ihr gegenüber irgendwie fremdartig, was sie sehr traurig machte. Ihr Mann starb einige Zeit darauf und ihr Sohn begann, Rechtswissenschaft zu studieren. Er verhielt sich ihr gegenüber ziemlich lieblos, eben nur, weil es seine Pflicht war. Er hatte ihr nie gesagt, dass er sie liebte, und sie hatte ihn auch nie umarmt. Später heiratete er eine Engländerin. Sie dachte, dass sie vielleicht später gebraucht würde, um auf die Kinder aufzupassen. Doch die Schwiegertochter war auf sie eifersüchtig. Dann zog ihr Sohn mit seiner Braut zu seinen Eltern nach England. Ihr Sohn sandte ihr einmal im Monat einen Brief. Aber sie spürte, dass das alles nur rein formal sei. Sie sei also in dieser Welt allein und niemand brauche sie. Guy de Maupassant beendete diese Geschichte mit den Worten: „Die Sorgen dieser Frau stimmten auch mich sehr traurig.” Der Sohn ließ seiner Mutter also spüren, dass er sie nicht braucht.
Hoffentlich lassen wir Gott nicht spüren, dass wir ihn nicht brauchen und ohne seine Hilfe auskommen. Hoffentlich sagen wir nicht zu Gott: „Ich komme einmal im Monat in die Kirche, das muss doch wohl genug sein!”
Die Feier des Hochfestes der Unbefleckten Empfängnis Mariens lädt uns erneut ein, Gott zu sagen: „Lieber Gott, ich brauche dich.“ Ich will mit dir zusammenarbeiten.” Dank dieser Zusammenarbeit wird sich unser Leben ändern, und Gott wird unsere Schuld annehmen und uns barmherzig begegnen.
Maria, bitte für uns, damit wir stolz sein können auf das Werk der Liebe Gottes, das er an uns vollbringt.