3.Sonntag A der Osterzeit Lk 34, 13-35

  Sie erkannten ihn beim Brotbrechen.

Einführung

Eltern ermahnen ihre Kinder oft: Höre zuerst zu, dann rede! Zwischen Sprechen und Zuhören gibt es einen wichtigen Unterschied. Beim Sprechen versuchen wir, auf andere einzuwirken und sie zu überzeugen. Beim Zuhören öffnen wir uns dafür, dass andere auf uns einwirken. Auch in der Religion ist das wichtig, denn echter Glaube entsteht daraus, dass wir auf Gottes Wort und auf seine Stimme hören.

Predigt

Über die Jünger von Emmaus wird berichtet, dass sie enttäuscht und ratlos waren. Sie hatten gesehen, dass Jesus getötet und begraben worden war. Damit zerbrachen all ihre Hoffnungen und Ideale.

Auf dem Weg begegnete ihnen ein unbekannter Mann – ohne zu wissen, dass es Jesus war. Sie sprachen mit ihm über das Geschehen, und er hörte ihnen aufmerksam zu. Dann sagte er ihnen mit leichtem Vorwurf: „Begreift ihr das denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben! Musste der Messias nicht all dies erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24,25–26)

Das Hören war damit verbunden, dass sie plötzlich merkten, wie ihr Herz zu brennen begann. Hier zeigt sich, welche Wirkung der Glaube im Leben eines Menschen haben kann. Der Beginn ihrer Wanderung war von Schwierigkeiten geprägt, doch das Hören auf Christus veränderte sie. Anders gesagt: Sie erhielten einen neuen Blick auf die Dinge.

Der evangelische Theologe Karl Barth (1886–1968) sagte: „Der Richter des Verstandes ist eine Erscheinung.“ Wer an Philosophie oder an menschliche Religionen glaubt, redet; wer an Jesus Christus glaubt, hört.

Es tut uns gut, wenn unser Herz brennt – vielleicht vor Sehnsucht nach Freundschaft, Partnerschaft, einer guten Ehe, guter Arbeit oder braven Kindern. Es ist gut, wenn das Herz vor Begeisterung brennt. Jesus greift diese Sehnsüchte auf und erfüllt sie noch tiefer.

Wenn jemand alt und krank ist, sehnt er sich vielleicht nach dem Tod. Doch Jesus kam, um uns das ewige Leben anzubieten.

Der Prophet Jesaja schrieb: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“, spricht der Herr. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über euren Wegen und meine Gedanken über euren Gedanken. Jes 55,8-9.

Wir müssen keine Angst davor haben, vieles Göttliches nicht zu verstehen. Der Unterschied zwischen Gottes Denken und unserem Denken ist viel zu groß. Dennoch können wir Gott vertrauen.

Die beste Form der Kommunikation mit Gott ist das Hören. Im Hören bringen wir unseren Glauben zum Ausdruck.

Es ist essenziell, eine positive Haltung gegenüber schwierigen oder unangenehmen Dingen zu entwickeln. Was sollen wir in einem solchen Fall tun? Wir müssen unsere Einstellung dazu ändern.

Ein einfaches Beispiel: Als ich Soldat war, musste ich die Kartoffeln schälen. Ein Mensch kann zu dieser Tätigkeit zwei Einstellungen haben. Das ist aber eine langweilige Arbeit – oder der Mensch kann sich freuen, den anderen dienen zu können.  Die Arbeit ist immer dieselbe, aber die Einstellung zu ihr kann unterschiedlich sein.

Frau Peterson schälte Kartoffeln, während ihr vierjähriger Sohn Stefan in ihrer Nähe spielte. Nach einer Weile zog Stefan an ihrem Rock, doch sie war so sehr mit den Kartoffeln beschäftigt, dass sie es nicht bemerkte. Fünf Minuten später zog der Junge erneut an ihrem Rock. Sie sagte nur kurz: „Ja“, ohne wirklich aufzusehen. Da fragte Stefan: „Mama, kannst du mich mit den Augen hören?“

Auch Gott fragt uns so etwas: „Mein Kind, ich bitte dich, höre mich mit den Augen. Das bedeutet: Nimm andere Menschen wahr, sei gut zu ihnen und hilf ihnen. Sei wie Christus, der die Not der Menschen gesehen hat, sie geheilt und ihnen Hoffnung gegeben hat. Die Jünger von Emmaus sind ein Beispiel dafür: Jesus sah sie auf ihrem schweren Weg und begegnete ihnen mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl.

Wenn wir heute wie die Jünger von Emmaus gehen, rufen wir im Geist: Herr, bleibe bei uns, damit wir aufhören, begriffsstutzig, traurig oder zerknirscht zu sein! Öffne uns einen neuen Weg! Hilf uns, Dich beim Brotbrechen zu erkennen!