Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!

Das Leben lehrt einen Menschen viele Dinge. Aber es ist schwer, sich ein Leben ohne Glauben vorzustellen. Man muss lernen, zu vertrauen und oft alles in die Hände eines anderen zu legen. In diesem Moment wird von ihm die totale Hingabe verlangt.

Indem Jesus den Epileptiker heilt, will er uns sagen, dass wir unerschütterlichen Glauben lernen sollen.
Der Herr Jesus machte nicht nur vor den Aposteln, sondern auch vor der Menge deutlich, dass seine Sendung auf der Erde zu Ende geht. Jesus weiß, wer ihn verraten wird, wo und unter welchen Umständen. Er weiß, dass er nicht nur am Kreuz, sondern auch im Hof von Pilatus leiden muss. Er weiß, dass er von Petrus verraten wird, dass er die Qualen im Garten Gethsemane, die erstaunliche Trostlosigkeit und die Feigheit der Apostel ertragen muss, und doch bleibt der Herr Jesus bei alledem der, der er war: Er interessiert sich für das Elend der Menschen und will, dass sie von seinem unerschütterlichen Glauben erfahren.

Was bedeutet das? Diese kleine Gemeinschaft von Aposteln wird eines Tages zu einer erstaunlich großen Gemeinschaft heranwachsen, die alle Völker auf allen Kontinenten mit ihrer Lehre erfüllen wird. Die Verbreitung der Lehren Jesu und das weitere Leben derer, die seinen Worten durch die Apostel Glauben schenken, wird nicht ohne einen wahren und unerschütterlichen Glauben auskommen. Wer wirklich etwas von Jesus und seinen Lehren gewinnen will, muss sich ihm ganz und gar hingeben. Es darf keine Halbherzigkeit geben. Das sehen wir an der heutigen Heilung. Wie reagiert der Vater des kranken Jungen? Der Vater sieht, dass das Leben seines Sohnes von seinem Vertrauen in die Macht des Herrn Jesus abhängt. Deshalb verstehen wir, wenn der Vater sagt: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24). Mit anderen Worten: Ja, Herr, ich glaube! Ich will glauben, aber hilf mir in diesem Glauben, der heilt!

Deshalb haben wir Glauben und Vertrauen in den Herrn Jesus und verlassen uns in allem auf ihn. Wir haben das in unserem Leben schon oft erlebt. Wie viele Menschen glauben nicht, erinnern sich nicht an Gott; sie verdummen ihn, verspotten ihn, und wenn die Not kommt – was hören wir dann? Gott, Gott, hilf…! Wir müssen Christus nicht nur in den Momenten der Schwierigkeit und der Krankheit kennen, sondern wir müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten und Fähigkeiten immer mit ihm zusammenarbeiten.
Die Worte des Herrn Jesus, mit denen er den Aposteln erklärt, warum sie diesem Mann nicht helfen konnten, können auch uns zur Erinnerung dienen und unseren Glauben bereichern. Er betonte ihnen gegenüber, dass nur das Gebet eine mächtige Waffe ist.

Wie oft vergessen wir das! Wir unterschätzen das Gespräch unserer Seele mit Gott, wir verschieben es von morgens bis abends, und dann überkommt uns die Müdigkeit. Tage und Wochen vergehen, und wir haben keine Zeit. Wir lassen Christus, der uns stärken und unsere Familien bereichern will, wie einen Diener stehen und warten. Aber er kommt vielleicht nicht auf unseren Ruf hin, wenn wir zu anderen Zeiten keine Zeit für ihn gehabt haben. Schließlich ist er der Herr und kein Automat, denn wenn ich ihn brauche, dann werde ich beten. Jetzt muss ich mich amüsieren, jetzt muss ich mich um andere Dinge kümmern, als meine Hände zu falten oder die Kirche abzustauben. Und doch können wir unser Leben so harmonisieren, dass wir sowohl gesellschaftlich als auch geistig zufrieden sind. Man muss sich nur die Zeit nehmen, guten Willen zeigen, und man wird mehr gewinnen, als man sich vorstellen kann.
Wie schön ist es, wenn man am Morgen die Hände faltet und die ersten Gedanken an Gott richtet, dem man seine Erfolge und Schwierigkeiten anvertraut. Wie schön ist es, wenn ein Vater seine Kinder und seine Frau anvertraut, wenn die Kinder für ihre Eltern beten. Wer Gott in seinem Leben wirklich an die erste Stelle gesetzt hat, für den gelten die Worte, die Jesus zu dem Vater des Jungen sagte: „Wenn du es kannst? Dem, der glaubt, sind alle Dinge möglich“ (Mk 9,23). Der Vater des Jungen rief aus: „Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24).

Lassen wir uns von den Worten des heiligen Augustinus ermutigen: „Wenn dieser und jener es geschafft hat, warum nicht auch du?“, auch wenn wir am Ende wieder ganz von vorne anfangen müssen…
Am Anfang stritten sich das Volk und die Apostel um den kranken Jungen, ohne ihm helfen zu können. Auch in unserer Umgebung gibt es oft viele unnötige, aber auch sündige Worte. Wenn wir wenigstens einige davon in ein Gebet verwandeln könnten, wie hilfreich wäre das!
Jesus heilte den Jungen und sagte, auf welchem Grund. Das sollte auch für uns genug sein, und wir sollten mit neuer Ermutigung in unser nächstes Leben gehen. Deshalb brauchen wir nur zu beginnen.

 

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