2. Fastensonntag A Mt 17,1-9
Gott, der Herr,der uns, geboten hat, auf die Stimme seines Sohnes Jesus Christus zu hören,sei mit euch.
Der außergewöhnliche Bergsteiger Reinhold Messner weckte bei vielen die Leidenschaft für die Berge. 1978 bestieg er als Erster den Mount Everest, den höchsten Berg der Welt, und das ohne Sauerstoffgerät, was lange als unmöglich galt. Zwischen 1970 und 1986 bestieg er alle Achttausender.
Jesus, du bist gekommen als der Stammvater eines neuen Menschengeschlechts. Herr, erbarme dich unser.
Du kamst zu unserer Rettung und hast uns zur Gnade berufen. Christus,erbarme dich unser.
Du hast dich deinen Aposteln in Herrlichkeit gezeigt. Herr,erbarme dich unser.
In einem Dokumentarfilm sprach er über seine Besteigung des Mount Everest und zeigte atemberaubende Bilder. Bei Vorträgen signierte er sein Buch über den höchsten Berg der Welt. Dabei hob er den Kopf und sah jeden Einzelnen an. Jeder spürte seinen langen Blick. Ein kurzes Lächeln. Dann schlug er das Buch auf und umkreiste das gedruckte Motto: „Ich wollte hoch hinaufsteigen, um tief in mich hineinzusehen!“ Es war, als wollte er diese Worte jedem persönlich widmen. „Schau tief in dich hinein …“ Diese Botschaft ist für viele bis heute ein Wegweiser. Sie lässt sich übersetzen mit: Wage das Außergewöhnliche.
Es gibt Orte auf der Welt, an denen Himmel und Erde sich zu berühren scheinen. Zum Beispiel auf einem Berggipfel. Wenn man ein paar Tage in der Tatra wandert, ist das natürlich fantastisch, aber anfangs auch anstrengend und man bekommt Muskelkater. Doch der Aufstieg lohnt sich auf jeden Fall. Die wunderbare Luft, der Sonnenschein und die Aussicht sind einfach wunderschön. Viele würden diese schönen Momente am liebsten für immer festhalten.
Dort oben hat man wirklich das Gefühl, dass sich Himmel und Erde berühren. Doch nicht nur dort, sondern in allen Momenten unseres Lebens, in denen alles harmonisch ist. Wie es so schön heißt: „Wo Menschen sich selbst vergessen, ihre alten Wege verlassen und neu anfangen, Hass, Zorn und Sünde überwinden, da begegnen sich Himmel und Erde.“ Und wir können hinzufügen: Wo immer Menschen gut miteinander auskommen, wo Liebe, Vergebung und Verständnis herrschen, berühren sich Himmel und Erde. Gott ist uns überall ganz nah, er ist unter uns. Alle Fragen und Zweifel verschwinden, alles wird klar wie auf einem Berggipfel. Gott geht mit uns Seite an Seite, Hand in Hand. Viele möchten nach dem beschwerlichen Aufstieg auf dem Berg länger verweilen, doch das ist unmöglich. Bald müssen sie an den Abstieg denken, damit sie nicht von der Dunkelheit überrascht werden.
Genauso kann niemand die schönen Momente seines Lebens festhalten. Wir können solche Augenblicke nicht einfrieren. Nicht einmal ein Augenblick des Glücks bleibt uns erhalten. Wir können nicht alles bewahren, was uns erfüllt. Auf dem Berg der Verklärung gibt es keinen Ort zum Verweilen, keine dauerhafte Bleibe. Doch was wir erlebt haben, können wir in unseren Herzen tragen. Wir sind noch an die Erde gebunden. Das Reich Gottes ist noch nicht vollendet, wir müssen unseren irdischen Weg noch gehen, durch Versuchungen und Prüfungen. Wir sollen auf Gott hören. „Hört auf ihn(auf Jesus) sagt Gott zu den Jüngern. Das ist wichtig und gilt auch für uns.
In dieser Stunde tut Jesus etwas Erstaunliches: Er schenkt den drei Aposteln die Stunde des Tabor, die Stunde der Verklärung. Gott offenbart die Herrlichkeit seines Sohnes auf unübertroffene Weise. Das strahlende Licht Gottes ist mit ihm. Es ist wie ein Blitz in der Nacht, der für einen Augenblick das Land erhellt. So bricht die Herrlichkeit Gottes am Tabor hervor.
Die drei Apostel spüren Gottes Nähe. Und so, wie Petrus sich vom Leiden abwendet, sehnt er sich nun nach Gottes Herrlichkeit. Er will Herrlichkeit ohne Geduld, ohne Opfer, ohne Leiden, ohne Kreuz. Empfinden wir nicht alle dasselbe? Glauben wir nicht, wir könnten Gottes Herrlichkeit erlangen, ohne dem Weg Jesu zu folgen – dem Weg des Leidens und des Kreuzes??
Der Dichter Paul Claudel beschreibt seine Erfahrungen. Während seines Studiums an der Universität wurde er von einer so großen Verzweiflung erfasst, dass er an Selbstmord dachte. Dann kam ein unerwartetes Erlebnis, das ihn rettete. In der Vesper am Heiligen Abend in der Kathedrale Notre-Dame erlebte er etwas, das sein ganzes Leben veränderte. Er beschreibt: „Im Nu sank mir ins Herz, etwas außergewöhnliches. Ich glaubte mit überwältigender innerer Zustimmung, mein ganzes Wesen war verändert. Ich glaubte mit so starker Überzeugung und so unbeschreiblicher Gewissheit, dass kein Raum für den geringsten Zweifel blieb. Von diesem Tag an würden alle Bücher, alle weisen Philosophien und alle Zufälle eines geschäftigen Lebens meinen Glauben nicht mehr erschüttern.
Auch das Tabor und der Ölberg sind die Berge unseres Lebens. Auch wir erleben Höhen und Tiefen. Wir alle kennen die Stunden im Tabor, in denen alles hell ist und wir glücklich und zufrieden sind. Es gibt Momente in unserem Leben, in denen uns der Glaube leichtfällt und wir die Nähe Gottes spüren. Es sind die Höhepunkte, in denen Gott keine Frage mehr ist, sondern in denen wir ganz sicher sind: Gott existiert, Gott ist hier. Seine Gegenwart umgibt und durchdringt uns. Dann sind wir erfüllt von Freude und Dankbarkeit. Doch kein Leben besteht nur aus Höhen.
Es wäre schön, sich hoch oben niederzulassen und im Licht Gottes zu baden. Doch die Geschichte endet nicht mit dieser Erfahrung. Die Verklärung soll die Menschen ermutigen, auch in stürmischen Zeiten daran zu glauben, dass die Sonne immer noch scheint. Die Verklärung des Herrn soll die Überzeugung stärken, dass hinter jedem Leid und nach dem Karfreitag der Ostermorgen folgt.
Gott hat uns in der Verklärung seines Sohnes zu Mitarbeitern an der Vollendung seines Reiches berufen. Darum beten wir.
Der, der das Licht seiner Herrlichkeit vor den Aposteln aufleuchten ließ,schenke uns die Fülle seines Friedens.
Selig, die zur Verklärung im Reich der ewigen Herrlichkeit berufen sind.
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