Taufe des Herrn A Mt 3,13-17

Taufe des Herrn 2020 Das Recht, Gott Vater zu nennen.

Einführung

Wenn sich die Wohnungstür öffnet und die Mutter mit ihrem Kind aus der Entbindungsklinik zurückkehrt, ist dies ein freudiges Ereignis. Das Kind wird in die menschliche Familie aufgenommen. Diese Aufnahme geht mit einer Veränderung der bisherigen Familienordnung einher. Die Familie stellt sich auf das kleine Kind ein, das eine andere Ordnung und besondere Aufmerksamkeit benötigt. Auch die Taufe verlangt eine Veränderung des Lebens.

Predigt.

Ähnlich wie die Aufnahme in die menschliche Familie, die  wir die Geburt nennen, gibt es  auch die Aufnahme  in die Gottes Familie, die wir Taufe nennen. Jesu Aufnahme in die menschliche Familie ist das Thema unserer Überlegungen während Weihnachten. Jetzt denken wir mehr  über seine und unsere  Zugehörigkeit zu Gottes  Familie nach. Um der Mensch auf die Frage ,was nützt es mir,  dass ich getauft wurde? beantworte. Müssen wir die Frage  beantworten, was ich von der Aufnahme  in die  menschliche Familie habe?

Das Erste, was der Mensch dabei erhält, ist das Recht  zu existieren,  auf  dieser Erde   zu wandeln, mit Menschen zu  kommunizieren. Existenz ist ein  Geschenk, das wir das Leben nennen.

Das zweite Recht, das eine Person erwirbt, besteht darin, eine Frau Mutter zu nennen und einen Mann Vater zu nennen. Die anderen Frauen nennen wir Tante, Nachbarin, Lehrerin, aber der Titel Mutter gehört nur zu der Person, die das Kind aufgenommen hat. Andere Männer erhalten den Titel Onkel, Nachbar, Chauffeur. Aber der Titel Vater wird einem Mann gegeben, der ein Kind in seine Familie aufgenommen hat. Etwas Ähnliches passiert bei der Taufe. Wir bekommen das Recht, den Herrn des Universums, Gott Vater, oder hebräisch Abba zu nennen. Wenn wir nicht getauft worden sind, können wir Gott den Herrn, Schöpfer oder Richter nennen. Mutter und Vater bieten dem Kind Hilfe und Schutz.

Der dritte Vorteil der Taufe ist die Hilfe und der Schutz. Gott gibt Doch es gibt noch mehr: Die Taufe verleiht unserem Leben Sinn. Sie gibt Antwort auf die essentiellen Fragen: Wer bin ich, und wohin gehe ich?

Ein vierter Vorteil der Taufe ist das Erbe, das uns zugesprochen wird: Wir werden das Reich Gottes erben. Wenn ich Gott als Vater bezeichne, werde ich auch sein Erbe. Sein Reichtum besteht jedoch nicht aus Mercedes, Häusern oder Gärten, sondern aus einem Leben in Freude und Liebe. Seit dem Moment der Taufe haben wir das Recht auf das ewige Leben. Unser Leben ist auf die Ewigkeit ausgerichtet und nicht auf ein sinnloses Ende.

Mit Rechten sind auch Pflichten verbunden. Ein Kind ist verpflichtet, seinen Eltern zu gehorchen und sich so zu verhalten, dass diese stolz auf es sein können.

Auch Gott erwartet von uns ein Verhalten, auf das er stolz sein könnte. Das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu halten. In der Enzyklika Evangelium Vitae, die Johannes Paul II. schrieb, steht: Die Herrlichkeit Gottes erstrahlt im Antlitz des Menschen.  Das Leben, das Gott dem Menschen schenkt, ist ewig. Durch die Taufe haben wir Gottes Leben erhalten und so die Teilnahme am Leben Gottes selbst.  Die Antwort auf dieses Geschenk sollte unsere Ehre und Dankbarkeit sein. In der Vergangenheit war die Parole der Heiligen: „Fliehe in die Wüste und schweige.” Heute ist die Parole der Heiligen: Bleibe in der Welt und spreche. Bleibe in der Welt und spreche. Sprich über deinen Gott. Rede zu den Menschen, die ihre Sensibilität für höhere Werte verloren haben. Schau auf ihre Schmerzen, hör ihre Sorgen. Hilf ihnen, ihre Wunden zu heilen. Zeige ihnen, dass man nach dem Ideal Jesu Christi leben kann, überall: in der Arbeit, in der Familie und in den Sorgen des modernen Lebens. Pater Henry Nouven äußerte sich zu diesem Thema auf interessante Weise. Er entschied sich, in der Archa-Gemeinschaft zu leben. In dieser Gemeinschaft befinden sich Menschen, die körperlich und geistig behindert sind. Einmal kam ein kleines Mädchen zu ihm und sagte: „Pater, kannst du mir einen Segen geben?” Pater Nouven erfüllte ihren Wunsch und machte ein Kreuz auf ihre Stirn. Anstatt „Danke” zu sagen, protestierte das Mädchen heftig. „Das ist nichts. Ich will einen echten Segen. Da erkannte Pater Nouven, dass er es aus Gewohnheit getan hatte, und sagte: „Verzeihe mir. Ich werde dir am Abend einen Segen geben, wenn wir alle zusammen sind.” Es waren ungefähr dreißig Leute am Abend. Pater Henry sagte: „Janetta bat mich, ihr einen echten Segen zu geben.” Das Mädchen stand auf und ging auf den Priester zu. Pater Henry umarmte sie spontan und sagte zu Janetta: „Janetta, ich möchte, dass du weißt, dass du eine geliebte Tochter Gottes bist. In Gottes Augen hast du einen unglaublichen Preis bekommen. Dein schönes Lächeln, deine Freundlichkeit und all das Gute, das du tust, zeigen uns, dass du ein wunderschönes Geschöpf bist. Wir wissen, dass du dich heutzutage nicht gut fühlst und dass Traurigkeit in deinem Herzen ist. Aber ich möchte dich daran erinnern, wer du bist: Du bist ein außergewöhnliches Mädchen. Janetta hob den Kopf und sah den Pater an. Ihr breites Lächeln zeigte, dass sie den Segen wirklich fühlte und empfing. Als sie zu ihrem Platz zurückkehrte, verlangten auch andere einen Segen. Ein 24-jähriger junger Mann stand auf und sagte: „Auch ich wünsche einen Segen. Der Pater umarmte ihn und sagte:  „Es ist schön, dass du hier bist. Du bist ein geliebter Sohn Gottes. Wenn du dich in deinem Leben schwer tust, denke daran, dass der unendliche Gott dich liebt. Der junge Mann sah ihn mit Tränen in den Augen an und sagte: „Danke.“ Das sollte uns daran erinnern, dass wir von Gott geliebt und gewollt werden. Ich habe eine Zukunft in seinen Augen. Ich habe das Recht, Gott Vater zu nennen. Das ist das Vorrecht der Taufe.