Die Handwaschung.
Außer den Opfergaben muss auch derjenige vorbereitet werden, der das Opfer darbringt. Die Gläubigen sehen, wie der Priester sich nach dem Abstellen des Kelches auf das Korporale tief im stillen Gebet verneigt. Dies setzt sich fort, während der Ministrant an der Seite des Altars Wasser über die Hände gießt. Obwohl es sich um unhörbare Gebete handelt, ist es essentiell, ihren Sinn zu kennen.
Die tiefe Verneigung ist eine Geste der Ehrerbietung. Wenn wir uns vor jemandem verneigen, machen wir uns bewusst kleiner als er und erkennen ihn als größer, besser, heiliger an als uns. Deshalb verbeugen wir uns in Wirklichkeit nur vor Gott. Durch die Geste unseres Körpers erhöhen wir den Sohn Gottes, Jesus Christus. Der heilige Johannes des Täufers, der über Jesus wörtlich sagte. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Joh 3,30) Ein andermal sagte Jesus selbst über uns: „Ihr seid von unten, ich bin von oben, ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt“ (Joh 8,23). Mit der Verneigung erkennen wir also unsere Abhängigkeit von Gott, von Jesus, an, denn er ist groß und heilig, der wahre Herr und der wahre Gott.
Die Verneigung vor dem Händewaschen ist auf den Altar gerichtet, der Jesus Christus repräsentiert, dem wir uns durch Anbetung zugleich nähern. Es ist nämlich keine distanzierende, sondern eine annähernde Ehrfurcht, in dem Verlangen, den zu berühren,vor dem wir uns beugen. Damit entspricht auch die Bitte des Priesters selbst. Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein und lass unser heutiges Opfer wohlgefällig sein in deinen Augen.
Jedes dieser Worte ist entscheidend. Die Worte über die Demut im Geist und die Zerknirschung im Herzen reichen in die Tiefe des priesterlichen Inneren, bis zum Kern seines eigenen Seins. Doch diese Formulierung im Plural, „unsere Opfer“, bedeutet, dass der Priester nicht nur für sich selbst bittet, sondern auch für die ganze Versammlung um den Altar, und sich gleichzeitig persönlich für den heiligen Moment des Opfers reinigen möchte. Nur so wird es Wohlgefallen in Gottes Augen sein.
Das Gebet hat biblische Inspiration aus dem Buch des Propheten Daniel, wobei für sein Verständnis die Kenntnis des Kontextes seiner Entstehung unerlässlich ist. Als nämlich 200 Jahre vor Christus König Antiochos Epiphanes den Jerusalemer Tempel besetzte und das jüdische Kultleben darin bei Todesstrafe verbot, begannen die Juden, Selbstopfer außerhalb des Tempels darzubringen. Sie opferten ihr eigenes Leben und baten, dass dieses Opfer ihres Lebens, ihres Inneren, ihres Herzens und ihrer Seele anstelle des Brandopfers, das unter normalen Umständen im Tempel dargebracht wurde, angenommen werde. Wie wir beim Propheten Daniel lesen. Lass unser Opfer heute vor dir sein wie Brandopfer von Widdern und Stieren und wie fette Lämmer. ( Daniel 3, 39) Das Motiv wird anschließend im Psalm 51 weiterentwickelt: Denn du hast kein Gefallen an Schlachtopfern, und nähme ich Brandopfer, würdest du sie nicht annehmen. Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz; wirst du, Gott, nicht verschmähen (Psalm 51,18–19). Der heilige Paulus personifiziert dann im Brief an die Römer dieses Opfers für die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft, indem er bittet. Ich ermahne euch also, Brüder, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen, als euren geistigen Gottesdienst (Römer 12,1). Denn die wesentliche Komponente jedes Opfers ist das persönliche Opfer, wenn jeder sich selbst als Gabe darbringt. Doch formuliert in der Mehrzahl, lädt es die Gläubigen ein, als Gemeinschaft zum Altar zu treten.
Dann geht der Priester zur Seite des Altars und der Ministrant gießt ihm Wasser über die Hände, die ein Symbol für Tätigkeit sind, und ihre Waschung drückt die Reinigung der tiefsten Motivationen der Liturgiefeier aus. Während das oben erwähnte erste Gebet in der Mehrzahl steht, trägt der Priester das zweite persönlich in der Einzahl vor. Herr, wasche ab meine Schuld und reinige mich von meiner Sünde. Das fließende Wasser erinnert an die ursprüngliche Reinheit,die durch die Taufe erlangt wurde, sowie an die aktuelle Reinigung unmittelbar vor der Berührung mit dem eucharistischen Christus.
Dieses Gebet entspringt den Worten des 51, Psalms, mit dem Bekenntnis der eigenen Sündhaftigkeit. Wasche meine Schuld von mir ab und mache mich rein von meiner Sünde. Einstündig mich mit Ysop , dann werde ich weißer als Schnee. (Psalm 51,4-9) Und Gott antwortet durch den Mund des Propheten Ezechiel: „Dann werde ich reines Wasser über euch sprengen, sodass ihr werdet. Von all euren Unreinheiten und all euren Götzen werde ich euch reinigen.“ (Ezechiel 36,25) Das reinigende Symbol des fließenden Wassers spüren wir beim Propheten Jesaja, wenn er im Namen Gottes drängt. Wascht euch ,reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen und hört auf, Böses zu tun. (Jesaja 1,16). Es handelt sich zwar um stilisierte priesterliche Gebete, dennoch sind sie eine Aufforderung für alle ohne Ausnahme , die zum Altar mit einer Opfergabe kommen und dann die heilige Kommunion empfangen wollen, dass sie ein gereinigtes Inneres haben sollen , und zwar nach dem Rat des Matthäusevangeliums: Wenn du deine Gabe zum Altar bringst und dir, dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe.(Mt 5,23 24)
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