Betet, Brüder und Schwester.

Im Evangelium über die Vertreibung der Händler (Mk 11,15-19) sehen wir Jesus als besonders empfindlich für diesen heiligen Raum. Er ist ausschließlich zum Gebet bestimmt, und er erträgt es nicht, dass darin irgendetwas anderes als die Anbetung Gottes ausgeübt wird. Das Evangelium ist durchdrungen von Jesu Einsatz dafür, dass seine Jünger beten. Er selbst war ein Beispiel des Gebets, als er die ganze Nacht betete (Lk 6,12-13) und sich  an einen einsamen Ort zurückzog (Mr 1,35). Seine Zuhörer forderte er auf, sich in die Verborgenheit zurückzuziehen, hinter die geschlossene Tür der Kammer des eigenen Herzens (Mt 6,6). Jesus betete auch, als er Blut für unsere Sünden schwitzte. Er betete sein ganzes Leben lang und  mit seinem ganzen Leben. Seine Botschaft steht auf der Aufforderung: Menschen, betet, sprecht mit  Gott, vertraut Gott, übergebt euch Gott.

Deshalb kann auch der Priester als verlängerte Hand Jesu während  der heiligen Messe nicht anderes tun, als die Gläubigen nach der Vorbereitung der Opfergaben und dem Waschen der Hände zum Gebet einzuladen, oder im vollständigen Wortlaut. Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle. Darauf reagiert das Volk mit  dem Auftrag. Der Herr nehme das Opfer  aus deinen Händen, zum Lob und Ruhm seines  Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche.

Während der Priester in den vorgehenden Texten der Messe in der ersten Person Plural sprach, also „wir beten“, „wir opfern dir“, beginnt er  in diesem Teil des Gottesdienstes, „betet“ zu sagen, damit offensichtlich wird, dass bei der Vorbereitung des eucharistischen Hochgebets der Priester als Alter Christus auftritt und  in persona Christi  spricht, identifiziert mit Christus, in der Person Jesu Christi. Dies wird  auch im zweiten Teil der Aufforderung bestätigt, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle. Durch den Priester wendet sich Christus an die Kirche, an die Brüder und Schwestern.

Das Schlüsselwort ist gefallen. Wann gefällt unser Opfer Gott eigentlich? Dann, wenn es ein Opfer ist, das in Jesu Gegenwart erlebt wird, mit  eigener innerer Bereitschaft, sich in sein Opfer einzufügen, in seinem Stil der selbst hingebenden Liebe, mit Vergegenwärtigung bei der Wandlung von Brot und Wein. Dann findet Gott Gefallen an diesem Opfer, wenn in uns währenddessen das Liebesbekenntnis Gottes des Vaters an seinen Sohn  bei seiner Taufe widerhallt. Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. (Mt 3,17) .

Die Gläubigen bekennen die Identität und Kompetenz des geweihten Priesters Christi mit ihrer Antwort. Der Herr nehme das Opfer  aus  deinen Händen, zum Lob und Ruhm seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche. Aus deinen Händen, und das ist entscheidend, denn die erwähnten Hände sind die Hände eines besonders gesalbten Trägers des sakramentalen Priestertums, das  sich vom Taufpriestertum der Gläubigen unterscheidet. Gesalbt  sind  seine priesterlichen Hände, von den Gläubigen bestätigt durch  die ausdrückliche Erwähnung deiner Hände.

Das Opfer ist ein enormes Geschenk zum Nutzen der um das Alter versammelten Gemeinschaft. Doch keine heilige Messe ist eine private Tat irgendeiner Gemeinschaft, sondern immer eine Handlung der universalen Kirche. Jede heilige Messe betrifft nicht nur die gerade feiernde Gemeinschaft, sondern auch die gesamte feiernde  Kirche  auf Erden und im Himmel.

 

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