Die Wandlung des Weines.

Die Wandlung des Weines schließt untrennbar an die Wandlung  des Brotes  an und bildet  mit ihr  eine Einheit des Handelns Jesu bei ein und demselben letzten Abendmahl. In ähnlichem Rhythmus wie  mit dem Brot nahm Jesus auch den Kelch, dankte ebenso und gab ihn den Jüngern mit den Worten: „Nehmt und trinkt alle daraus“, das heißt: Nehmt mich innerlich in euch auf, habt Anteil an meinem Mahl, bei dem ich selbst Speise und Trank bin. Wenn wir  das Blut Jesu empfangen, werden wir  tatsächlich im geistlichen Sinne des Wortes zu seinen Blutsverwandten, denn er nennt uns nicht mehr Knechte, sondern Freunde (Johannes 15,15).

Der Kern der Wandlung des Weines ist der Satz: „Das ist der Kelch meines Blutes.“ Wieder geht es  um Worte, die von verwandelnder Schöpferkraft erfüllt sind. Es wird der Wein verwendet, der selbst schon ein Symbol der Erfüllung der messianischen Zeiten  und der versprochenen göttlichen Großzügigkeit und Fülle war. Eine  entfernte Vorbereitung  auf die Transsubstantiation des Weines  in Blut war die Verwandlung von Wasser  in Wein in Kana in Galiläa. Es war  das erste Wunder  Jesu, das ein Vorbild für das letzte Wunder  im Abendmahlssaal war, unmittelbar vor dem Vergießen des Blutes am Kreuz, wo das Herausfließen von Blut und Wasser das Zeichen des  endgültigen Todes des Gekreuzigten war.

Die Zeitgenossen Jesu verstanden und bekannten, dass im Blut das Leben wohnt. Somit bedeutete das Vergießen von Blut einen Angriff auf das Leben, eine Tötung – in diesem Fall die Tötung Jesu durch Kreuzigung. Doch dieser blutige Tod ist auch unsere Rettung, er ist heilbringend. Jesus selbst betont, dass er für uns stirbt, für uns alle. Dies drückt die Universalität seiner dienenden Liebe und seines Opfers für die Anwesenden und die Abwesenden aus.

Aber was will Jesus erreichen?
Für viele, für alle die Vergebung der Sünden. Die aufrichtige Empfangnahme der Lossprechung von Todsünden ist Bedingung und Vorbereitung für den Empfang der Eucharistie. Und warum spricht er vom Blut des neuen und ewigen Bundes? Weil die Besiegelung eines gegenseitigen Bundes ein Ausdruck der Nähe Gottes und des Respekts gegenüber dem Menschen als Gottes Geschöpf ist.
Sicherlich mag uns das Wort „Bund” zu offiziell klingen, als käme es aus der Kanzlei oder vom Notar. Es geht jedoch um einen geistlichen Bund zwischen Gott und dem Menschen, der mit dem Blut Jesu besiegelt wurde.

Dieser neue Bund unterscheidet sich  vom alten durch das Blut. Mit dem Blut der Opfertiere des alten Bundes am Sinai wurde das auserwählte Volk als Zeichen des Bundes mit Gott besprengt. Die Besprengung des Volkes mit dem Blut des Opfertiers war im Alten Testament ein einzigartiger Moment. Aber der neue Bund ist mit dem Blut des wahren Gottes und des  wahren Menschen, Jesus Christus, besiegelt. Und da Jesus wirklich wahrer Gott und wahrer Mensch ist, ist seine Auferstehung unwiderruflich und endgültig. Der Hebräerbrief sagt: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Die abschließende Anweisung „Tut dies meinem Gedächtnis“ ist  mehr als eine Aufforderung, sich  an bedeutende  Momente  der Vergangenheit zu erinnern. Die Juden erlebten das Paschamahl ,als  eine stets aktuelle Befreiung  aus der Knechtschaft und kamen  zum Tisch in Pilgerkleidung. Der jüdische Begriff ´zum Gedächtnis“ verstand die Zeit und die Spannung zwischen   Vergangenheit und Gegenwart anders  als heute  üblich, Er kannte nämlich keine unüberwindbare Barriere zwischen dem, was war, und dem, was gerade geschieht.

Nach der Formulierung der Wandlung von Brot  und Wein erhebt der Priester die Hostie und den Kelch. Diese  Geste wurde an der Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend  in die Liturgie aufgenommen und  sollte den Gläubigen helfen , mit  den Augen  des Glaubens auf  das  Brot und den Kelch als  den Leib Christi und das Blut Christi  zu schauen. Die  Heiligkeit  dieses  stillen Moments  wird  durch  eine  Glocke  betont,

Dieser Beitrag wurde unter Andere veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.