Wandlung des Brotes.

Die Beschreibung der Gesten und Worte Jesu beim letzten Abendmahl beginnt im zweiten eucharistischen Hochgebet mit den Worten.´Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde, wurde im dritten eucharistischen Hochgebet auch das Wort „verraten“ eingefügt: „Denn in der Nacht, da er verraten wurde.“ Diese Einleitungen deuten auf das konkrete Handeln Jesu als  Hohepriester hin und verraten außer seiner inneren Freiheit und Freiwilligkeit, sich für uns zu opfern, auch den Verrat seitens seiner Nächsten. Das ursprüngliche Wort, das als „verraten“ übersetzt wird, ist mehr als nur  Verrat des Judas; es geht  auch um die globale Tragweite des Todes Jesu, denn er wurde gemäß dem göttlichen Heilsplan ausgeliefert, dem Plan zur Rettung der menschlichen Zivilisation. Unmittelbar an die einleitenden Sätze des zweiten und dritten eucharistischen Hochgebets schließt  der Text der Einsetzung des Altarsakramentes an.

Die Einsetzung beschreibt die Gesten, die  Jesu Jünger sahen, und die Worte, die sie bei diesen Gesten hörten. Sie stammen aus dem Ritual des feierlichen jüdischen Paschamahls, das Jesus im Abendmahlsaal mit neuen Bedeutungen bereicherte, sodass auch die Rubriken des Priesters verlangen, sich bei  ihrem Aussprechen zu verneigen, und im Messbuch selbst sind diese Sätze ganz in Majuskeln gedruckt.

Die Jünger sahen also, dass Jesus das Brot nahm, und ähnlich sehen auch die Gläubigen, dass der Priester  es in seine Hände nimmt, den sie ihm vor einigen Minuten  anvertraut haben. Der Herr nehme das Opfer aus deinen Händen an. Beim Ergreifen des Brotes hörten die Jünger: „Nehmt und esst.“ Eine persönliche Geste des Meisters, gerichtet an die zu Tisch Sitzenden, die er auffordert, anzunehmen und  zu essen, was er ihnen reicht. Das Essen ist in biblischen Zusammenhängen die höchste Form der inneren Annahme , der göttlichen Gabe und gleichzeitig die innigste Teilhabe  am Leiden Jesu und am Sieg Jesu. Dieses Brot zu essen, ist  eine Einladung an die Jungen, den Leib Jesu als Nahrung für  ihre Seele anzunehmen.

Gleichzeitig bringt Jesus Dank dar, denn das Wort „Eucharistie“ bedeutet Danksagung, wobei die spezifische Danksagung über dem Brot in Jesu Zeit außer Lobpreis und Dank an Gott auch die  Bitte um Gottes Hilfe umfasste. In der Gegenwart des Gottessohnes Jesus war und  bleibt dies die höchste Form des Dankes, denn Jesus bringt Dank dar, indem er selbst zu diesem Brot wird und  so  mit seinem ganzen Wesen Dank und Lobpreis verkörpert. Er selbst verkörpert existenzielles Lobpreis und Dank.

Die Schlüsselgeste des Brechens hat zwei miteinander verbundene Bedeutungen. Die Erste: Wenn das Brot durch das Brechen zur Speise wird, durch Teilen für die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft, zu einer vereinigenden Speise, die sie  zu einer  Gemeinschaft zusammenfügt, im Sinne Jesu‘ Weisung „Esst alle davon“: Es ist Jesus, der dieses Brot  bricht und den Jüngern reicht, damit alle davon essen. Die zweite Dimension, ohne die die erste nicht sein kann, ergibt  sich aus  der zweiten Bedeutung des Brechens als Opfer. Jesus hat  sich freiwillig für uns  geopfert, nach seinem eigenen Bekenntnis. Mein Leib, der für euch hingegeben wird. Für alle und  für euch beziehen sich auf Jesu universelles Angebot, ihn als persönlichen Erlöser, Retter und Heiland anzunehmen.

Der Kern der Wandlung des Brotes in Christi Leib ist der mit schöpferischer Macht ausgesprochene Satz. Das ist mein Leib. In diesem Moment wird das Wesen des Brotes und des Weines gewandelt, das heißt, transsubstantiiert in das Wesen des Leibes und des Blutes Jesu. In der Messe spricht dieser Formel der geweihte Priester  Christi aus, und dabei kommt es durch die Kraft des Heiligen Geistes zur  einzigartigen Wandlung. Unmittelbar vor diesem Akt hat derselbe Priester die Hände über die Opfergaben ausgestreckt und um die Herabsendung des  Heiligen Geistes gebeten, damit durch seine Kraft diese Wandlung vollzogen werde.

Die wesentliche, grundlegende und unverzichtbare Rolle des Heiligen Geistes bei der Wandlung von Brot und Wein in Jesu  Leib und Blut nahmen schon die ersten Christen wahr. Sie verstanden diese Wandlung als verlängerte Inkarnation und fortgesetzte Menschwerdung. So  wie die Jungfrau Maria durch die Kraft des Heiligen Geistes Jesus unter ihrem Herzen empfing, so werden auch bei jeder heiligen Messe durch die Kraft des Heiligen Geistes Brot und Wein zum Leib und Blut Jesu.

Man muss sich bewusst sein, dass derselbe Heilige Geist,der bei der Schöpfung über  den Wassern schwebte (Genesis 1,2), jetzt bei den Wandlungsworten mit derselben kreativen Energie eingreift und das Brot  in seinem Wesen verwandelt. In diesem Sinne ist jede eucharistische Wandlung eine Teilhabe an der neuen Schöpfung in Jesus Christus, die eine neue Zivilisation der Liebe hervorbringt. Jesus selbst bereitete seine Jünger auf diesen Moment durch  die wunderbare Brotvermehrung vor, als er mit fünf Broten mehrere Tausend Menschen sättigte. Schon damals bereitete er die Apostel auf  das überraschende Bekenntnis im Abendmahlssaal vor.

 Anschließend erhebt der Zelebrant die Hostie und legt sie nach ihrer Erhebung auf die  Patene und den Altar zurück. Es ist nicht mehr  das Brot als dargebrachte Opfergabe, sondern  die Gegenwart Jesu,der sich selbst als Opfergabe für uns darbringt. Er wird lebendig ,wirksam und siegreich gegenwärtig im Rahmen ungesäuerten Brotes. Es ist  ein großes Geschenk, tiefe Ehrfurcht vor Jesus auf  dem Altar zu empfinden, vor  ihm als dem gebrochenen Brot der Gemeinschaft ,dem Brot ,das an uns alle ausgeteilt wird,damit auch wir, genährt von ihm als dem lebendigen Brot vom Himmel,gut wie Brot werden.

Dieser Beitrag wurde unter Andere veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.