
Die Antwort lässt sich aus zwei Blickwinkeln suchen.
Welche Rolle sollte das Christentum heute spielen? Diese Frage muss gestellt werden, wenn wir nach Formen der Seelsorge suchen, die den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft entsprechen. Wenn wir das Christentum nicht auf die Rolle eines Bewahrers von Traditionen, auf einen bloßen Bestandteil des Lebensstils in sogenannten „traditionellen Regionen“ oder auf einen Wohltätigkeitsverein reduzieren wollen, müssen wir fragen, welche Bedeutung es für unsere heutige Welt hat. Die Antwort darauf lässt sich aus zwei Perspektiven finden. Erstens aus der Sicht des christlichen Glaubens und zweitens aus der Sicht der Bedürfnisse der Welt, so wie wir sie erkennen und verstehen können.
Christentum aus der Perspektive von Christen
Aus christlicher Sicht geschieht das Christentum hier nicht aus eigener Entscheidung, sondern durch den Willen Christi. Die Aufgabe der Christen ist es, Zeugen und Verkünder des Evangeliums zu sein, sich darüber zu freuen, dass „ihre Namen im Himmel geschrieben stehen“, und so die Hoffnung für die Menschheit zu sein, wie das Konzil es ausdrückt: „Die Kirche ist in Christus gleichsam ein Sakrament oder ein Zeichen und Werkzeug der inneren Vereinigung mit Gott und der Einheit der ganzen Menschheit.“ Die Christen, die die Kirche bilden, sind der „Tempel des Geistes“; sie haben die Möglichkeit und die Aufgabe, aus seiner Inspiration zu leben. Nicht zuletzt ist ihre Mission auch das Fürbittgebet für die Welt. In all dem ist die Kirche grundlegend unabhängig von den Möglichkeiten, die ihr die Welt bieten kann.
Das Christentum aus der Perspektive der Welt
Auch wenn die Welt, in der wir leben, den Inhalt des christlichen Glaubens nicht bestimmt, können Christen ihre Bedürfnisse und Erwartungen nicht ignorieren. Das Konzil hat hier einen klaren Weg aufgezeigt, besonders deutlich in der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, indem es seine Sorge um die Welt ausdrücklich zum Ausdruck brachte.