Gott ,der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns in seinem Erbarmen neu gezeugt hat, sei euch.
Schwestern und Brüder, jeder Sonntag des Kirchenjahres hat seinen eigenen Namen, seine Bedeutung oder seinen charakteristischen Gedanken. Am heutigen 2. Sonntag nach Ostern wendet sich die ganze Kirche der Barmherzigkeit Gottes zu, denn wir alle brauchen die Erfahrung der Vergebung. Gottes Barmherzigkeit empfangen wir, indem wir unsere Sündhaftigkeit erkennen und anerkennen.
Jesus, du hast dich vor deinen Jüngern offenbart und ihren Glauben gefestigt. Herr, erbarme dich unser.
Du hast die ersten Gemeinden deiner Kirche zum Zeugnis deiner Liebe gemacht.Christus,erbarme dich unser.
Du schenkst uns die Hoffnung unserer Auferstehung. Herr,erbarme dich unser.
Predigt
Wer sie nicht kennt oder nicht anerkennen will, wird kaum verstehen, warum er sich nach Gottes Gnade sehnen sollte. Wer sich seiner Sündhaftigkeit bewusst ist, lebt aus Gottes Barmherzigkeit und trägt diese Erfahrung der Vergebung auch in seine Beziehungen zu anderen Menschen hinein.
Das Miteinander der Menschen ist heute von etwas ganz anderem geprägt als von Barmherzigkeit. Nicht selten begegnen wir einander feindselig — ob unter Bekannten oder unter Fremden. Und so berührt die Botschaft des heutigen Sonntags nicht nur das religiöse Leben — die Beziehung zwischen Mensch und Gott —, sondern auch den alltäglichen Umgang miteinander.
In der Heiligen Schrift sagt Jesus: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Dieser Satz trägt die frohe Botschaft in sich, dass unser Gott barmherzig ist. Und seine Barmherzigkeit erkennen wir am besten, wenn wir uns bewusst werden, dass Gott mir persönlich gegenüber barmherzig ist.
Was bedeutet Gottes Barmherzigkeit? Barmherzig sein bedeutet: sich in die Situation, die Probleme, die Schwierigkeiten und das Leid des anderen Menschen einfühlen zu können — aber auch in seine seelischen und geistlichen Nöte — und ihm nach seinen Möglichkeiten zu helfen, damit er fertig wird und sie lösen kann. Barmherzig sein bedeutet, sich anderen vieles vergeben zu können — und zwar nicht aus Schwäche, weil man sich nicht rächen kann, sondern aus innerer Stärke, weil man die Rachsucht in sich überwindet und durch etwas Positives ersetzt. Diese Merkmale der Barmherzigkeit leiten wir aus dem Verhalten Jesu Christi ab.
Wenn Jesus den Menschen begegnete, wandte er seinen Blick nicht von ihrem Leid ab, sondern versetzte sich in ihre Lage, litt mit ihnen und half ihnen. Darin bestand seine Solidarität. Er fühlte mit den Blinden, den Aussätzigen, mit dem Vater der sterbenden kleinen Tochter. Er verstand das Erleben von Maria und Marta, als ihr Bruder Lazarus starb, das Erleben der Fischer auf dem aufgewühlten See und das Erleben von Petrus beim Versinken im See. Er verstand es, Sündern und Menschen mit schlechtem Ruf zu begegnen. Lang ist die Liste derer, die in ihrem Leben erfahren haben, dass Jesus ihnen gegenüber barmherzig war. Jesus half den Menschen. Alle erlebten dies als Gottes Barmherzigkeit — was daran zu erkennen ist, dass alle, nachdem sie Jesu Hilfe empfangen hatten, dem Herrn Gott dankten.
Solche Zeichen der Barmherzigkeit Gottes haben wir alle empfangen, und wenn wir auf unser Leben zurückblicken, könnten wir Situationen entdecken, in denen wir sie erfahren haben. Wenn wir uns diese Zeichen der Barmherzigkeit Gottes in unserem Leben bewusst machen, sollten wir uns sogleich so verhalten, wie der Evangelist Lukas schreibt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36) Und dazu könnten wir uns fragen: „Wie kann und soll ich dem Menschen in meiner Nähe Barmherzigkeit erweisen?“
Schwestern und Brüder, Gott öffnet uns durch seine Barmherzigkeit eine neue Zukunft. Freuen wir uns darüber, dass wir, obwohl wir Sünder sind, nicht verworfen werden, denn Gott rechnet auch in Zukunft mit uns. Aber daraus ergeben sich für uns auch gewichtige Konsequenzen für unser Verhalten gegenüber anderen. Da wir aus Gottes Barmherzigkeit leben, sollten wir denen Barmherzigkeit erweisen, die sich gegen uns vergehen. Wenn wir Christen uns alle nach Jesu Grundsatz richteten: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“, würde die Welt anders aussehen. Wir können niemanden zwingen, barmherzig zu sein, aber wir können uns selbst verändern. Dazu verpflichtet uns die Barmherzigkeit, die wir von Gott empfangen haben und weiterhin empfangen.
Jesus Christus hat uns den Frieden mit dem Vater verkündet. In seinem Namen dürfen wir deshalb beten.
Friede war das erste Wort des Auferstandenen. Um diesen seinen Frieden bitten wir. Selig, die im Glauben Gott schauen werden von Angesicht zu Angesicht.