Das christliche Leben aus der Sicht von Martin Luther

Im klassischen Christentum war von Anfang an seine Essenz die Nachfolge Christi. Die Apostel lehrten von Christus, so wie er ist. Sie bemühten  sich, in allem ihm ähnlich zu sein, vor allem in der Liebe. Der heilige Paulus schreibt: „Denn die da  fleischlich sind, die sind  fleischlich gesinnt, die aber geistlich sind, die  sind  geistlich  gesinnt. Aber fleischlich  gesinnt sein ist der  Tod, und geistlich  gesinnt sein ist Leben und Friede. Denn fleischlich gesinnt zu sein  ist Feindschaft wider Gott, weil das Fleisch  dem Gesetze  Gottes nicht untertan ist, denn es  vermag es auch nicht. Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid  nicht  fleischlich, sondern  geistlich, wenn anders Gottes Geist  in euch wohnt. Wer aber  Christi  Geist nicht hat, der ist nicht sein. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird  derselbe, der Jesus Christus von den Toten auferweckt  hat, auch  eure sterblichen Leiber  lebendig machen durch seinen Geist , der  in euch wohnt. Denn  wenn ihr  nach dem Fleisch lebt, so werdet  ihr  sterben müssen, wenn ihr  aber  durch  den Geist des Fleisches  Geschäfte tut, so werdet  ihr leben. Denn welche der Geist Gottes  treibt, die  sind Gottes Kinder. Röm 8, 5-14 Der Weg der inneren Umwandlung  des Menschen ist das Wesen des  Weges, der zum Leben führt. Aber das Prinzip „sola fide“ – nur der Glaube – hat dieses Konzept zusammenbrechen lassen .  Das Heil erfordert nicht  mehr die Bekehrung  des Menschen, erfordert nicht von Menschen Selbstentäußerung. Es erfordert nicht, dass ein „alter Mensch“ stirbt. Es ist genug, wenn der Mensch glaubt, und Jesus vergibt ihm alles. Mehr ist nicht notwendig. Wenn wir ironisch sein wollten, würden wir sagen, dass Luther versuchte, einen Weg zu finden, um den breiten Weg  in den Himmel  zu gelangen. Aber der breite Weg führt  nach Jesus in die Hölle. Bleiben wir noch bei Luther.  Wenn das Wesen des christlichen Lebens nicht die Umwandlung des Menschen ist, dann was? Wenn zum Heil genug Glauben  bekennen ist, wozu machen wir noch etwas anderes? Es ist bekannt, dass es in den protestantischen Kirchen kaum Mystiker gibt und dass es dort keine Konzepte des geistlichen Lebens gibt. Sogar der Sinn für den Wert des Leidens verlor sich, schreibt Paulus. Wenn wir mit ihm leiden, werden wir mit ihm zur Herrlichkeit  erhoben werden. Röm 8,17. Wenn zum Heil die Vollkommenheit nicht notwendig ist, wenn es genügt, nur zu glauben, wozu dann leiden? Jesus hat schon für uns gelitten. Viele Protestanten sind überzeugt, dass wir, wenn wir an Christus glauben, nur ein schönes Leben führen werden, in Freude, Überfluss und Glück. Und wenn es nicht so ist, lösen sie befangen für sie unlösbare Probleme. Ihre Wortgottesdienste betonen, dass Gott uns unsere Sünden bereits vergeben hat und dass wir die Sicherheit des Heiles haben. Sie sagen: „Glaube äußert sich durch Gehorsam gegen Gott.“ Der Mensch soll das annehmen, was Gott auf ihn geschehen ließ. Nicht revoltieren gegen Gott. In dieser Auffassung bedeutet  Glaube, sich Gott zu unterstellen. wie ein Diener, ein Dienstbote. Ich denke, so begriff das Christentum  auch Friedrich Nietzsche. Für  ihn war das Christentum kein faszinierendes Wachstum, sondern die Wandlung des Menschen. Für ihn war das Christentum eine Sklaverei. Auf einer Seite Gott – der Chef, der gebietet –, auf der anderen Seite der Mensch, der in allem gehorchen muss. Wenn der Mensch den Unglauben äußert, verurteilt Gott ihn zur ewigen Marter in der Hölle. Als Gott sagen hätte. Hier sind Gebote, Vorschriften. Wenn du an mir glaubst, dann halte diese Gebote ein. Nietzsche lehnte sich auf. Das Problem ist, dass das, gegen das er sich empörte, kein  Christentum ist.