Der Kelch auf dem Altar.
Nach dem Abschluss der Fürbitten sehen die Anwesenden, wie der Ministrant einige Gegenstände zum Altar bringt, die im Rahmen des eucharistischen Opfers verwendet werden. Unter ihnen ist der Kelch am auffälligsten. Was symbolisiert und drückt er in der heiligen Messe aus? Es handelt sich um ein heiliges und besonders gesegnetes Gefäß, das von jeglichem weltlichen Gebrauch ausgenommen ist und in den meisten Fällen direkt für liturgische Zwecke hergestellt wird. Der Kelchsoll den Wein aufbewahren, in den der Priester zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Tropfen Wasser gießt, um ihn als Opfergabe zu erheben, wobei er sich nach weiteren Gebeten bei den Wandlungen über den Kelch beugt und ihn dann erhebt.
Im Kelch vollzieht sich also das größte Wunder, die Wesensverwandlung des Weines in Jesu Blut, durch die Worte des Priesters als Christi Diener. Daraus ergibt sich alles, was hinsichtlich der Parameter des Kelches gefordert wird. Der Kelch wurde ausdrücklich bei der Wandlung selbst in der biblischen Beschreibung des letzten Abendmahls erwähnt. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, der für euch vergossen wird.Lk 22, 20.
Der wichtigste Teil des Kelches ist das eigentliche Gefäß, also die Kuppa,die aus edlen Materialien gefertigt sein sollte, wobei das Innere vergoldet sein soll. Der sogenannte Nodus/Knot, der sich im mittleren Teil unter der Kuppa befindet, hilft dem Priester, den Kelch fest und sicher zu halten, da er das Blut Christi enthält. Aus demselben Grund ist nicht weniger wichtig der untere Teil , der Fuß bzw. der Sockel des Kelches soll ausreichend schwer und breit sein, um seine Stabilität zu gewährleisten.
Die Heilige Schrift erwähnt den Kelch viele Male als Kelch der Gemeinschaft, Kelch des Heils, Kelch der Bitterkeit oder Kelch des Segens. Worin besteht also der Kelch der Gemeinschaft? Vor der Wandlung des Weines in sein Blut nahm Jesus den Kelch, dankte und gab ihn unter seinen Jüngern herum. In Jesu Zeit war es bei Feiern ein verbreiteter Brauch, die Verbundenheit und geistige Einheit der Gemeinschaft durch das Reichen des Kelches auszudrücken. Obwohl sie verschieden sind , trinken sie doch aus demselben Gefäß.
Ein unaussprechlich kostbarer Mehrwert des letzten Abendmahls war die Gemeinschaft, die nicht nur mit Menschen, sondern auch und vor allem mit Gott gebildet wurde, auf der Grundlage des Bundes , den Jesus ausdrücklich erwähnte. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird (Lk 22,20). Das Gute aus diesem Kelch der Gemeinschaft bieten bereits alttestamentliche Psalmen an. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und füllst mir den Becher bis zum Rand. Ps 23,5 betete der Psalmist zu Gott, der auch auf diese Weise Gemeinschaft mit den Menschen schafft. Ein weiterer Psalm bekennt: Du , Herr, bist mein Anteil am Erbe und am Kelch; in deinen Händen liegt mein Schicksal. Wir sprechen also vom Kelch als Symbol der Gemeinschaft zwischen Menschen und Gott,von dem die menschliche Gemeinschaft grundlegend abhängt. In diesem Geist erwähnt der heilige Apostel Paulus doppelt den Kelch des Segens. Ist der Kelch des Segens ,über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? 1 Korinther/10,16/.
Dem Kelch in der paulinischen Terminologie segnen wir gerade deshalb, weil er auch der Kelch des Heils ist, denn dieses Heil wurde von Jesus Christus verdient, der bis zum Ende seinen Kelch der Bitterkeit trank.. Sein inständiges Flehen im Garten Gethsemanes; Vater ,wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. /Lk 22,42/ resoniert tief mit den Worten des 116. Psalms: Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat? Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn. Ich will dem Herrn meine Gelübde erfüllen offen vor seinem ganzen Volk/Psalm 116,12-14/
Der Evangelist Matthäus beschreibt ausführlich, wie Jesus betete. Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. /Matthäus 26,39-42/: Das Blut im Kelch bedeutet die erlösende Reinigung des Menschen, vorgezeichnet bereits durch das Blut der Opfer, das auf den Altar des Jerusalemer Tempels gegossen wurde.
Jesus bereitete noch vor dem Abendmahlssaal seine Jünger auf einen anderen Kelch vor, der außer dem Kelch des Heils auch der Kelch des Leidens und der Bitterkeit ist. Als Petrus zur Verteidigung des Meisters das Schwert zog, hielt Jesus ihn zurück. Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat? / Johannes 18,11/. Auf Petrus’ Versuch, die Dinge mit Gewalt zu lösen, reagiert Jesus mit der Erwähnung des Kelches und des Blutes, die die Sünden der Welt abwaschen, die aus opfernder Liebe vergossen werden.
Und als die Mutter der Söhne des Zebedäus versuchte, für sie eine Abkürzung zu Jesu Herrlichkeit zu seiner Rechten und Linien zu erbitten, sagte Jesus, dass sie nicht wüssten, worum sie bitten, und stellte eine anspruchsvolle Gegenfrage. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Worauf sie bejahten. Wir können es, und er bestätigte, dass sie ihn tatsächlich trinken werden. /Matthäus 20,20–23/.
Die wesentliche Handlung jeder heiligen Messe, ohne die die heilige Messe keine Messe wäre, ist die Geste des Priesters, wenn er den Kelch ergreift und spricht. Das ist der Kelch meines Blutes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Darin ist alles verdichtet: der Kelch der Gemeinschaft, der Kelch des Heils, der Kelch des Leidens und der Bitterkeit sowie der Kelch des Segens. Seien wir dem Herrn Jesus dankbar, dass er uns auch durch den Kelch seine unermessliche Liebe ausdrückt, indem er uns mit seinem eigenen Blut rettet, damit wir Anteil haben am Kelch des Heils und des Segens, zu dem der Weg ausschließlich über den Kelch des Leidens und der Bitterkeit führt.
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