Das Brechen der Hostie und das Eintauchen eines Stückes in den Wein.
Der Evangelist Lukas beschreibt Jesus beim Mahl in Emmaus. Wie er das Brot nahm,den Lobpreis sprach,es brach und ihnen reichte – da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn . Als sie sich daraufhin auf den Weg zurück nach Jerusalem machte, erzählten sie ihr von ihrem stärksten Erlebnis: was ihnen unterwegs geschehen war und wie sie ihn beim Brotbrechen erkannt hatten (24,13–35). Auch in ihnen hatte dies seine Worte über ihn als das lebendige Brot widerhallen lassen, das durch seine Hände gebrochen und gereicht wird, eine Einladung, an seinem Sieg teilzuhaben. Es ist daher selbstverständlich, dass das Brechen der Hostie ein unverzichtbarer Bestandteil der heiligen Messe ist.
In der ersten Phase singen die Gläubigen dreimal: Lamm Gottes ,du nimmst hinweg die Sünden der Welt. Aus diesem Grund schließen sie die Bitte zweimal mit den Worten´erbarme dich unser´ ab, bei dritten Mal wandelt sich dieser Zusatz in´gib uns den Frieden´. Es ist dies einer der wenigen Teile der heiligen Messe,in denen der Priester während des Gasangs der still ein anderes Gbet spricht und eine andere Handlung vollzieht. In diesem Augenblick identifiziert er sich in besonderer Weise mit Jesus als dem Gastgeber des letzten Abendmahls,den die Jünger nach der Auferstehung bei Brechen des Brotes erkannten.Dieses Geste war so eindringlich das die ersten Christen ihre eucharistische Versammlung ´Brotbrechen´nannten.Bereits der Autor der Apostelgeschichte bestätigt,dass die Gläubigen dass die Gläubigen am ersten Tag der Woche zum Brotbrechen zusammenkamen (Apostelgescheichte 20,7) Dieses Teilen des Brotes Jesu mit den Tischegenossen hat zwei sich gegenseitig bedingende Dimensionen: eine opferbezogene und eine gemeinschaftliche.
Die opferbezogene Dimension erinnert an Jesus als den Gekreuzigten,der sich für die anderen hingegeben hat, und so wird das gereichte Brot zum Brot der Liebe. Zur Speise der Solidarität, zum Brot des unübertrefflichen Opfers des Hirten,der freiwillig für seine Schafe stirbt, damit hängt auch die gemeinschaftliche Dimension dieses Brotbrechens tief zusammen: Wenn ein einziger Leib unter vielen und verschiedenen Menschen geteilt wird, die in Christus eine Gemeinschaft bilden. Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? fragt der heilige Paulus die Korinther und fährt fort. Ist das Brot,das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Darum sind wir viele ein Leib, denn alle haben Teil an dem einen Brot (1. Korinther 10,19–17).
Zum, Brechen der Hostie gehört auch eine kurze,kaum wahrnehmbare Geste. das Einlegen eines Stückchens der Hostie in das eucharistische Blut im Kelch. Der Priester betet dabei still. Die Vermischung des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesus Christus bewirke für uns, wie sie empfangen ,das ewige Leben. Das Ausgangswort ist der Begriff ´Vermischung´als Gegensatz zu dem , was zuvor getrennt war. Der Evangelist Johannes beschreibt nämlich,wie einer der Soldaten Jesus mit einer Lanze in die Seite stach,und sogleich floss Blut und Wasser heraus,getrennt voneinander (Johannes 19,34) – ein Zeichen für Jesu wirklichen Tod ,sodass man ihm auch die Beine nicht brach und man ihn zur Bestattung abnehmen konnte. In dieser Logik ist also der umgekehrte Vorgang – nicht die Trennung,sondern die Vermischung von Leib und Blut – ein Zeichen der Auferstehung Jesu. Die Vermischung ist nicht bloß eine einfache Zuordnung oder eine äußerliche Berührung,sondern gegenseitiges Durchdringen bis hin zu einer unwiderruflichen Verbindung – als würde das Blut , das das Leben symbolisiert, den zuvor toten Leib neu durchbluten und beleben. Und das ist zugleich die Verheißung der Auferstehung für uns , die Empfangenden, die wir davon für das ewige Leben Nutzen zu schöpfen begehren.
