Der Herr, der kommen wird, um euch die Frucht eures Lebens zu schenken, sei mit euch.
Liebe Brüder und Schwestern! Es ist wunderbar, zu sehen, wie sich Kinder über ein Geschenk freuen – sei es ein Spielzeug oder eine Süßigkeit. Ihre kindliche, aufrichtige Freude ist wirklich wunderbar. Kinder können sich selbst an den kleinsten Dingen erfreuen, und darin liegt ihre Größe.
Du bist gekommen, um der Welt die Botschaft des Vaters zu verkünden. Herr, erbarme dich unser.
Du hast den Blinden das Auge und den Tauben das Ohr geöffnet. Christus, erbarme dich unser.
Du hast uns das kommende Reich der Herrlichkeit verheißen. Herr, erbarme dich unser.
Heute und an jedem dritten Adventssonntag steht die Freude im Mittelpunkt, denn die Ankunft des Herrn zu Weihnachten ist ganz nah. In der ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja hörten wir die Worte: „Die dürre Steppe wird jubeln, die Wüste wird frohlocken und blühen. Wie die Narzisse wird sie üppig blühen; sie wird jubeln, singen und jubeln. Sie wird mit der Pracht des Libanon, der Schönheit des Karmels und Scharons geschmückt sein. Mein Volk wird die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Majestät unseres Gottes.“ (Jesaja 35,1–2).
Was ist also der Grund für diese Freude? Gott wollte, dass die Menschheitsgeschichte, die bereits so sehr von Tränen und Schmerz erfüllt war wie ein „Tal der Tränen“ nach der Erbsünde unserer Vorfahren Adam und Eva, von einer freudigen Botschaft erleuchtet wird. Es ist wie ein roter Faden, der sich durch die gesamte Bibel zieht. Die unaussprechliche Freude des Christen gründet sich daher auf eine lebendige Hoffnung, die aus dem Kommen des Messias in diese Welt, aus Christi Tod und Auferstehung hervorgeht. Denn Freude ist, so könnte man sagen, das Herzstück und Zentrum der christlichen Geschichte. Christi Botschaft, Christi Evangelium. Schon das Wort „Evangelium“ bedeutet wörtlich „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“.
Liebe Brüder und Schwestern! Heute müssen wir leider zugeben, dass wir oft nicht wissen, wie wir uns am Leben erfreuen sollen, als Christen zu Gott gehörig. Dass wir geliebte Kinder Gottes sind. Gott liebt uns, und wir sollen ihn lieben. „Tatsächlich“, sagt der heilige Augustinus, „ist Gottes Liebe der wahre Urheber der menschlichen Freude. Sie ist vor allem die Liebe, die sich im Verlangen Gottes nach dem Menschen und des Menschen nach Gott ausdrückt.“ Nur wer geliebt wird und wahrhaft liebt, weiß, was Freude ist. Ein weises Sprichwort sagt: „Ein trauriger Christ ist kein Christ.“ Lasst uns nicht von den Problemen und dem Leid des Alltags mitreißen lassen, sondern im Gegenteil: Lasst uns trotz allem versuchen, die innere Freude, Gott zu gehören und Christen zu sein, in unseren Herzen zu bewahren. Die globale Finanzkrise scheint uns die Freude am Leben zu rauben. Es ist unerlässlich, für die Familie zu sorgen und sie gut zu versorgen. Doch dabei dürfen wir die viel wichtigeren und gefährlicheren Krisen nicht vergessen, wie die Krisen der christlichen und moralischen Werte, der Autorität, der Treue, der Ehe und der Familie. Diese Krisen, die uns heute treffen, rauben uns die Lebensfreude. Sie machen uns traurig und oft leer. Wie können wir diesen spirituellen Krisen in der heutigen Welt begegnen?
Der heilige Paulus gibt uns in seinem Brief an die Philipper ein Rezept: „Freut euch!“ Doch lässt sich Freude erzwingen? Wohl kaum! Sie kann nur gefördert werden. Wer freudig lebt und etwas Schönes erwartet, ist ein guter Mensch und allen gegenüber freundlich. Er verspürt keinen Drang, andere zu verletzen, kann alles vereinfachen, ist nicht hart und selbstgefällig. Solch ein Mensch kann vergeben und bittet sogar demütig um Vergebung. Viele in seinem Umfeld bemerken dies und sagen: „Seine Augen leuchten vor Freude! Sein Leben ist voller Freude und Glanz.“ Freude ist auch Licht im geistlichen Leben. Jesus sagte einst zu seinen Jüngern: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,16). Es ist, als ob er ihnen sagte: „Lasst eure Freude vor den Menschen leuchten!“ Oder: „Lasst eure Liebe vor den Menschen leuchten!“
Die heilige Mutter Teresa sagte einmal: „Ein Lächeln ist der schönste Weg, einem anderen Menschen näherzukommen.“ Heute erkennen wir auch, dass der wahre Feind der Freude nicht Leid und Schmerz sind, sondern Selbstsucht, Egoismus, die Fixierung auf sich selbst oder ungesunder Ehrgeiz. Wer nur auf sich selbst fixiert ist, gleicht einem Igel, der nur seine Stacheln zeigt. Er ist wie ein verschlossenes Haus, wie eine Burg mit heruntergelassener Zugbrücke. Lasst uns erkennen, dass die Welt, die nicht mehr glaubt oder ihren Glauben verloren hat, uns Christen heute aufruft: „Lasst uns eure Freude sehen!“ (vgl. Jes 66,5). Schon der tschechische Priester, Theologe und Philosoph Prof. Tomáš Halík sagte einmal: „Was wir als Christen dieser Welt oder dieser Gesellschaft schulden, was sie wirklich braucht und worin wir Experten sein sollten, ist weniger Moral als wahre spirituelle Freude.“ Wir sollten danach streben, edel, gütig, freudig und gut zu sein. Das Wort Gottes lädt uns heute ein und ruft uns zu diesem Entschluss auf – zur Freude. Wenn wir freudig sind, werden wir auch glücklich sein. Doch das ist nicht möglich, wenn wir allein sind. Diese Freude bedeutet auch, dass wir selbst Freude am Geben haben. Man sagt, Liebe und Freude wachsen durch Geben. Wir müssen nicht warten, bis wir vollkommen gesund sind, bis uns nichts fehlt, bis wir gut gelaunt sind, um dann endlich jemandem anzulächeln. Ein Lächeln kann ein kleines, aber großes Geschenk sein, ein Licht, das erhellt, ein Fenster, das sich öffnet.
Geliebte Brüder und Schwestern! Unsere Aufgabe ist es daher, das Licht der Liebe Gottes, das Licht der Freude und des Friedens, auf die Menschen um uns herum scheinen zu lassen. Auf diese Weise kann Gott durch uns mächtig in dieser Welt und in unserer Gesellschaft wirken. Lasst uns trotz der schmerzhaften Ereignisse und des Leidens in unserem Leben keine Angst haben, das christliche Leben mit Freude und Begeisterung zu führen. Gerade in dieser Adventszeit können wir unser Leben als Reise begreifen. Auf dieser Reise folgen wir bereits freudig dem Stern, der Jesus Christus ist, befinden uns aber noch mitten in dieser dunklen und kalten Nacht. Wir sind noch auf der Reise; vieles hält uns noch zurück. Und genau zu dieser Zeit ergeht Gottes Einladung zur Freude an uns, und sie ist vollkommen. Deshalb lasst uns diese Stimme nicht überhören, sondern sie nicht nur mit den Ohren, sondern vor allem mit dem Herzen aufnehmen.