20. Sonntag C 2019
Einführung
Jesus, dieser Erbauer des Friedens, spricht im Evangelium von Feuer und Spaltung unter den Menschen. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung. Seine Worte, als ob sie das Gesamtbild seiner Persönlichkeit stören. War Jesus für Frieden oder Spaltung?
Predigt
Jesus war für den Frieden und für die Spaltung. Für das Feuer des Radikalismus, aber auch für das Feuer des Kompromisses. Nämlich, die Situationen, denen wir begegnen, sind mannigfaltig. Es gibt keine gleichen Antworten auf alle Probleme. Man muss einfach von der konkreten Situation ausgehen und reagieren, wie es die Umstände erfordern. Es gibt Situationen in unserem Leben, wenn es möglich ist, sich zu einigen und einen Kompromiss zu suchen, ohne dass wir irgendein wichtiges Prinzip verraten. Es gibt aber auch Situationen, in denen Schweigen ein Verrat an unseren Grundsätzen und an der Wahrheit, an die wir glauben, wäre. Die Geschichte der Menschen ist voller Märtyrer für die Wahrheit. Einige wurden post mortem unschuldig rehabilitiert und so Genugtuung verschafft. Aber es gibt diejenigen, die niemand bemerkt hat.
Der Theologe Liam Sword erwähnt aus seiner Seminarzeit eine solche Geschichte. Er sagt ,dass er von Zeit zu Zeit machte Spaziergang im örtlichen Friedhof machte, wo viele prominente Professoren und Mitglieder der theologischen Fakultät begraben wurden. Ihre Gräber sind pompös. Und auf ihren Grabsteinen steht viel Lob geschrieben. Aber ist dort ein Grab auf dem kein Lob ist. Nur der Name: Walter MacDonald. Wer war dieser Mensch? Warum hat er kein Zitat auf dem Grabstein, das etwas von seinem Leben verraten würde? Am unteren Rand des Grabsteines befindet sich ein unauffälliges, lateinisches Zitat. Obiit in festo Sancti Athanasii, was in der Übersetzung er starb am Fest des heiligen Athanasius. Wir wissen, dass Hl. Athanas war Bischof in Alexandria. Vielleicht ist er gerade der Schlüssel zum Leben des Professors. Viele Zeitgenossen hassten Athanasius, weil er auf ihre falschen Einstellungen und Fehler hingewiesen hat. Er war fünfmal in der Verbannung.
Walter MacDonald war solcher Athanasius in seiner Zeit und das war wahrscheinlich der Grund, warum er vergessen werden sollte. Mut ist eine Eigenschaft, die den Menschen unserer Zeit fehlt. Eigentlich hat sie immer gefehlt. Wie viel weniger Böses wäre getan worden , wenn mehr mutige Menschen gefunden worden wären. Zum Beispiel, wenn Leute in Nazideutschland, die in die Dinge sahen, mehr darüber geredet hätten. Gleiches gilt für andere Regime. Zum Beispiel: Apartheid in Südafrika,im kommunistischen Russland während Stalins oder in Kina während Mao-Tsetungs. Es ist wahr, dass nicht alle Menschen in diesen Regimen still waren. Wir haben hier das Beispiel von Kardinal Galen oder von Dietrich Bonhoeffer, von den niederländischen Bischöfen, von Andrej Sacharow, Nelson Mandela, oder von Bischof Desmond Tutu und von anderen. Aber das ist nur ein paar Namen. Wie viel mehr waren die, die das Böse sahen und schwiegen. Lassen wir uns ein wenig in die Gegenwart versetzen.
Ein junger , eifriger Kaplan predigte gegen das Laster der Pferdewetten. Aber vielen gefiel seine Predigt nicht, weil sie von Wette leben. Am darauffolgenden Sonntag predigte er über die Schädlichkeit des Rauchs. Aber auch diese Predigt traf nicht mit Verständnis. In der Kirche gab es mehrere Raucher und Tabakproduzenten. Und am dritten Sonntag predigte er gegen Alkoholismus. Aber auch mit dieser Predigt hatte er keinen Erfolg. Wie er erfuhr, befindet sich die beste Brennerei in ganzen Umgebung. Und viele Pfarrangehörige arbeiteten in Brennerei. Und dann unglücklich fragte er. Wovon soll ich predigen? Zum Beispiel über die Kommunisten in China. Jesus wies immer auf die Fehler der anwesenden Menschen hin. Die Wahrheit zu sagen ist unangenehm und manchmal auch gefährlich, aber notwendig. Es ist nicht richtig, wenn wir schweigen, weil wir damit die Wahrheit verraten, und erlauben, dass das Böse sich verbreitet und ganz normal wird. Viele Menschen wollen nicht in der Spaltung leben. Wichtiger ist aber nach der Wahrheit zu leben.
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