4. Adventsonntag A Mt 1, 18-24

Einführung

Im heutigen Evangelium werden wir hören, wie Josef reagierte, als er erfuhr, dass seine Braut Maria ein Kind erwartete. Sicher ist, dass Josef dieses Problem mit Gottes Hilfe löste. Die Frage an uns lautet: Lösen auch wir unsere Probleme mit Gottes Hilfe?

Predigt

Die amerikanische Firma IBM bestellte Computerkomponenten in Japan. Im Bestellschein war eine Klausel enthalten, die besagte, dass drei fehlerhafte Komponenten von zehntausend toleriert werden. Die Antwort aus Japan lautete: „Wir Japaner verstehen Ihre geschäftlichen Praktiken nicht.” Gemäß Vertrag haben wir zehntausend Komponenten erzeugt und drei fehlerhafte Komponenten beigelegt. Wir hoffen, dass Sie zufrieden sein werden.” Wer würde sich nicht wünschen, mit einer verlässlichen Firma zusammenzuarbeiten? Jede Firma überlegt, mit wem sie zusammenarbeiten möchte. Ähnlich wie im wirtschaftlichen Bereich ist es auch im Leben jedes Menschen. Jeder Mensch ist gewissermaßen eine „Firma“. Es ist entscheidend, mit wem er zusammenarbeitet.  Wenn jemand eine Ehe mit jemandem eingeht, mit dem er sich versteht, könnte man von einer „Familienfirma“ sprechen. Wenn jemand mit einem Alkoholiker oder Spieler zusammenarbeitet, ist die Pleite vorprogrammiert.

Vor zweitausend Jahren betrieb Josef in Nazareth eine Tischlerei. Er hatte Lieferanten und Abnehmer, das heißt, er arbeitete mit Menschen zusammen. Außerdem arbeitete Josef mit der Wirklichkeit Gottes zusammen.

Das Matthäusevangelium erzählt die Geschichte von der Geburt Jesu aus der Sicht des Josef. Josef war mit Maria verlobt und stellte sich eine Ehe mit ihr so vor, wie er sie sich wünschte. Als er feststellte, dass seine Braut schwanger war, war er sehr enttäuscht und glaubte, sie sei ihm untreu geworden. Für ihn gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder er ließ Maria öffentlich durch einen Gerichtsprozess entlassen, was eine Steinigung bedeutet hätte, oder er entließ sie privat durch das Schreiben eines Trennungsbriefes. Josef entschied sich für die private Entlassung, um Maria nicht vor der Öffentlichkeit bloßzustellen. In diese komplizierte Situation hinein hatte Josef einen Traum, in dem er folgende Worte hörte: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn den Sohn, den sie gebären wird, hat der Heilige Geist gezeugt.” Josef stellte sich die Frage: „Soll ich diesen Worten glauben?” Soll ich auf Gott vertrauen und mit ihm zusammenarbeiten?

Heute wissen wir, warum Josef als groß und gerecht bezeichnet wird. Er stellte sich in den Dienst Gottes. Er erfuhr, dass der Wille Gottes ganz anders sein kann als der des Menschen.  Josef nutzte also weder die erste noch die zweite Möglichkeit, sondern eine dritte: die Zusammenarbeit mit der Weisheit Gottes.

Josefs Geschichte enthält eine Botschaft, die auch an uns – an jeden einzelnen von uns – adressiert sein kann. Die Worte des Evangeliums „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen“ könnten uns ebenfalls gelten. Man könnte sie so übersetzen: „Fürchte dich nicht, mit Gott in deinem Leben zusammenzuarbeiten, denn diese Zusammenarbeit bringt deiner Seele Freude und Ruhe.”

Die Weihnachtszeit naht – es ist eine Zeit der Einladung für uns alle: Fürchte dich nicht, Zeit für das Gebet, die Heilige Messe und die Besinnung zu opfern. Gott bietet uns eine Zusammenarbeit an, dank der wir die Firma unseres Lebens aufbauen können – und das nicht nur für jetzt, sondern für die Ewigkeit. Gerade in dieser sehr bewegten Zeit haben wir diese Zusammenarbeit nötiger denn je.

Ein Beispiel dafür ist die Slowakei. Seit 1994 ist dort BMG Invest tätig. Dieser Fonds versprach den Menschen große Gewinne und übermäßige Profite. Dafür wurde viel Reklame gemacht. Immer hieß es: „Uns können Sie glauben!” In unserem Fonds arbeiten Hunderte Fachleute. Unser Versprechen wird sich erfüllen.“ Doch wie sah die Wirklichkeit aus? Die Menschen wurden bewusst belogen und Hunderttausende verloren ihre Ersparnisse. Wir müssen also gut überlegen, mit wem wir zusammenarbeiten. Der Fall BMG-Invest ist jedoch nicht der einzige – ähnliche Beispiele gibt es auch in anderen Bereichen.

Gottes Angebot der Zusammenarbeit ist jedoch keine Lüge, sondern reicht bis in die Ewigkeit hinein. Wir brauchen also keine Angst vor dem Plan Gottes zu haben, den er mit uns hat. Wir sollten ihn annehmen und mit ihm zusammenarbeiten!