Jesus Christus, der uns geboten hat, im Mahl seines Leibes und Blutes seinen Tod zu verkünden, sei mit euch.
Heute gedenken wir der Einsetzung der Eucharistie. Doch die Wahrheit ist: Im Johannesevangelium findet sich keine Erwähnung dieses Sakraments. Der Evangelist Johannes verwendet, anders als die sogenannten Synoptiker, eigene Überlieferungen, die nur in seinem Evangelium vorliegen. Statt der Einsetzung der Eucharistie berichtet das Johannesevangelium von der Fußwaschung.
Jesus, du hast das Ostermahl des Dankes mit deinen Jüngern gefeiert. Herr,erbarme dich unser.
Du wolltest das Osterlamm des Neuen Bundes werden.Christus,erbarme dich unser.
Du bleibst im heiligen Mahl deines Erlösungspfers bis zu deiner Wiederkunft. Herr, erbarme dich unser.
Nach dem gemeinsamen Abendessen, möglicherweise bereits währenddessen, ereignet sich etwas Unerwartetes, mit dem keiner der Jünger gerechnet hat. Jesus erhebt sich plötzlich und beginnt, seinen Jüngern die Füße zu waschen. Dieses Handeln war vermutlich nicht nur für die Jünger schwer nachvollziehbar, sondern erscheint auch aus heutiger Perspektive ungewöhnlich. Während ein gemeinsames Mahl als selbstverständlich gilt, wirkt das Waschen der Füße für viele befremdlich. In unserer heutigen Kultur ist es kaum vorstellbar, einem Gast als erste Geste die Füße zu reinigen.
Zur Zeit Jesu unterschied sich die Praxis der Fußwaschung deutlich von den heutigen Gepflogenheiten. Auf dem Weg zum Gastgeber verschmutzten die unbedeckten Füße der Gäste in ihren Sandalen rasch auf den staubigen Straßen. Es galt als Ausdruck von Respekt und Wertschätzung, den Gästen die Füße zu waschen. Dieser Dienst war jedoch klar geregelt und wurde nicht von beliebigen Personen übernommen. In der Regel handelte es sich um eine Aufgabe für Sklaven, die dem rangniedrigsten Diener des Hauses vorbehalten war.
Deshalb sorgte Jesu Handeln unter den Jüngern für Verwirrung. Jesus stellte die etablierten Sitten auf den Kopf. Er, Gott, der Höchste, demonstrierte seinen Jüngern, die einfache Menschen waren, den niedrigsten Dienst. Mit dieser Tat gab Jesus im Grunde eine Prophezeiung dessen, was folgen sollte. Er würde es nicht bei der Fußwaschung belassen. Seine Erniedrigung würde mit dem Tod am Kreuz enden. Dies ist seine vollkommen offenbarte Liebe, die ein Vorbild für seine Jünger sein sollte. Und nicht nur für sie, sondern auch für uns.
In unserer Gemeinde praktizieren wir keine Fußwaschung, aber wir können und sollten eines tun: unseren Nächsten mit Liebe begegnen.
Jesus ist am letzten Abend vor seinem Leiden bei seinen Liebsten. Er gibt sein Leben, um unseres zu retten. Den ganzen Abend verweilt er bei dem, was wesentlich ist und auf dem sein ganzes Leben beruht: der Liebe. Liebe ist das Wesen Gottes. Diese grenzenlose, unerschöpfliche Liebe ist jederzeit für alle gleichermaßen da. Sie achtet nicht auf Bildung oder Geld. Sie löst keine dieser Probleme. Sie liebt einfach. Denn das ist es, was Liebe ausmacht: Sie liebt bedingungslos. Sie liebt und wünscht sich nur eines: sich in den Herzen, Gedanken, Taten und Leben der Menschen auszubreiten.
Liebe Brüder und Schwestern, ich bin persönlich froh, dass Johannes die Geschichte von Jesu Fußwaschung in sein Evangelium aufgenommen hat. Die anderen Evangelisten – Matthäus, Markus und Lukas – beschreiben ein anderes Ereignis an Jesu letztem Abend auf Erden: die Einsetzung der Eucharistie. Dies ist zweifellos von größter Bedeutung. Doch der sogenannte Gründonnerstag, den wir heute in der Kirche feiern, handelt nicht nur von der Einsetzung der Eucharistie. Dank des Evangelisten Johannes ist er auch ein praktisches Beispiel für die Liebe und eine Lehre über sie.
Was lernen wir also aus dieser Lehre über die Liebe? Zunächst einmal ist Liebe nicht nur ein Gefühl. Liebe ist eine Haltung, die sich im Handeln ausdrückt. Zum Beispiel indem wir anderen helfen, auch wenn es uns nicht passt. Wir geben, selbst wenn es uns wehtut. Wir kümmern uns um das Wohl anderer, nicht nur um unser eigenes. Wir beklagen uns nicht über das Unrecht, das uns zugefügt wurde, und wir rächen uns nicht.
Es ist gewiss nicht einfach, so zu lieben. Doch wenn wir versuchen, so zu leben, werden die Menschen es bemerken und erkennen, dass wir übernatürliche Kraft empfangen. Und sie werden fragen, woher diese kommt. Wenn wir doch nur in Jesus ein einzigartiges Beispiel der Liebe und Aufopferung gerade in dieser Zeit sehen könnten! Wenn wir, die Christen von heute, doch nur so leben und ein reines, aufrichtiges und unverfälschtes Zeugnis eines Lebens aufopfernder und selbstloser Liebe ablegen könnten! Möge Jesus uns jeden Tag dabei helfen! Und zu unserem zeitlichen und ewigen Wohl.