Jesus, der sagte, selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gottes Kinder heißen,er sei mit euch.
Einführung
Wir haben uns heute zum Allerheiligenfest versammelt. Wir kennen die Namen einiger von ihnen aus dem Kirchenkalender, aus ihren Biografien oder frommen Legenden. Das sind Menschen, die vor uns gelebt haben. Aber wie gut kennen wir zeitgenössische Heilige unter uns? Was zeichnet die Heiligen von heute aus?
Jesus, du hast uns geheiligt durch deinen Tod.Herr, erbarme dich unser.
Du hast uns dein Göttliches mitgeteilt. Christus, erbarme dich unser.
Du willst uns vollenden in ewigem Leben. Herr, erbarme dich unser.
Die Heiligen von heute tun nichts Außergewöhnliches, aber alles, was sie tun, tun sie außergewöhnlich gut. Sie leben den Alltag, aber mit besonderer Liebe. Sie sind sich selbst gegenüber sehr kritisch, anderen gegenüber jedoch freundlich und wohlgesinnt.
Wir hören oft, dass die Heiligen für uns Vorbilder des christlichen Lebens sind. Dem können wir zustimmen. Gleichzeitig stellt sich uns die Frage: Wie sollen wir den Heiligen der Vergangenheit folgen? Wir wissen zum Beispiel, dass der heilige Franz von Assisi seine Arbeit aufgab, durchs Land zog und um Essen bettelte. Heute würden viele Menschen ihn als arbeitsunwillig betrachten. Der heilige Antonius lebte als Einsiedler in der Wüste. Heute würden wir so jemanden vielleicht für einen Vagabunden oder eine verdächtige Person halten. Die heilige Theresia von Ávila gründete Klöster. Wo sollten wir heute Orte finden, an denen unsere frommen Mädchen Klöster errichten könnten?
So kommt man leicht zu dem Schluss, dass es unmöglich sei, nach dem Vorbild der Heiligen vergangener Zeiten zu leben. Jeder Mensch lebt und handelt im Geist seiner Zeit und seiner Umgebung. Natürlich können wir heute nicht im Geist des Mittelalters oder einer anderen vergangenen Epoche leben oder uns so kleiden. Aber worauf kommt es an? Wir sollen und können heute auf heutige Weise leben.
Woran erkennen wir die Heiligen unter uns? Vor allem daran, dass sie Christus im Geist und in der heutigen Welt folgen. Sie fallen nicht durch exzentrische Kleidung, besondere Frisuren, provokantes Verhalten oder die Verwendung frommer Redewendungen auf. Wenn sie auffallen, dann durch ihre Freundlichkeit gegenüber anderen und ihre Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit. Sie sind zuverlässig. Sie reden nicht viel über Gott, aber umso mehr mit Gott über die Menschen. Sie wissen, warum sie an Gott glauben, und können auf allgemeine Einwände gegen den Glauben antworten.
Der Heilige von heute begegnet dem täglichen Ärger mit Frieden, nicht mit Zorn. Er weiß, dass ein guter Gott in allen Ereignissen der Welt wirkt und sogar das Böse zum Guten wenden kann. Er kritisiert die Menschen um sich herum nicht und verurteilt sie nicht. Stattdessen versucht er, sie zu verstehen und ihnen zu helfen. Wenn er spricht, dann nie nur, um überhaupt etwas gesagt zu haben. Er verspricht nichts, von dem er weiß, dass er es nicht halten kann. Vor anderen rühmt er sich nicht und versucht, so wenig wie möglich über sich selbst zu reden. Wenn ihm jemand einen Fehler vorhält, denkt er darüber nach, wie er ihn beheben kann, um keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Er drängt niemandem seine Meinung auf. Er wirkt auf seine Mitmenschen durch sein Beispiel und seine Persönlichkeit. Jeden Tag bemüht er sich, ein besserer Mensch und Christ zu werden.
Das Wichtigste habe ich noch nicht gesagt. Wissen Sie, was das letzte Erkennungszeichen der Heiligen unter uns ist? Viele Menschen haben diese Grundsätze zwar angenommen, schaffen es jedoch nicht, sie immer und überall zu bewahren. Sie stolpern, sie irren sich. Doch entscheidend ist: Sie machen aus ihren Stürzen keine Tragödie. Sie wissen, dass Heiligkeit im ständigen Neubeginn besteht. Wir wissen, dass selbst die größten Heiligen begnadete Sünder sind, also Menschen wie wir. Im Streben nach Heiligkeit dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir müssen immer wieder neu anfangen.
Die Botschaft des heutigen Festes lautet: Die Heiligen wurden nicht heilig, weil sie nie gesündigt hätten, sondern weil sie nach jedem Fehlschlag wieder aufgestanden sind und ein neues, freudiges Leben nach Gottes Willen begonnen haben.