29. Sonntag C Lk 18,1-8
Jesus, der fragte. Wird der Menschensohn Glauben finden, auf Erden, wenn er kommen wird?
„Täglich hören wir Aufrufe zur Verantwortung. Wir sollen verantwortlich sein in der Arbeit, in der Familie, in der Ehe, in der Politik, in der Erziehung, auf den Straßen. Verantwortungsbewusste Menschen werden von anderen geschätzt. Unverantwortliche verlieren an Glaubwürdigkeit, auch wenn sie eine Zeit lang im Vordergrund stehen, früher oder später wird ihre Unverantwortlichkeit aufgedeckt und die Menschen werden ihnen nicht mehr vertrauen.
Jesus, du hast uns geboten, gerüstet zu sein für den Tag deiner Wiederkunft. Herr, erbarme dich unser.
Du hast uns feste Hoffnung gegeben auf das Zukünftige. Christus, erbarme dich unser.
Du hast uns eine bleibende Heimat bereitet, damit wir ein Ziel haben in der Unsicherheit dieser Welt. Herr, erbarme dich unser.
Predigt.
Verantwortungsbewusst war die Witwe aus dem heutigen Evangelium und verantwortungsbewusst war auch Mose in der heutigen ersten Lesung. Beide wussten, wie wichtig die Sache war, die sie taten. Die Witwe brauchte Schutz; deshalb bat sie den Richter beharrlich, und auch Mose brauchte Schutz für sein Volk, damit es nicht von den Amalekitern besiegt würde. Beide baten. Die Witwe den Richter und Mose Gott. Die heutigen Lesungen ermahnen uns also, im Gebet ausdauernd und verantwortungsbewusst zu sein.
Vielleicht überrascht es euch, und ihr fragt euch im Geiste, wie Gebet mit Verantwortung zusammenhängt? Um das besser zu verstehen, kehren wir noch einmal zu den heutigen Lesungen zurück. Moses zu Gott erhobene Hände sicherten seinem Volk einen ständigen Kampfvorteil. Wenn er sie nach unten ließ, verloren sie. Hier lag Moses’ Verantwortung. Er war sich bewusst, dass er als Gottes Diener, der sein Volk führen sollte, ein Mann des Gebets für sein Volk sein musste. Er wusste, dass sein Volk ohne Gottes Hilfe den Kampf verlieren würde. Ähnlich verhält sich auch die Witwe. Wir wissen nicht, worin ihr Unrecht geschehen ist, aber da sie keinen Mann hatte, musste sie sich selbst verteidigen. In ihrem Verhalten gibt es drei wichtige Dinge: Sie wusste genau, wer ihr helfen konnte, sie bittet dringend, sie bittet beharrlich. Auch ihr „Bittgebet“ an den Richter ist verantwortungsbewusst.
Jeder hat seine Schwierigkeiten und Probleme. Jeder von uns hat seine schlechten Angewohnheiten, die ihn schon lange plagen. Wir haben Kinder oder Verwandte, die sich von Gott entfernt haben und keine Kraft oder Lust haben, zu ihm zurückzukehren. Wer wird uns in dieser Situation helfen? Nur Gott. Wunderschön bestätigt das auch der heutige Psalm: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lässt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht. Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten zu deiner Rechten. Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden noch der Mond in der Nacht. Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben. Der Herr behüte dein Gehen und dein Kommen, von nun an bis in Ewigkeit.“ Ja, so ist unser Herr, zu dem wir beten. Er ist derselbe, den Mose anrief, und die Israeliten siegten. Jesus selbst ermutigt uns zum verantwortungsvollen Gebet: „Sollte Gott seinen Auserwählten nicht zu ihrem Recht verhelfen? Wird er bei Ihnen zögern?“
Manch einer mag einwenden, und wir Priester hören diesen Einwand täglich: „So viele Jahre bete ich schon, und die Hilfe kommt nicht.“ Wie soll man darauf reagieren? Man muss sich bewusst sein, dass Gottes Antwort auf unsere Bedürfnisse dreifach sein kann: „ja“, „nein“ oder „warte“. Aber in jedem Fall ist es die beste Antwort für unser Leben. Denn er ist der Herr, der es beschützt. Später werden wir verstehen, dass auch Gottes „Nein“ auf unser Gebet richtig war. Wir haben um etwas gebeten, das aus höherer Sicht und für die Ewigkeit für uns nicht nützlich war. Oft antwortet Gott nicht sofort auf unsere Gebete, sondern will uns warten lassen. Warum? Fehlt es ihm etwa an Macht, es zu tun? Oder fehlt es ihm an Bereitschaft, uns zu helfen? Nein, sicher nicht! Wenn hier etwas fehlt, dann ist es unsere Disposition, die Gabe zu empfangen. Darum prüfen wir die Bitten in unseren Gebeten, ob sie wirklich so dringend sind, wie es bei der Witwe aus dem Gleichnis war. Oder ist es nur ein allgemein Gott vorgelegtes Problem, an dessen Erfüllung wir sowieso nur nebelhaft glauben? Gott lässt uns auch längere Zeit bitten, damit uns das Problem so dringend wird, dass wir Tag und Nacht zu ihm rufen werden. Dann wird er uns verteidigen, dann werden wir es zu schätzen wissen.“
Da wir Gottes Bild in uns tragen und Gott gehören, dürfen wir es wagen, zum Vater zu beten.
Da die Welt, in der wir leben, den Frieden nicht findet, wollen wir den Herrn um seinen Frieden bitten.
Selig, die Gott geben,was Gott gehört, und den Weg Gottes gehen bis zur Vollendung.
Dieser Beitrag wurde unter
Andere veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den
Permalink.