Was nützt es dem Menschen,wenn er die ganze Welt gewinnt,aber seiner Seele Schaden nimmt? Oder was kann der Mensch geben, um seine Seele einzulösen, fragt Jesus im Matthäusevangelium( Mat 16,26). Das eucharistische Brot nützt uns als Vorgeschmack des ewigen Lebens im Himmelreich. So erfahren wir bereits während seiner irdischen Gegenwart in Andeutungen und Vorwegnehmen das,was dort in Fülle sein wird. Dieses gebrochene Brot nützt uns für das ewige Leben,denn wenn wir uns im gegenwärtigen Augenblick vollständig in die Umarmung der Gegenwart Jesu hineingeben – in Gedanken,Worten und Taten sowie im Tun des Guten –, dann schreiten wir mit sicherem Schritt in das ewige Leben. Ohne Jesu rettendes Opfer am Kreuz, das durch die Trennung von Blut und Leib angezeigt wurde,und ohne seine Auferstehung,die durch die Vermischung von Leib und Blut angedeutet wird,wäre das ewige Leben für uns unerreichbar. Ohne die Auferstehung Christi wäre das Tor des Himmels bis heute verschlossen geblieben,und der Tempelvorhang wäre in der Stunde seines Sterbens nicht zerrissen worden.
Das stille Gebet und die Geste des Priesters stehen daher in vollkommenem Einklang mit dem ,was die Gläubigen gleichzeitig laut singen oder sprechen. – eben dadurch , dass er sich für uns opfert und bricht , dass er mitten im Sterben den Vater um Vergebung unserer Sünden bittet. Damit ist die Bitte „Erbarme dich unser’ bereits im Voraus erhört. Vom Tod und von der Auferstehung führt uns jedoch die letzte Bitte des dreifachen Gesangs: „Gib uns den Frieden“, denn der Friede war das Geschenk des Siegers über den Tod, der nach dem Eintreten in den verschlossenen Abendmahlssaal seine Jünger mit den Worten begrüßte: „Friede sei mit euch. (Johannes 20,21) Die Bitte, dreifach zu singen, ist im biblischen wie im liturgischen Kontext die höchste Form ehrfürchtiger Dringlichkeit, Ausdruck eines demütigen Verlangens nach dem Guten,das von Gott selbst erwartet wird. Die dreimal wiederholte Anrede „Lamm Gottes“ hat ihr Vorbild beim Propheten Jesaja, bei dem es heißt: „Wie ein Lamm wurde er zur Schlachtbank geführt, und wie ein Schaf vor seinem Scherer verstummt er´“ (Jesaja 53,7). Die Offenbarung des heiligen Johannes beschreibt Engel ,die rufen; „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde,Macht zu empfangen und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob. Und dann sind auch wir in der Gegenwart eingeladen, gemeinsam mit der gesamten Schöpfung zu rufen: „Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit“ (Offenbarung 5,12-13). Und wenn der heilige Paulus die Korinther zur Umkehr aufruft, ist sein grundlegendes Argument, dass unser Osterlamm Christus geopfert wurde (1. Korinther 5,7).
Tritt stets so in die Feier ein wie jene, die den Frieden Jesu empfangen wollen: im Frieden der Menschen mit reinem Gewissen, im Frieden der Glaubenden an Jesus, den Lebendigen, Siegreichen und Gegenwärtigen, im Frieden der Menschen, die aus Christus jenen einzigartigen Frieden schöpfen, den uns niemand jemals nehmen kann.
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