Wie muss unser Glaube sein?

Unser Glaube muss 1. allgemein, 2. fest, 3. standhaft und 4. lebendig  sein.

Ein Glaube, der diese vier  Eigenschaften nicht hat,  kann Dich  so wenig in den Himmel bringen, wie ein ganz  stumpfes  Messer Dir zum Schneiden  nicht hilft, ein lahmes  Pferd Dich nicht ziehen kann.

Wann ist unser Glaube allgemein?

Unser Glaube  ist allgemein, wenn wir  nicht bloß einiges, sondern  alles glauben, was uns  die katholische Kirche  zu glauben  vorstellt. Wenn einige  Kinder Bilder  bekommen und sich freuen,andere gestraft  werden und traurig sind, kann man  dann sagen, es sei allgemeine  Freude unter den Kindern? Nein. Die  Freude  ist nur dann  allgemein, wenn  sich alle Kinder  miteinander freuen. Ist unser Glaube  allgemein , wenn wir  bloß einiges glauben, das uns  die katholische Kirche  zu glauben vorstellt?  Nein, nur dann  alle   Wahrheiten   glauben, die  die Kirche  uns lehrt. Wenn wir an etwas, was die Kirche lehrt, nicht glauben, kann und soll solcher Glaube helfen? Nein. Warum? Denke, ein Mann zeigt  dir  den Weg  nach N. Er sagt dir. Du musst  da rechts  gehen,  dann  geradeaus.  Wenn  du ihm  nun in allen  Stücken glaubst und  folgst, aber  in  einem  nicht, z. B.  Gehst Du einmal links statt  rechts, wirst  Du  nach  N. kommen?  So  ähnlich: Wenn  50 Musikanten  miteinander  spielen und alle  recht blasen, bis auf einen, der falsch bläst, so macht dieser  die ganze Musik  unrichtig und verdirbt sie.

Wann  ist unser  Glaubensfest?

Unser  Glaube ist fest, wenn wir  glauben, ohne  im Mindesten zu zweifeln. Wann steht  ein Tisch  fest?  Wenn er  nicht hin und  her wackelt, sondern  unbeweglich steht.  So ist unser Glaube  fest, wenn  wir  nicht  gleichsam hin und  her  schwanken  und denken, es  könnte so oder  es  könnte  auch  anders  sein. Abraham hat fest geglaubt. Gott hat ihm gesagt,er werde  einen Sohn  bekommen und von ihm  solle ein Volk abstammen,zahllos   wie die Sterne des Himmels, und  unter seinen Nachkommen solle  der Erlöser  sein. Als Gott dies Abraham  sagte,  waren dieser  und seine Frau  so alt, dass  man  geglaubt hätte, es sei unmöglich. Aber Abraham  dachte nicht.  Das kann  ja  nicht sein. Er dachte: Gott  hat es gesagt, also ist  es  gewiss  wahr. Und  später, als Gott  ihm  befahl , seinen Sohn zu opfern, da  hat Abraham   wieder nicht  gezweifelt, nicht  gedacht. So wird   aus dem,was Gott  versprochen hat, nichts werden.  Warum muss unser Glaube  fest sein? Wenn  dir dein Katechet  etwas   sagt und du daran  zweifelst, so beleidigst   du  ihn,  weil  du  ihm  gleichsam sagst: Was er sagt,  ist vielleicht   doch nicht  wahr; vielleicht  lügen Sie mich an. Wenn Gott  etwas sagt, ist das ganz gewiss wahr; darum  müssen  wir  das  viel fester  für  wahr halten als das, was wir sehen.

Wann  ist unser Glaube standhaft?

Unser Glaube  ist standhaft, wenn wir  bereit  sind , eher alles selbst – das Leben – hinzugeben, als vom Glauben  abzufallen. Standhaft von stehen ist, wer feststeht und sich  nicht  wegbringen  lässt. So  ist  unser  Glaube standhaft, wenn wir  fest  beim  Glauben  stehen  bleiben und uns  durch  nichts – sei  es  Schmeichelei,  Drohungen, zeitliche  Schäden, Qualen oder Tod – davon  abbringen  lassen. So  standhaft war der Glaube der  hl. Märtyrer. Sie haben  alles  hingegben:  Ehre, Reichtum, Vergnügen. Sie  waren  oft sehr  reich , haben  alles, was sie nur  wollten,   und  weil  sie ihren  Glauben  nicht  aufgeben   wollten, haben  sie alles davon verloren.

Wann ist unser  Glaube lebendig?

Unser  Glaube ist lebendig, wenn wir  nach demselben leben, d.h. das Böse  meiden und das  Gute  tun,wie  der Glaube  es  vorschreibt. Wann  ist  ein Mensch  lebendig?  Wenn er  atmet, sich bewegt, sieht, spricht, arbeitet;  wenn er  dies  nicht  mehr  tut, wenn er  regungslos  daliegt, so wenig  atmet, sieht,  spricht, so ist er nicht lebendig. So  ist  nun  auch der  Glaube  lebendig, wenn er etwas  tut,  macht, zuwege bringt im Menschen, wenn er ihn  dazu bringt, dass  er  nach  demselben lebt, d.h. wie  es  der  Glaube  vorschreibt . Wenn du  betest nicht  stiehlst, warum  tust du das?  Weil  Gott es  so befohlen  hat. Und wer sagt  dir das?  Der  Glaube. Weil  nun der  Glaube dies tut,so ist  er lebendig. Umgekehrt: Wenn  du  nicht betest, stiehlst du so;  dein  Glaube  ist tot; er  bringt  dich  zu nichts, wirkt in dir nichts.  Du  lebst gerade  so, als  ob  du  gar  nicht  daran   glaubst.  Darum ist  auch  dein Glaube  nicht  recht. Der rechte Glaube ist der lebendige Glaube. Der  Glaube   zeigt uns  den Weg   zum Himmel.  Wenn du  den  Weg nach N. gut kennst , machst du dich aber  nicht  auf den Weg? Kommst du dann  nach  N. ?  Wenn du den Weg zum Himmel kennst, aber dich nicht  auf diesen Weg machst, kannst du in den Himmel kommen? Ein toter Glaube hilft dir nicht.  Wie  ist es mit  deinem Glauben?   Ist er lebendig?