Freitag der 5.Woche im Jahreskreis 1 Kön 11.29-32,12,19

Gott, unser Herr, der allen Hilfe sendet, die ihn aufnehmen, sei mit euch.

Es war eine kritische Zeit in der Geschichte Israels. Gott befahl seinem Volk, sich nicht mit Ausländern zu vermählen, aber Salomo, der König und Führer des Landes, tat genau das (1. Könige 11,1-2). Und dem Schreiber von 1. Könige zufolge war dies einer der Hauptgründe für die Spaltung des Volkes Israel und den Zerfall des Königreichs. Stellen Sie sich vor, was das für ein Skandal war: Das Volk, das Gott aus der Sklaverei herausgerufen hatte, um sein Volk zu werden, war innerlich gespalten.

Jesus, du hast Blinde und Taube geheilt. Herr, erbarme dich unser.

Du hilfst uns Gutes und Böses zu unterscheiden. Christus, erbarme dich unser. 

Du hast in allen auf das Wort des Vaters  gehört. Herr, erbarme dich unser.

Wie sehr muss diese Trennung das väterliche Herz Gottes betrübt haben! Die schmerzliche Geschichte der Spaltung Israels hat ihr Bild in unserer Zeit. Am schmerzlichsten ist die Spaltung der christlichen Kirche. Der Leib Christi ist heute ähnlich verwundet und gespalten, wie es das alte Israel um 900 v. Chr. war. Und Gott, der Vater, ist über unsere Spaltung genauso betrübt, wie er es über die Spaltung Israels war.

Als Papst Johannes XXIII. 1962 das Zweite Vatikanische Konzil zusammenrief, war eines seiner obersten Ziele, dass das Konzil die Versöhnung unter den Christen fördern würde. Eines der wichtigsten Dokumente des Konzils war das Dekret über den Ökumenismus, in dem das Problem der gespaltenen Kirche offen angesprochen wurde: „Diese Zersplitterung, Zerteilung widerspricht dem Willen Christi, ist ein Ärgernis für die Welt und schadet der heiligen Sache, der ganzen Schöpfung das Evangelium zu verkünden“ (Einleitung).

Obwohl sich die Konzilsväter der Tiefe des Problems bewusst waren, waren sie auch sehr hoffnungsvoll. Sie erkannten, dass „fast alle, wenn auch auf unterschiedliche Weise, die eine und sichtbare Kirche Gottes herbeisehnen, die wahrhaft universal und in alle Welt gesandt ist, damit die Welt sich zum Evangelium bekehrt“ (Einleitung). Sie sahen Zeichen der Hoffnung und des Wandels. Wir können uns von dem Optimismus der Konzilsväter inspirieren lassen. Anstatt Zeit damit zu verschwenden, uns die Schuld an der Spaltung zu geben, können wir für Versöhnung beten. Wir können Gott bitten, unsere Trennungen zu heilen und uns ein Herz zu geben, das uns so liebt, wie er uns liebt.

Jesus Christus, dem die Herzen der Menschen offenbar sind, hat uns aufgetragen, zum Vater  zu beten. So sprechen wir.

Weil Gott die Wiedereingliederung der Geheilten ins Volk ermöglicht, können  wir für dieses Friedenszeichen nur danken. So beten wir.

Selig, die alles geben, um bei der Wiederkunft des Herrn alles zu empfangen.

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